Hallo und herzlichen willkommen auf meinem kleinen Blögchen, auf dem ich (zumindest habe ich das vor) alles meiner fast anderthalb Jahre am anderen Ende der Welt dokumentieren werde! Zu Beginn dachte ich, ich klĂ€re erstmal die typischen Fragen, die ein AustauschschĂŒler von Freunden, Familie und auch Fremden bekommt und die sich vielleicht auch manche stellen, die vorhaben vielleicht mal ein Austauschjahr zu machen...
Zugegeben, die Frage krieg ich eher weniger von meinen Bekannten, aber ich dachte, das sollte vielleicht eines der ersten Sachen sein, die ich hier rein schreibe, damit auch jeder weiĂ, wer hier das eigentlich alles postet.
Also, ich bin Annika, kaum aus ânem beschaulichem 15.000-Einwohner-StĂ€dtchen in Ostfriesland und bin 17 Jahre alt. Ich besuche die 10te Klasse eines Gymnasiums und plane fĂŒr anderthalb Jahre etwa 18.000 km weiter östlich mein Abitur in Auckland zu machen. Ich mag Essen zu sehr, höre gerne Rockmusik und treibe Sport; bin in zwei Theatergruppen, tanze seit 7 Jahren und habe einen Stil, den man wohl eher als alternativ bezeichnen kann (siehe Haare). Ich bin die Person, die wenn sie ihre Karte im Kino bezahlt und der Kassierer âviel SpaĂ beim Filmâ sagt, âgleichfallsâ antwortet. Ich bin die Person, die sich im Kopf den FĂŒnf-Wörter-Satz zurechtlegt und es trotzdem schafft, ihn irgendwie zu vermasseln. Ich bin die Person, die schlechte Witze auf Twitter retweetet. Also genau die richtige fĂŒr ânen Austausch.
2.: Wohin gehst du/welche Schule und wieso?
Ich werde zu dem kleinen Vorort âHalf Moon Bayâ in Auckland, Neuseeland âziehenâ und dort fĂŒr anderthalb Jahre mein Leben verbringen. Dieser Ort liegt etwa 30 Minuten mit dem Auto vom Auckland-Stadtzentrum entfernt. Die Schule, an die ich gehen werde, heiĂt Pakuranga College (https://www.pakuranga.school.nz/). Dort werde ich dann die FĂ€cher Mathe, Englisch, Erdkunde, Deutsch, Biologie und Drama (also Theater) belegen.
FĂŒr alle, die sie sich schon ein bisschen mehr ĂŒber neuseelĂ€ndisches Schulsystem informiert haben, denken jetzt bestimmt âaber es gibt doch so viel coolere FĂ€cher als Erdkunde und Bio?!â FĂŒr die, die sich noch nicht so viel ĂŒber Neuseeland erkundigt haben, erklĂ€râ ich das mal kurz: An eigentlich jeder neuseelĂ€ndischen Schule wird viel Wert auf die Persönlichkeitsentfaltung und die Berufsvorbereitung gelegt, somit kann man abgesehen von den ânormalenâ FĂ€chern wie man sie in Deutschland, Ăsterreich, Schweiz auch hat, âbesondereâ FĂ€chere wĂ€hlen wie z.B. Kochen, NĂ€hen, Tanz, Gesundheit, Roboterbau, Möbelbau, Töpfern, Tourismus etc. Mathe und Englisch muss jeder machen; dann kann man je nach Schule und Stufe noch 3 bis 5 weitere beliebige FĂ€cher wĂ€hlen.Â
Wenn man allerdings sein Abitur machen möchte, das im besten Fall in Deutschland anerkannt werden soll, ist mit Mathe, Englisch, Kochen, NĂ€hen und Töpfern anzukommen und zu sagen âerkennt das mal anâ eher schwierig. Deswegen gibtâs bestimmt âRegelnâ an die man sich halten muss; Englisch und Mathe sind wie gesagt Pflicht, dann noch eine Naturwissenschaft und entweder Erdkunde oder Geschichte; die anderen FĂ€cher kann man dann frei wĂ€hlen (bei manchen wird aber noch eine weitere âFremdspracheâ erwartet, Deutsch gilt aber als Fremdsprache, also keine Sorge, ihr mĂŒsst nicht mit Japanisch oder Französisch anfangen, wenn ihr vorher noch keine Kenntnisse hattet; man kann am besten immer die Schule direkt anfragen, was fĂŒr FĂ€cher man belegen sollte, damit es international anerkannt wird).
