Jaja, ich weiß, ich hätte mir vielleicht mal die Zeit nehmen sollen, zwischendurch einen Blogeintrag zu schreiben. Aber das Leben als Austauschschüler ist in etwa 1.398.244.672 Mal hektischer als zuhause! Und jetzt, nachdem ich dutzende wütende Nachrichten von Freunden bekommen hab (JETZT SCHREIB MAL NEN BLOGEINTRAG MAN) und ich hier so auf meinem Zimmerboden sitze, mit Bleiche in den Haaren und neben mir Bücher und Übungsblätter für die ersten Examen nächste Woche und meine gepackten Koffer auf der anderen Seite habe, dachte ich, ich könnte die Zeit ja auch mal nutzen...
Hmm ja, wo fängt man denn da an?
Also Flug: sehr lang - sehr doof. Hab aber einige nette Leute getroffen, mit denen ich immer noch im Kontakt stehe (shoutout an euch - you know who you are)! Hab’s aber ohne mördermäßig Jetlag irgendwie überlegt (ja, doch, hatte schon Jetlag, aber war zu ertragen). In der Familie alles gut angekommen, alles über diese furchtbare Biosecurity geschafft, ersten paar Tage schon viel gesehen.
Schule - oh gott. Sehr groß, sehr viele Menschen, sehr anderes System. Aber ok. Werde in Year 12 gesteckt, nur um dann am nächsten Tag (der erste richtige Schultag) in Year 13 gepackt zu werden, der Abschlussklasse. Ja, ich weiß auch nicht, wie die sich das gedacht haben, da das bedeutet, dass falls ich meinen Abschluss hier mache, ich nächstes Jahr Year 13 wiederhole. Aber ok. Ich also in meiner schnieken Uniform, die man noch bis Year 13 tragen muss, lauf also zu meinen neuen Year 13 Klassen, die alle keine Uniform tragen. Man kennt niemanden, alle anderen deutschen Austauschschüler sind Year 11 oder Year 12, und alle können irgendwie alles besser. Allerdings - alle sind mega nett. Das muss man den Kiwis lassen, sie sind offen wie sonst was.
Jetzt sind schon 5 Wochen vergangen, und ich lerne für Examen und ziehe in 14 Stunden in eine andere Familie. Was zur Hölle ist passiert?
An die Schule gewöhnt man sich nach einer Weile. Vorallem mit den Fremdwörtern in Mathe und Bio hat’s in sich, aber irgendwann hat man die auch drauf (wenn Ableitungen “differentiation” heißt, Exponenten auf einmal “powers” sind und “nucleus” Zellkern bedeutet). Nächste Woche Montag habe ich mein erstes Examen in Drama und gOTT STEH MIR BEI, ich habe keine Ahnung was die genau von mir erwarten werden. Auf jeden Fall hatte ich mir dafür ein wunderbares Stück angesehen, in dem Brüste, zwei (in Real Life Hetero-) Typen knutschend und einiges an Fake-Blut und Fake-Kotzgeräuschen drin vorkam. Und darüber darf ich dann schreiben. Jep.
Ok, weg von meinem Drama-Trauma, wie gesagt, Schule läuft einigermaßen. Ich habe schon einige Freunde gefunden und jaaa, irgendwie ist sie auch einfacher als deutsche Schule. Vieles hat man schon mal gehabt, nur die Fremdwörter haben’s halt in sich. Aber sowas wie mündliche Noten gibt’s hier nicht, und wenn das nicht mal ein Grund zum Feiern ist?!
Jetzt vielleicht also das, was die meisten interessiert: Gastfamilienwechsel? Jaa, das lief wohl nicht ganz nach Plan. Bevor ich selber einen Austausch gemacht habe, dachte ich immer, wenn jemand die Gastfamilie wechselt ist das deren Schuld, weil sie sich nicht anpassen können, oder so was. Aber glaubt mir, so ist es nicht. Ich glaube, manchmal passt es einfach nicht? Ich habe mich hier einfach nicht wohl gefühlt, und ein wahres Familienfeeling kam bei mir auch nie auf. Die Art und Weise, wie sie ihr Leben führen, war einfach zu anders von dem, womit ich für anderthalb Jahre glücklich leben könnte. Es kam einfach an einen Punkt, wo ich nach der Schule nicht mehr nachhause wollte und mich einfach nur im Zimmer verkrochen hab, wenn ich denn mal da war. Jetzt also eine neue Familie.
Sie wohnen nicht weit von mir entfernt, und scheinen eigentlich ganz nett zu sein. Sie haben ein wunderschönes Haus, und ich hätte eine 14-jährige Gastschwester. Ich hoffe einfach, dass es funktioniert, denn lasst euch eins gesagt sein: Gastfamilien wechseln ist ziemlich ätzend.
Meine jetzige Gastfamilie wünscht mir alles Gute für die nächste Gastfamilie. Sie waren auch immer sehr nett und haben auch immer sehr viel mit mir unternommen, und dafür bin ich ihnen wirklich dankbar, aber wie bereits gesagt: manchmal passt es einfach nicht. Und es ist total normal die Gastfamilie zu wechseln. Also wer auch immer dort draußen sich absolut nicht wohlfühlt in seiner Gastfamilie und Angst hat etwas zu sagen: es ist zwar ätzend, aber es ist auch verständlich.
Soo, viel mehr kann ich jetzt auch gar nicht schreiben, weil ich gleich meine Bleiche auswaschen muss und dann noch die letzten Sachen in die Koffer schmeiße...drückt mir alle einfach bitte die Daumen für die Examen nächste Woche, vorallem für Mathe (hallelujah).
Achja, ich muss ja noch was machen...