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100 Jahre Hans Werner Henze in der Kölner Philharmonie: Musik der Zeit #GRAPE am 02.05.2026
Den 100. Geburtstag von Hans Werner Henze am 1. Juli 2026 nehmen zahlreiche Theater, Orchester und Ensembles weltweit zum Anlass, das Werk des Jubilars (1926-2012) mit Aufführungen zu ehren. Auch in der Kölner Philharmonie durchwanderte das Publikum ein spannungsvolles, konzentriertes und transparentes Klangfeld.
Das WDR Sinfonieorchester interpretierte unter der Leitung von Bas Wiegers zu Beginn Hans Werner Henzes Los Caprichos (1963). Die als „Fantasia per orchestra“ untertitelte Komposition illustriert Radierungen Francisco de Goyas mit klanglicher Intensität.
In neun Sätzen, die jeweils einen Titel der Goya-Grafiken tragen, führt Henze durch ein farbenreiches und luzides Panorama. Besonders eindringlich gerät der dritte Satz, Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer (El sueño de la razón produce monstruos). Hier sorgt das Ensemble für ein Dickicht aus flirrenden Tönen, die ein Erwachen dunkler Triebe hörbar machen. Im letzten dargebotenen Satz Schöne Herrin! (IX) treten markante Bläsersoli hervor, während Streicher, Harfen und Schlagwerk wirkungsvolle Akzente setzen.
Mit Desorption (2026) des Slowenen Vito Žuraj gelangte ein Kompositionsauftrag des WDR und von Milano Musica für Violine und Orchester zur Uraufführung. Der Titel „Desorption“ ist ein Begriff aus der physikalischen Chemie und beschreibt das Ablösen von Atomen oder Molekülen von einer Oberfläche. Žuraj thematisiert den Prozess des Sich-Lösens aus fremdbestimmten Strukturen und Kontrollmechanismen. Die Musik reflektiert mit dramatischer Ereignisdichte ein langsames Heraustreten aus einem Raum, der von Verzerrung und aufgezwungenen Narrativen geprägt ist.
Das Werk wurde für die Geigerin Isabelle Faust geschrieben, die den Solo-Part auf ihrer Stradivari-Violine meisterte. In dichten Passagen ringt das Instrument mit fragilen Flageoletts, mikrotonalen Reibungen, nervösen Bogenstrichen und zuckenden Tastversuchen um Gehör, während es von orchestral aufgewühlten Wellen beinahe geschluckt wird. Massive Blechbläser-Eruptionen kontrastieren dabei mit flirrenden Streicherflächen. Faust gestaltete gegen Ende eine lange Kadenz, in der ihre Solostimme zu einer zerbrechlich leuchtenden Klarheit findet. Der Komponist Vito Žuraj war während der Darbietung persönlich anwesend und wurde beim Abschlussapplaus gefeiert (siehe Fotos 1-7).
Die mehrfach preisgekrönte Violinistin überraschte mit einer Zugabe von Morton Feldmans For Aaron Copland von 1981. Isolierte Klänge und feine Abstände lassen Stille und Resonanz gleichwertig nebeneinanderstehen. Anstelle einer herkömmlichen Entwicklung rücken hier winzige Details in der Klangbeschaffenheit und Zeitstruktur in den Fokus.
Ging es in der vorausgegangenen Uraufführung um ein Heraustreten und eine zunehmende Konzentration auf Wesentliches, so war dementsprechend auch die Zugabe geprägt von einem allmählichen Wegfall einzelner Töne der anfänglichen Melodie. Doch hier ging es eher um Verlust von Wesentlichem und die Erinnerung, die bleibt.
Nach einer Pause wird sea sons seasons (2025) von der isländischen Komponistin und Kontrabassistin Bára GĂsladĂłttir fĂĽr Orchester und Elektronik erstmalig im deutschsprachigen Raum aufgefĂĽhrt, ein Kompositionsauftrag des WDR und des Festival d’Automne fĂĽr Orchester und Elektronik.
GĂsladĂłttir hat als Kontrabassistin eine Affinität zu extremen Tiefen und physischen Klangerfahrungen. Sie versteht ihr Werk als einen „Klangspiegel des Meeres und der Kreaturen, die es bevölkern“. Die Titelspielerei des Werks – „Meeres-Söhnen“ (sea sons) und „Jahreszeiten“ (seasons) – deutet auf eine zyklische Natur hin, die jedoch durch GĂsladĂłttirs Vorliebe fĂĽr rohe, ungefilterte Klänge gebrochen wird. Man hört ein Knirschen und DrĂĽcken des Wassers. Ihr Ozean ist eine dunkel-vibrierende Masse aus Klang und Elektronik. Statt Melodielinien dominieren geschichtete Flächen, wobei die eingespielte Elektronik das Bassfundament vertieft. Unter der Leitung von Bas Wiegers entfaltet das WDR Sinfonieorchester eine physische Wucht, die den Raum der Philharmonie förmlich flutet.
Zuletzt folgte Hans Werner Henze Sinfonie Nr. 3 von 1950 mit der Anrufung Apolls, Dithyrambe und dem Beschwörungstanz. Inspiriert von der griechischen Mythologie und dem Licht Italiens entfaltet die kompakt in drei Sätzen angelegte Sinfonie mit komplexen Schlagzeug-Passagen und Bläser-Eruptionen eine fast rauschhafte Energie.
Kornelia Bittmann vom WDR 3 fĂĽhrte mit kurzen Ansagen durch den reichhaltigen Konzertabend.
Das Konzert wird am 02.07.2026 um 20:03 Uhr auf WDR 3 übertragen und steht anschließend in der ARD Audiothek zum Nachhören bereit.
Black & White Philharmonic ©2025 blueskipper

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Tangerine Dream, live in Berlin, June 27, 1976, at the Philharmonie
Half an hour of excellent sonic exploration.
Behemoth
30/04/2024
Outliving Christ - 33 Years Ov Behemoth
Philharmonie de Paris