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Der Schattenmann: Hilfe in Form eines Buches
Nach ihrem letzten Besuch kam das kleine Mädchen noch einige weitere Male vorbei. Sie schien sich immer wahnsinnig zu freuen sobald sie mich sah. Es war ein schönes Gefühl ihr solch eine Freude bereiten zu können, auch wenn ich eigentlich nichts Besonderes mit ihr machte.
Ich zeigte ihr einige schöne Plätze im Wald, die ich gefunden hatte, während ich mich vorher umgesehen hatte, wie zum Beispiel die schöne Lichtung mit den vielen Blumen oder den kleinen See mit den vielen Enten. Außerdem stellte ich ihr einige der Waldtiere vor, dir mir am meisten über den Weg liefen und nicht ganz so menschenscheu waren. Dies war tatsächlich gar nicht so leicht, aber meine Anwesenheit schien die Tiere zumindest ein wenig zu beruhigen. Ich wollte sie auch nicht unnötig stressen.
Zur Sicherheit zeigte ich dem Mädchen auch wo sich meine Höhle befand. Sie konnte zwar nicht mit hinein kommen, wie wir feststellen mussten – für normale Menschen schien es sich hierbei einfach nur um einen riesigen Felsen zu handeln – aber zumindest hatte sie nun einen Treffpunkt, zu dem sie kommen konnte, wenn sie mich besuchen wollte. Es war schließlich nicht sicher für ein kleines Mädchen ständig ohne genaue Richtung in den Wald zu wandern.
Von da an kam sie fast jeden Tag zu mir raus und wir spielten miteinander und genossen die Natur. Es war ein schönes Gefühl einfach so frei mit ihr zusammen zu sein und sich um nichts Sorgen machen zu müssen. Ihre unschuldige Freude ließ mich meine eigenen Sorgen über meine neue merkwürdige Gestalt zumindest für diese Momente vergessen.
Die Zeit ohne sie versuchte ich mehr über mich selbst heraus zu finden, aber bis jetzt ohne großen Erfolg. Es war schwierig für mich überhaupt irgendeinen Ansatz zu finden, wo ich beginnen konnte. Wahrscheinlich war ich in meinem menschlichen Leben – falls ich so etwas vorher gehabt hatte – nicht unbedingt der akademische Typ gewesen. Ich kam mir damit ziemlich dumm und hilflos vor. Irgendwo in meinem Inneren fing ich schon an mich mit der ganzen Sache ab zu finden.
Plötzlich wurde ich durch ein lautes Klopfen in meinen Gedanken gestört. Verwirrt sah ich mich, erinnerte mich aber dann daran, dass ich das Geräusch ja nicht zum ersten Mal hörte.
Schnell ging ich zum schwarzen Portal nach draußen und steckte meinen Kopf nach draußen. Vor dem riesigen Felsen stand das kleine Mädchen und schaute lächelnd zu meinem Kopf hoch.
»Na hallo du!« Vorsichtig kam ich nun komplett aus meiner Höhle heraus und mir wurde prompt ein Buch unter die Nase gehalten.
Verwirrte schaute ich zu dem Mädchen herunter, die mich auffordernd ansah. Da ich also gar nicht anders konnte, nahm ich das Buch von ihr an und schaute mir das Cover an.
»Zeichensprache. Einfaches Lernen für Anfänger.« Es war tatsächlich ein Buch, das mir helfen könnte sie besser zu verstehen. Diese Idee war einfach brillant von ihr gewesen.
»Darf ich das etwa behalten?« Sie nickte und hüpfte sogar ein wenig fröhlich auf und ab.
»Na dann lass uns doch gleich einmal gucken.« Ich pflanzte mich direkt dort wo ich stand auf den Boden und schlug die erste Seite auf. Das Mädchen setzte sich neben mich und schaute mir gebannt über die Schulter.
Mit diesem Buch würden wir uns in Zukunft sicherlich um einiges besser verständigen können als zuvor. Bis jetzt hatte ich immer raten müssen was sie von mir wollte. Sie hatte sich zwar immer größte Mühe gegeben mir mit irgendwelchen anderen Bewegungen und dem Zeigen auf Gegenständen zu erklären was sie meinte, aber dies hatte ja auch seine Grenzen.
Sobald ich die Zeichensprache etwas gelernt hatte, würde sich alles etwas einfacher gestalten. Nun würde ich auch etwas zu tun haben, wenn ich allein in meiner Höhle herum saß und musste vielleicht nicht die ganze Zeit über darüber nachdenken was ich war und warum ich so war.