Ostfriesland. Nur echt mit Schaf. Und Tee. Und Wasser. Und ...
Ostfriesland. Allein beim Gedanken daran geht mir das Herz auf. Ostfriesenherz, nannte ich es einst. Es sind gar nicht mal die Inseln, auch wenn ich lange Jahre recht regelmäßig nach Langeoog fuhr, später auch mal nach Juist. Aber wenn ich das immer leicht zerzaust wirkende Binnenland mit seiner grünen Weite, den Sielen und den im Wind kauernden Bäumen sehe, fühle ich mich gleich zuhause. Die Orte ducken sich unter dem Himmel, allein die Kirchtürme und hier und da ein Getreidesilo ragen empor.
Ähnlich wie mit Ostfriesland geht es mir mit der Eifel oder auch mit dem einsamen Hinterland von Vaucluse und Drôme. Es sind ehemals arme und unzugängliche Gegenden, in denen Menschen über Jahrhunderte den kargen Böden und der Witterung ein bescheidenes Leben abgetrotzt haben. Dieses Leben brachte eigensinnige Menschen hervor, sie es gewöhnt waren, dass man sich nicht groß um sie kümmerte.
Aber es sind auch geschichtsträchtige Regionen, denn schon immer zogen Menschen mit unterschiedlichen und selten friedlichen Absichten hindurch. Heute nennt man diese Regionen “strukturschwach”. Der mittlerweile erreichte Wohlstand hängt oft von wenigen Arbeitsgebern oder wenigen Branchen ab.
Ostfriesland. Eine Einladung vom Musikland Niedersachsen, ich erzählte davon drüben bei den Herbergsmüttern. Ich reiste mit dem Auto an, weil ich noch einen Schlenker übers Münsterland fahren wollte und gleich im Anschluss die Reise nach Frankreich anstand. Vielleicht erzähle ich auch davon noch.
Erst wenn man ein Schaf gesehen hat, ist man in Ostfriesland angekommen. Ich residierte in Weener an der Ems und erspähte gleich eines am Deich. Glück gehabt.
Tee in Leer
Meine erster Weg führte mich jedoch nach Leer. Bisher bin ich auf dem Weg nach Ostfriesland dort immer vorbeigebraust, ob mit der Bahn oder mit dem Auto. Diesmal stand aber endlich ein Besuch bei den lustigen Menschen von Ostfriesland Tourismus an. Natürlich inklusive Zeit anhalten mit der Tee-Zeremonie, selbst wenn es an dem Tag ordentlich warm war. Tee geht immer. Nach allem Schwatzen haben wir den Besuch auf der Dachterrasse am Ende völlig vergessen. Da muss ich wohl nochmal wiederkommen!
Aus dem Fenster des Besprechungszimmers war der Blick aber auch schon ganz gut.
Moin, Prinz Heinrich!
Mein Weg führte mich dann am Wasser entlang in die Stadt. Das Gewässer auf dem Bild ist die Leda. Und wenn ich die griechische Mythologie mal eben nach Ostfriesland verpflanze, wundert es mich nicht, dass sich Zeus als Schwan verliebt auf der Leda verlustierte. Nun behaupte ich schon lange, dass Ostfriesland überraschende Sensationen birgt. Die Orgelexkursion brachte nun auch wieder entsprechende Beispiele an den Tag.
Und so wunderte ich mich nicht, auf der Leda das älteste Seebäder-Schiff Deutschlands anzutreffen: Prinz Heinrich. 1909 vom Stapel gelaufen, zwischenzeitlich beinahe vergessen und Mitte der 200er Jahren begann eine aufwändige Restaurierung. Mich erinnerte das Boot an die African Queen, was vielleicht auch an den nahezu tropischen Temperaturen lag.
Leer. Was für ein hübsches Städtchen. Einige Touristenpaare verglühten in der Sonne, andere hangelten sich von Schatten zu Schatten in den ruhigen Straßen von Leer. Vielleicht hätte ich auch eine Bootstour gemacht, aber die Aussicht, eine Stunde lang an Deck unter dem Klang lustig gemeinter Sätze des Bootsführers gegrillt zu werden, schreckte mich ab. Dann doch lieber in den mutmaßlich kühlen Innenraum der Kirche. Die Große Kirche birgt auch eine der Orgeln von Arp Schnitger.
Ein glücklicher Zufall
Genau, wegen seines Jubiläums war ich ja überhaupt diesmal da. Und ein glücklicher Zufall wollte es, dass ein kundiger Herr dort in der Kirche Besuchern auflauerte, um ihnen von Kirche und Orgel zu erzählen. Also, Auflauern in netter Weise. Ein Pastor und Kirchenmusiker und leider finde ich die Notiz mit seinem Namen nicht mehr. Er erzählte mir und einem anderen Paar allerlei und das war wirklich klasse.
Umwerfende Details.
Derart bereichert spazierte ich durch die Gassen um die Kirche herum.
Leer kann auch Hinterhöfe.
Und dann fuhr ich zurück nach Weener. In der Hoffnung, dort irgendwo etwas zum Einkehren zu Finden. Ein kaltes Pils nach Art Ostfrieslands. Und Weener enttäuschte mich nicht. Die Gegend, in der mein Gästehaus lag, war eher praktisch geprägt. Nicht gerade Gewerbegebiet, aber nah dran.
Doch wenige Minuten weiter gab es schon die Ems und eine Schleuse und hinter der Schleuse ein hübscher Hafen mit Schiffen und Einkehrmöglichkeiten. Das Bier war zwar recht lasch gezapft, aber als eine aus der Diaspora ist man ja mit wenig zufrieden.
Mit dem Bötchen führe ich auch gern mal.
Statt Bootstour machte ich noch eine Spaziergang durch den Ort, streifte das Heimatmuseum (leider schon geschlossen) und Häuser und Straßen in unterschiedlichen Aggregatszuständen, von zerfallenen Nebengebäuden bis zu geleckten Feriendomizilen.
Für diese Eisenbahnbrücke ist Weener übrigens, nun, berühmt. Die Friesenbrücke ist seit einem Unfall mit einem Frachtschiff im Jahr 2015 nicht mehr befahrbar und wird seitdem wieder instandgesetzt. Gut Ding will Weile haben: 2024 soll der Neubau fertig sein.
Hoch empor: Eine Orgelexkursion zum Jubiläum von Arp Schnitger
Am nächsten Tag dann ging es mit einem Bus von Uschi-Reisen auf Orgelexkursion. Doch vorher ein Lob auf das nette Gästehaus am Deich in Weener. Einquartiert hatte mich dort das Musikland Niedersachsen. Eine schlichte Pension und angenehm unprätentiös und familiär. Beim Frühstück entstanden dann auch schon erste Gespräche mit Mitreisenden an diesem Tag, wie sich herausstellte.
Ja, und dann ging es los, zu den Orgeln aus der Zeit Arp Schnitgers. Ach, Ostfriesland. Wird Zeit, dir wieder mal mehr Zeit zu widmen.
Herzlichen Dank für Eure Einladung, liebe Luise Knoll vom Musikland Niedersachsen!
Die Kampagne Hoch empor. Orgeln in Niedersachsen übernahm meine Reisekosten, quartierte mich im sehr netten Gästehaus am Deich ein und zahlt ein Honorar für meine Beiträge im Blog und in Social Media. Auf dass die Orgellandschaft Ostfrieslands auch im Digitalen sichtbar werde!
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