An meiner Schule sind regulĂ€r nur 5 FĂ€cher, weshalb ich als freies Fach noch Theater dazugenommen hab; ich hab bei meiner Schule angefragt ob ich möglicherweise noch Deutsch als Extra-Fach machen könne, um weitere Punkte (oder wieâs in Englisch heitĂ: âCreditsâ) fĂŒrâs Abitur zu sammeln und das war möglich.Â
Entschieden fĂŒr diese Schule hab ich mich, da sie mir von meiner Organisation wĂ€rmstens empfohlen wurde, weil sie schon viele internationale NCEA (âNational Certificate of Educational Achievementâ: neuseelĂ€ndisches Abitur)-Absolventen hatten, die als AustauschschĂŒler kamen, und sie einen hohen akademischen Standard haben (und sie haben, im Gegensatz zu den anderen Schulen, meine bunten Haare akzeptiert *hust hust*). Und sie hat Deutsch als Fach. Und ein cooles Sportangebot. Und wirkt ganz nett.Â
3.: Mit welcher Organisation gehst du und warum?Â
Ich habe mich bei drei verschiedenen Organisationen beworben (was mir mein Vater geraten hat), um die Vergleiche zu sehen, und bin echt froh, dass ichâs getan hab, da ich mich sonst nicht fĂŒr die Organisation entschieden hĂ€tte, mit der ich jetzt gehe!Â
Ich war bei GLS, Southern Cross und Camps. Nachdem meine Familie und ich auf 2 Austausch-Messen waren, war ich eigentlich der festen Auffassung, GLS wĂ€re die Austauschorganisation fĂŒr mich und hab mich prompt bei ihnen beworben. Aber mein Vater meinte âno noâ und sagte, ich sollte mich noch bei zwei anderen bewerben, also hab ich Southern Cross noch dazugenommen, weil sie mir auch sehr gut gefallen haben, und dann noch willkĂŒrlich Camps aus meinem Katalogstapel rausgesucht. Bei allen dreien hatte ich dann ein BewerbungsgesprĂ€ch, Camps in Hamburg, GLS in Bremen und Southern Cross kam sogar zu mir nachhause! Danach war die Entscheidung doch recht eindeutig, dass ich mich fĂŒr Southern Cross entscheiden wĂŒrde (neeein, nicht weil sie zu mir nachhause gekommen sind).Â
Was mir bei Southern Cross so gut gefallen hat, ist, dass sie wirklich individuell fĂŒr mich passende Schulen rausgesucht haben, und zwar genau die, die akademisch sehr hohe MaĂstĂ€be haben und auch bereits viele auslĂ€ndische NCEA-Absolventen hatten. Das hat mir so ein bisschen bei den andern beiden gefehlt, obwohl sie natĂŒrlich auch Schulen nach meinen Interessen rausgesucht haben. GLS ist denke ich eine sehr gute Organisation, vorallem fĂŒr Leute, die vielleicht auĂerhalb des Rahmes von Southern Cross gehen wollen, da die nur Kanada, USA, Australien und Neuseeland anbietet. GLS bietet viele, viele, viele LĂ€nder mehr an und wer also eher in ein ungewöhnlicheres Land gehen möchte, wĂŒrde ich GLS durchaus empfehlen! Camps hat uns leider nicht so gut gefallen, da es so schien als wĂ€re die fĂŒr mich Verantwortliche nicht ganz informiert ĂŒber Neuseeland, aber vielleicht gingâs ja nur mir so. Will sie auf jeden Fall nicht schlecht machen.
4.: Wie stehen deine Eltern dazu?
