Ein alter und drei neue Zeitmesser für eine sehr ernste Angelegenheit
Die Sommerpause ist unverkennbar. Uhrmacherferien bescheren Kontemplation vor dem chronometrischen Herbststurm. Kräfte tanken für das wichtige Weihnachtsgeschäft lautet das Gebot. Bei mir ist von Ruhe freilich nichts zu spüren. Der Selbstständige arbeitet bekanntlich selbst und er arbeitet vor allen Dingen ständig. Bei GQ steht das jährliche Uhrenspecial an, welches Mitte Oktober pünktlich erscheinen soll. Da heißt es recherchieren, Uhren aussuchen, bestellen und beschreiben und bald auch das diesjährige Interview führen. Mit wem, das will ich noch nicht verraten. Aber es ist jemand, der in seiner aktuellen Funktion erstmals Rede und Antwort steht. Am Donnerstag wird Wempe in Hamburg seine neuen Sportuhren vorstellen, über ich an dieser Stelle selbstverständlich unverzüglich berichten werde.
Apropos Sport: Hier hat Golf ja bekanntlich sensationelle Popularitätswerte erreicht. Oft wundere ich mich, wer in meinem Bekanntenkreis so alles den kleinen Ball über das Fairway drischt.
„Golf", so sagt ein altes schottisches Sprichwort, „ist keine Frage von Tod und Leben, Golf ist eine viel ernstere Angelegenheit." Ich halte es da lieber im übertragenen Sinn mit Winston Churchill: First of all, no Golf!
Auf diese Weise erspare ich mir die Überlegung, wohin mit meiner mechanischen Uhr? Lass ich sie am Handgelenk, muss sie sich verschämt in der Hosentasche verstecken oder lasse ich sie für jedermann sichtbar am Gürtel baumeln. Philosophien zum Thema gibt es viele. Meine persönliche ist ganz simpel: Niemals würde ich dem tickenden Mikrokosmos am Unterarm so etwas antun, auch wenn manche Uhrenmarken Stein und Bein schwören, dass Abschläge dem Mechanismus nicht das Geringste ausmachen.
Mit dem Thema Golf und Uhr hat sich bereits der Pariser Nobeljuwelier Louis Cartier in den Roaring Twenties beschäftigt. Das Resultat kreativen Handelns: eine goldene rechteckige „Tank“ Armbanduhr mit Sprungdeckel. In diesen ließ sich eine entsprechend kleine Scorekarte einlegen. Zur Protokollführung diente ein Mini-Drehbleistift, welcher, wenn nicht gebraucht, seitlich im Uhrengehäuse ruhte.
Cartier "Tank" für Golfer, 1928, geschlossen mit Score Karte und Stift
Cartier "Tank" für Golfer, 1928, geöffnet mit Zeitanzeige
"Hole in One" von Jaermann & Stübi
Als Urs Jaermann mir 2008 seine speziell für Golfer entwickelten Armbanduhren vorstellte, meinte er nur trocken, dass die Kreationen auf sein schwach ausgeprägtes Kopfrechnen zurückzuführen sind. „Außerdem, so der Kommunikationsspezialist, „will ich mich auf das Golfspielen konzentrieren und den Score dabei vergessen.“ In diesem Sinn besitzen die Zeitmesser eine spezifische Zählfunktion. Zur Verbesserung der Ablesbarkeit befindet sich bei der „Hole in One“ die Indikation der Zahl der Schläge pro Loch in einem quadratischen Fenster bei der „1“. Unter dem Zifferblatt dreht eine Scheibe. Den Gesamtscore stellt ein zentral positionierter Zeiger dar. Die Drehlünette gestattet den Vergleich des Resultats nach einer Golfrunde mit dem Handicap. Schließlich weist ein retrograder Zeiger bei „6“ auf das aktuell gespielte Loch einer Golfrunde hin. Das Automatikkaliber A10 von Soprod mit Jaermann & Stübi Modul schützt der patentierte „G-Shock-Guard".
Reconvilier „Hercules Golf Master“ mit „Rotar“ Titan-Wendegehäuse
Die Wurzeln der 2006 wiederbelebten Uhrenmarke Reconvilier reichen zurück bis 1905. Damals bestand der Geschäftszweck in der Fertigung einfacher Zeitmesser mit Stiftankerhemmung. Nicht zuletzt deshalb übernahm die „Société Horlogère Reconvilier“ (SHR) 1923 die Patente der „Louis Roskopf & Cie“. Heute verbaut Reconvilier Eta-Uhrwerke mit klassischer Schweizer Ankerhemmung. Einen Mix aus überlieferter Zeit-Mechanik und innovativer GPS-Technologie findet sich in der „Hercules Golf Master“ mit exklusivem „Rotar“ Titan-Wendegehäuse. Die tickende Seite mit der Eta 2824 Automatik besitzt eine klassische drei-Zeiger-Zeitanzeige. Die rückwärtig eingebaute Elektronik mit digitalem Display gestattet in Verbindung mit einem externen Golfplatz-Speicher samt Sender zum Handgelenk eine exakte Distanzmessung vom jeweiligen Standort eines Golfspielers bis zum Rand oder Zentrum des Grüns. Angezeigt wird die Entfernung in Meter oder Yards.
Professionelle Golf- und Sportuhr von TAG Heuer
Die „Professional Golf Watch“, welche TAG Heuer 2005 zusammen mit Tiger Woods aus der Taufe gehoben hat, wiegt nur 55 Gramm. Auf diese Weise beeinträchtigt sie das Schwingen des Golfschlägers und das Vorantreiben des kleinen weißen Balls so gut wie nicht. Möglich macht’s ein Material-Mix aus Titan und Stahl beim Gehäuse. Weitere Faktoren der spürbaren Gewichtsersparnis sind ein ultraflaches Quarzwerk mit Datumsindikation und eine Armband-Konstruktion ohne konventionelle Schließe. Um die Uhr selbst bei härtesten Abschlägen sicher am Handgelenk zu halten, hat TAG Heuer einen intelligenten Klappverschluss ersonnen. Damit lässt mangelhafte Performance am Abschlag oder Green künftig nicht mehr auf die ach so schwere Armbanduhr schieben.
Wenn gar nichts hilft, sich der ideale Schwung nämlich trotz leichter Uhr und mannigfacher Übung nicht einstellen will, das selbstgesetzte Par in weite Ferne rückt und die Nerven blank liegen, bleibt nur noch der Griff zum Smartphone. Vielleicht können ein paar aufmunternde Worte des Pro dafür sorgen, dass sich der Ernst des Golfspiels letzten Endes dann doch in Grenzen hält.