Das letzte Mal
Viel zu viel Zeit vergeudet. Vergeudet, damit sich zu suhlen in der Trauer, in der EnttĂ€uschung, vor allem aber in dem Unwissen. Obwohl die Monate seit dem letzten Tag wie im Flug vergangen sind, scheint sich dieser nicht von mir entfernen zu wollen. Je gröĂer die Distanz wird, desto lauter das Echo. Ich höre es in mein Ohr brĂŒllen, in diesem Moment.
Was anfing mit einer Mischung aus einem brennenden Schmerz, ausgehend von der Mitte meines Körpers und gleichzeitig dem GefĂŒhl der absoluten Freiheit, der Neugierde und der NaivitĂ€t, hat sich in einen dunklen Ort verwandelt, den ich versuche, vor mir selbst zu verschlieĂen. Dabei wollte ich genau das mit aller Kraft vermeiden. Ich habe mich probiert diesem Ungeheuer zu stellen, um es so schnell wie möglich loszuwerden. Das, dass Zeit braucht, wusste ich von vornherein, doch habe ich gehofft ich könne eine AbkĂŒrzung nehmen und mich selbst davon freireden. Freidenken.
Und es schien alles nach Plan zu verlaufen. So lange ich den Abstand bewahrte, schien der letzte Tag immer weiter am Horizont zu verschwinden. Teilweise verging sogar ein Tag, ohne das ich daran denken musste. Ein Tag. Was wĂŒrde ich jetzt fĂŒr so einen Tag geben. Seit dem Moment, an dem ich wusste, dass es endgĂŒltig ist, sind ruhige Zeiten selten geworden. Was ich zunĂ€chst fĂŒr den letzten Faden hielt, der nun endlich auch, zugegebenermaĂen mit einer MotorsĂ€ge, durchtrennt wurden war, scheint mir nun, wie der kleinste Teil eines Taus gewesen zu sein. Und so mehr Zeit vergeht, so scheint es mir immer mehr, dass an diesem Tau ein Anker hĂ€ngt, der mich auf den Meeresgrund zieht.
Schluss damit! Kein Wort weiter gehe ich diesen Weg. Es ist Zeit sich zu trennen. Und dieses Mal bin ich dran! Das hier ist der letzte Faden des Taus. Das hier ist das letzte Pflaster, was man von einer fast verheilten Wunde abzieht. Je lÀnger ich damit warte, desto bedeutender scheint dieser eine Tag zu werden. Es liegt an mir, ihm diese Bedeutung zu nehmen. Den dunklen Ort, den ich vor mir so lange verschlossen gehalten habe, öffne ich jetzt. Ich lasse das hier die erste Kerze sein, die ich hineinstelle. Nein! Schluss mit den halben Sachen, mit EventualitÀten, denn im nÀchsten Moment, weht eine Wind und die Flamme erlischt wieder. Heute komme ich mit Baustrahlern. Mit Lichtern die auch die aller letzte Ecke ausleuchten. Ich bin bereit, diesen Ort einen Ort sein zu lassen. Aber einen hellen!
Was wir waren, war gut so lange es war. Doch jetzt will ich endlich wieder sein und weitergehen. Ich kann nicht weiterhin hier stehen bleiben. Das hast du auch nicht gemacht. Auch wenn es sich im ersten Moment so anhört als wĂŒrde die Bitterkeit aus mir sprechen, ist es viel eher der Neid. Was du schon vor langer Zeit konntest, schaffe ich erst jetzt. Aber wenigstens schaff ich es.
Wir sind nicht mehr als Reisende, die sich einmal den Weg geteilt haben. Sicher hatten wir ein groĂartiges Abenteuer zusammen und wie sich dem so gehört, kann man sich an diesen Erinnerungen auch noch lange erfreuen. Doch darauf zu hoffen, sich erneut ĂŒber den Weg zu laufen, will ich nicht lĂ€nger.
Heute war das letzte Mal, dass ich an diesen dunklen Ort gedacht habe. Heute war das letzte Mal, dass ich dem Meeresgrund wegen dir so nah war. Ich hole mir zurĂŒck was mir am Anfang dieses Tauchgangs verloren gegangen ist. Mich.












