Tab(u)linum
1.
Das tablinum oder tabulinum ist ein Teil der römischen Architekur und besteht aus horizontalen und vertikalen Tafeln, also auch aus Bildern, Tischen und Regalen. Im römischen Haus bildet es ein Sekretariat, es wird unter anderem von Plinius im Zusammenhang mit dem ius imaginum beschrieben. Das ist eine Verwaltungsarchitektur.
Plinius beschreibt das tab(u)linum so, dass es nur Teil eines Raumes, also zum Beispiel eine Ecke oder eine Wand sein kann. In anderen Passagen der römischen Literatur wird das tab(u)linum sogar selbst als Raum beschrieben. Man fand dort unter abderem die imagines, die Bilder der Ahnen, sowie das Familienarchiv. Der Begriff tab(u)linum ist mit der Tafel verbunden. Die Tafeln des tab(u)linms können also Bilder, Tische oder Teile von Gestellen und Möben sein. Sie können sogar ein pegma sein, also jenes Brett, das von einem Juristen des Humanismus zu einem Konkurrenzbegriff zum Emblem gemacht wurde: Auf das pegma wurden Bilder und Texte, Dokumente und Akten, eventuell ein Consulardyptichon gestellt.
In einer ArchĂ€ologie der Kanzlei bildet das tab(u)linum einen Teil der römische Schicht. Das hat private und öffentlich Funktion, als Raum wĂ€re es eine Art home office. In seiner Ethnographie des französischen 'Verwaltungsrates' widmet Bruno Latour einem Raum besondere Aufmersamkeit, der ein Nachfolger des tab(u)linum ist. In der deutschen Ăbersetzung heiĂt dieser Raum der FĂ€chersaal. Das isr ein Raum, in dem im Gericht/RatsgebĂ€ude die Post verteilt wird und man an den Tabellen der FĂ€cher auch die Positionen und die Karrieren der Richter, RĂ€te und SekretĂ€re ablesen kann.
Die Abbildung oben zeigt einen FĂ€chersaal. Das Foto stammt von der juristischen FakultĂ€t der UniversitĂ€t MĂŒnster, wo ich mal einen Lehrstuhl vertreten habe. Das ist eine römische Version des tab(u)linums: Imagines (aber nur der Lehrstuhlinhaber) plus tabellarisch organisiertem Gestell fĂŒr die Schreiben, die rein gehen. Mit LĂ€ssigkeit hat man das Gestell vor Fotos der Lehrstuhlinhaber gestellt, nachtrĂ€glich, wie man an dem seltsamen HöhenverhĂ€ltnis erkennt.
2.
An der Wand, vor der ich stehe, um das Foto zu machen,, gab es noch ein elektrisches GerĂ€t, in das man morgens, zu Dienstbeginn, eine Karte schob, damit war man registriert, das wurde mit einem hellen Ton belohnt, so kann man ĂŒberhaupt nur in sein BĂŒro. Ich habe beantragt, den elektronisch schrillen Pieper oder Fieper durch das silberne Schellen kleiner Glöckchen zu ersetzen, die dem Klang der römischen Liturgie bei der Transfiguration nĂ€herkommen. Das fand der Hausmeister dann doch etwas ĂŒbertrieben, den Antrag wollte er nicht annehmen und nicht sagen, ob der Antrag offensichtlich unzulĂ€ssig oder offensichtlich unbegrĂŒndet gewesen wĂ€re.











