Kunst in einem Raum mit starkem eigenem Charakter wirkungsvoll zu präsentieren ist immer eine Herausforderung. Der reinraum in Düsseldorf ist ein solcher.
Unter der Erde, von außen kaum erkennbar. Eine ehemalige öffentliche Toiletten-Anlage! Die 60m² noch im ursprünglichen Zustand. Seit 10 Jahren als kulturelle Plattform im Betrieb. Natürlich über die Maßen desinfiziert und obwohl auch heute noch dezent deodorisiert, will die Nase die Kopplung zwischen vergleichbarer Räume und dem "Ammoniak-Duft" nicht auflösen. Phantom-Geruch :-)
Unser erster Besuch findet anlässlich der Ausstellung "Splashback" von Carmen Schaich statt. Technisch sehr aufwendig, ästhetisch dem Raum zugespielt. Die ehemaligen Pinkelbecken sind unten abgedichtet, kleine Pumpwerke liegen drin, jedes von einer zentralen Steuerung angetrieben pumpen sie Wasser in Rohre die von etwa 2 Metern Höhe das Wasser auf ein eingespanntes Metallsieb wieder abgeben. Und wieder von vorne. Mal links mal rechts, manchmal zwei gleichzeitig, manchmal mehrere hintereinander. Das klicken der Pumpwerke, das fallende Wasser, das Plätschern muten orchestriert an. Liegt da ein Soundtrack zu Grunde? Später gesellt sich tatsächlich ein Drummer dazu und groovt sich im Flow ein.
So einfach die Installation auf den ersten Blick und beim Betreten des Raums wirkt, umso aufwendiger ist sie konzipiert und durchgeführt. So schnell man glaubt alles gesehen zu haben, umso länger sollte man sich Zeit geben. Die Wasserskulptur entfaltet sich. Entspannung. Falls es doch zu reflexartigem Harndrang kommen sollte, sind noch in Funktion befindliche Toiletten nicht weit ;-)
Wir beobachten weitere Besucher. Menschen, die zufällig hier runter kommen. Oft Verwunderung über den Ort, wenig Zeit für Reflexion und Fragen. Annette Magoley, unsere Gastgeberin und kuratierendes Mitglied im reinraum e.V., erzählt von weiteren Events, von einer großen Fangemeinde und von der ewigen Suche nach Unterstützern.
Wir halten den reinraum im Blick. Sind neugierig auf die nächsten Ausstellungen und weiterhin gespannt wie Künstler und Kuratoren die Herausforderungen an diesem besonderen Ort meistern.
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