Da kann ich wirklich von GlĂŒck reden, da meine Eltern sofort 100 % dafĂŒr waren (fast schon mehr als ich)! Mein Vater hat selber mal einen Austausch gemacht (wenn auch nur fĂŒr einige Wochen) und hatte eh vor mich irgendwann inâs Ausland zu schicken. Beide meine Eltern sind sehr, sehr viel gereist und finden diese Möglichkeit deswegen super, einen Austausch machen zu können! Deshalb kann ich nicht so gut dabei helfen, was es angeht, die Eltern ĂŒberzeugen zu mĂŒssen, da ich selber nie in der Situation davon war, aber ich denke, es wĂŒrde definitiv helfen mit ihnen mal auf so eine Austauschmesse zu gehen wie z.B. die Jugendbildungsmesse. Wenn man erstmal hört, wie die Organisationen vom Austausch schwĂ€rmen, wird man schnell mitgezogen.Â
5.: Was sind die Voraussetzungen?
Du solltest natĂŒrlich erstmal Interesse an der Kultur verschiedener LĂ€nder haben, dich schnell integrieren und anpassen können und auch andere Meinungen und Sitten akzeptieren. Ohne diese drei Sachen wird ein Austauschjahr wahrscheinlich ein (psychischer) Höllentrip. Dann natĂŒrlich die finanzielle Sache. Je nach Land und Dauer kann ein Austausch ziemlich teuer sein, es gibt aber auch bei vielen Organisationen (dazugehört auch Southern Cross) die Möglichkeit, Stipendien bzw. Teilstipendien zu bekommen.
Die Noten sollten natĂŒrlich auch nicht allzu schlecht sein (obwohl du, es sei denn du machst dein Abitur, dich nicht groĂartig in der Schule anstrengen musst, da die Noten letztendlich egal fĂŒr dich (ich weiĂ, falsche Einstellung)). Normalerweise liegt das unterste Limit bei 3,5. Deine Englischnote (falls du in ein englischsprachiges Land gehst) darf nicht schlechter sein als 3. Wenn du in ein anderssprachiges Land gehst, brauchst du KEINE Vorkenntnisse, die sind vielleicht aber ganz nĂŒtzlich, da du dich sonst womöglich SEHR schlecht verstĂ€ndigen kannst.Â
6.: Wie viel kostet ein Auslandsjahr?
Die wohl beliebteste Frage wennâs um Austausch geht. Das kommt natĂŒrlich ganz individuell auf das Land an; europĂ€ische LĂ€nder sind normalerweise sehr gĂŒnstig (im Vergleich zu anderen LĂ€ndern), USA liegt glaub ich bei so 15.000 pro Jahr; Neuseeland und Australien gehören zu den Spitzenreitern mit etwa 20.000 pro Jahr. Es kommt allerdings auch auf die Organisation (obwohl sich da nur etwa 1.000 Euro-Unterschiede bewegen) und das âProgrammâ an, falls es so etwas wie ein Select Program gibt, was normalerweise einiges mehr kostet (man dafĂŒr aber die Region aussuchen kann - bei Neuseeland nicht der Fall, da man sich dort IMMER die Schule direkt aussuchen kann). Zudem kommen noch Visumskosten, etwaige Welcome Days (die bei Southern Cross nicht enthalten sind - sie kosten nochmal 500 Euro extra, um nach der Ankunft in Neuseeland fĂŒr 4 Tage erstmal anzukommen, ich habe mich aber nicht dafĂŒr entschieden, da ich noch Zeit mit meiner Gastfamilie verbringen wollte, bis ich in die Schule muss) und Taschengeld, wobei etwa 250 Euro im Monat empfohlen wird (davon wird dann Handyrechnung, Kleidung, Essen, dass man sich selbst kauft etc. bezahlt).Â
7.: Wie funktioniert die Anmeldung?
Man kann sich entweder im Internet bewerben (so wie ich das gemacht hab) auf den Seiten der Organisation, oder aber man bestellt sich einen Katalog der Organisation, fĂŒllt dann die Bewerbung aus und schickt sie per Post ab. Bei diesen Bewerbungen werden oft nach deinen Interessen gefragt (damit sie Schulen fĂŒr dich raussuchen können, die deinen Hobbies entsprechen)und nach einem oder zwei Zeugnissen (manchmal sogar mehr). Als nĂ€chstes wird man relativ schnell von den Organisationen angerufen und man macht einen Termin fĂŒr ein BeratungsgesprĂ€ch aus. Bei Southern Cross war es zusĂ€tzlich gewĂŒnscht, dass ich auch noch ein Empfehlungsschreiben meiner Englischlehrerin abgeschickt habe.
