Mobo Doco: Geld kann man nicht essen
Mobo Doco: Auf der #ersten #Bewusstseinsstufe lebt der Mensch #unbewusst und #schicksalsbezogen. #HUNGER! Der "tierische", egoistische Trieb ist die Motivation des #Dacapo. Er ist ausschließlich auf eine vordergründige, augenblickliche Bedürfnisbefriedigung aus. 'Brot' ist gut, weil es ihm in diesem Augenblick nützlich ist. Sie stemmt sich mit beiden Händen auf den Tresen, beugt sich über die Kasse nach vorn und berührt mit ihrem zierlichen Kinn die grünlich fluoreszierende Verkaufsanzeige. Ihre Augen funkeln ebenfalls in einem leuchtenden Grün, das perfekt mit dem Display und dem kräftigen Rotbraun ihrer Haare harmoniert. Wenn da nicht die bohrende, brennende Leere in seinem Inneren wäre, würde er fasziniert innehalten und verzückt das aufgeregte Farbwunder betrachten, das er gerade erzeugt hat. Stattdessen wiederholt er einfach nur seine Frage, getrieben von einem extremen, menschlichen Verlangen. "Brot?" Dem Wunder hinter dem Verkaufstisch fällt der Unterkiefer herunter; nur ein wenig, da das Kinn bereits die Kassenanzeige berührt. Nach einigen Sekunden Schockstarre schließt die Frau wieder den Mund und antwortet ebenfalls fragend. "Ja sagen sie 'mal, sind sie merkbefreit?" "Warum so abweisend? Ick hab doch nur Hunger!" "Wie oft soll ich ihnen noch sagen, dass sie hier in einer #Postagentur sind. Wir verkaufen kein Brot!", ist die pointiert vorgetragene Antwort. "Ick will doch auch nur 'n halbes. Nun los, schneiden ses schon ab - ick hab soonen Hunger." "Rrrgrrrrr!" Die grünen Augen sprühen Funken und sie lässt sich zu einer eindeutigen, kreisenden Geste des ausgestreckten Zeigefingers der rechten Hand an ihrer Schläfe hinreißen. "Brot!", ist die mit einem fordernden Verlangen vorgetragene Reaktion darauf. Mit einem kurzen Sprung nach hinten entfernt sie sich vom Verkaufstresen. Noch innerhalb der hastigen Rückwärtsbewegung greift sie nach einer Rolle braunen Paketklebebandes und reißt einen zwei Hände breiten Streifen davon ab. Diesen hält sie in beiden Händen, streckt ihn mit der Klebeseite nach vorn von sich und springt um den Tresen herum. Offensichtlich möchte sie dem Dacapo, der sie seit wenigstens fünf Minuten hartnäckig und unbelehrbar nach Brot fragt, den Mund damit verkleben. Gleich ist Ladenschluss und der seltsam gekleidete Besucher ist der einzige Kunde in der Poststelle. Warum er ausgerechnet hier ein Brot kaufen möchte und sie nicht zu verstehen scheint, ist ihr inzwischen egal. Dieser Arbeitstag endet so absurd, wie er begonnen hat. Was erwartet sie auch von der großen, bunten Stadt: Hier tobt ununterbrochen der Punk und 'normal' will keiner der Einwohner sein. Jeder ist anders, ist in seiner eigenen Vorstellung etwas ganz Besonderes... http://texorello.org/W27C1P1













