13. Januar 2023
Neue Errungenschaft! Bewegungsmelder im Hausflur! Man kann sich sehr schnell daran gewöhnen!
Vor Weihnachten ging es im Haushalt meiner Mutter wieder einmal darum, dass das Licht im oberen Flur die ganze Nacht an war und das nicht energiesparend ist. Das Licht wird immer dann eingeschaltet, wenn jemand zur Haustür oder zum “Oberen Klo” geht, und außerdem immer dann, wenn jemand das Licht am Esstisch einschalten möchte und versehentlich den falschen Schalter nimmt. Es gibt da zwei Schalter übereinander, und wie es wahrscheinlich irgendeine DIN-Norm vorschreibt, ist der obere für den Raum zuständig, in dem man sich beim Schalten befindet, und der untere für den Nebenraum, also den Flur. Jahrzehnte nach dem Einbau nehmen wir immer noch oft den falschen zuerst. Es kommt auch vor, dass zuerst der richtige Schalter betätigt wird, dann aus Gewohnheit der falsche, weil man ja immer zwei Versuche braucht, und dann noch mal der richtige. Deshalb ist das Licht im Flur oft an, und weil das außer den Nachbarn niemand merkt, bleibt es auch lange an.
Aber diesmal habe ich mich an Franziska Nyffeneggers Treppenhauslampe mit eingebautem Bewegungssensor erinnert und gesagt: “Man könnte einen Bewegungssensor einbauen, das geht ganz leicht!” Voll Umbau-Tatendrang habe ich die Tür zum Flur geöffnet und festgestellt, dass es dort gar keine Glühbirne gibt, die sich gegen eine mit Bewegungssensor austauschen ließe. Stattdessen sind Niedervolt-Halogenspots verbaut.
Niedervolt-Lichtsysteme gibt es seit 1984, aber erst in den frühen 1990er Jahre hat mein Vater bei einem Onkel so ein Halogenspot-Seilsystem gesehen. Kurze Zeit später hatten wir selbst eines im Wohnzimmer.
Ich nehme an, der Vorteil damals war, dass man viele kleine helle Lämpchen ungefähr an den Stellen anbringen konnte, wo man sie haben wollte, ohne hässliche Stromkabel über Putz verlegen zu müssen oder in diesem Fall die Deckenverkleidung zu öffnen. Das Seilsystem führt wie zwei parallele Wäscheleinen durchs Wohnzimmer und erschien uns damals sehr schön und elegant. Der dazugehörige Trafo ist im Dachboden versteckt, geschaltet wird über eine Schnur an der Wand.
Das System im Flur ist etwas neuer, den sorgsam abgehefteten Vater-Unterlagen zufolge wurde es im Herbst 2000 eingebaut und heißt “Apollo/Cosmic”. Die Unterlagen deuten darauf hin, dass der Vater es selbst bei Conrad Electronic gekauft und montiert hat. Hier hängt der Trafo sichtbar an der Decke, und die Halogenspots sind nicht mehr an zwei stromführenden Seilen, sondern an einer Schiene befestigt.
Mit Trafos will ich nichts zu tun haben, keine Ahnung, wo und wie man da einen Bewegungsssensor anbringen würde. Deshalb ist heute der Elektriker da. Es ist immer noch derselbe, dessen Rechnungen im Vater-Ordner bis in die 1980er Jahre zurückreichen.
Während er schraubt, biete ich mehrmals an, die Sicherung rauszumachen, aber der Elektriker lehnt ab. Seinen gemurmelten Begründungen entnehme ich, dass er dann nicht mehr (mit dem Phasenprüfer) rausfinden könnte, welche Kabel er anschließen oder stilllegen muss.
Kurze Zeit später haben wir einen Bewegungssensor im Flur. Er sitzt dort, wo vorher ein Lichtschalter war, nicht der Doppellichtschalter der Missverständnisse, sondern ein anderer.
“Neue Errungenschaft! Bewegungsmelder im Hausflur! Man kann sich sehr schnell daran gewöhnen!”, schreibt die Mutter in den Familienchat.
“Das heißt, man muss nicht mehr überlegen, welcher Lichtschalter der richtige ist”, schreibt meine Schwester, “Also die Lichtschalter am Essplatz”.
“Doch”, schreibe ich, “der Unterschied ist nur, dass der untere jetzt funktionslos ist. Aber erst mal den falschen nehmen kann man noch genauso gut wie bisher.”
(Kathrin Passig)