8.: Wie lÀuft das BeratungsgesprÀch?
Es werden die Schulen vorgestellt, die sie fĂŒr dich herausgessucht haben, alles wird individuell durchgesprochen, also die Kosten, die Reise dorthin, dein Austauschland wird vorgestellt, die Beratung und UnterstĂŒtzung die du stets von der Organisation bekommen kannst und wo, ob es irgendwelche Welcome Days gibt, bevor es losgeht etc. etc. Dann kannst du natĂŒrlich noch jede Menge Fragen stellen. Bei GLS gibt es zusĂ€tzlich noch ein GesprĂ€ch auf Englisch unter vier Augen, wo man dir ganz grundsĂ€tzliche Fragen stellt wie âWo wohnst du? Warum wĂ€hlst du dieses Land? Was machst du gerne in deiner Freizeit?â usw.
9.: Was fĂŒr Dokumente benötige ich?
Erst vor wenigen Tagen hab ich mein Visum abgeschickt, deshalb kann ich jetzt nur fĂŒr Southern Cross sprechen. Bei dem Visumsantrag wird normalerweise immer Hilfestellung von den Organisationen gegeben, das heiĂt sie schicken dir eine Musterversion, die du dann deinen Daten entsprechend abschreibst bzw. ausfĂŒllst. Das Visum besteht aus dem normalen Visumsantrag fĂŒr ein Studentenvisum (man kann auch zusĂ€tzlich ein Arbeitsvisum beantragen, sodass du etwa 20 Stunden die Woche im Ausland arbeiten dĂŒrftest, aber ich will mich nicht von der Schule ablenken lassen, und man braucht eine Erlaubnis die Schule, die nicht sehr oft erteilt wird, weil sie eben aus diesem Grund, und zwar das nicht ablenken lassen, nicht wollen, dass AustauschschĂŒler noch arbeiten), die ErklĂ€rung fĂŒr die finanzielle UnterstĂŒtzung (also die Daten des Kontoinhabers, der das Ganze bezahlt, und dass sie das alles bezahlen). Dazu schickst du dann noch die Kopie von deinem Reisepass UND die des Kontoinhabers derâs bezahlt (also dein Vater oder deine Mutter); KontoauszĂŒge deines Vaters bzw. deiner Mutter um zu beweisen, dass deine Eltern in der finanziellen Lage sind, den Austausch zu bezahlen und unterzeichnest noch eine âDeclarationâ, in der du versprichst, z.B. keinen Alkohol zu trinken wĂ€hrend du in deinem Austausch bist, da du sonst nachhause geschickt wirst, wenn sie es herausfinden (glaub mir, da hab ich schon so einige Horrorgeschichten gehört; die kriegenâs sehr oft irgendwie raus!)Â
10.: Warum machst du den Austausch?
Tjaaaa, warum mache ich das ganze eigentlich? Erstmal liebe ich es natĂŒrlich zu reisen und andere LĂ€nder zu entdecken und wollte schon lange einen Austausch machen. Ich wollte auf jeden Fall in ein englischsprachiges Land. USA war mir dann aber zu 0815, da geht irgendwie jeder hin. Ich kann kein Französisch, also Kanada auch nicht (ICH WEIĂ, man spricht nicht ĂŒberall Französisch, aber trotzdem...). SĂŒdafrika wollten meine Eltern nicht (zu gefĂ€hrlich und so), und Australien war mir dann zu gefĂ€hrlich, haha.Â
Naja, es ist dann schlieĂlich Neuseeland geworden, es hat mich total in den Bann gezogen mit der Landschaft und den Menschen und dem Schulsystem, UND ich kann mein Abitur dort machen, und zwar nur dort, und das war dann der letzte Antrieb fĂŒr mich gewesen, es zu wagen. Am 19ten Juli gehtâs los und ich bin schon ziemlich aufgeregt!
Das ist auf jeden Fall was ich erstmal zu Neuseeland und meinem Austausch zu sagen haben. Falls es noch irgendwelche Fragen gibt, dann scheut euch definitiv nicht sie in meine Askbox zu stellen! Am Sonntag gibtâs ein Southern Cross Vorbereitungstreffen, von dem werd ich dann auch nochmal berichten.
Bis dahin, alles Liebe, Annika â„