Abteikirche Neresheim, Germany.

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Abteikirche Neresheim, Germany.

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View of Neresheim Abbey in Baden-Württemberg, Germany
German vintage postcard, mailed in 1956 to Regensburg
Der Bau
Er hat 'vielerlei Eingänge', deren Benutzungs- und Distrubutionsgesetze [deren Protokoll? Anm. FS] man nicht genau kennt. Das Hotel in Amerika hat zahllose Pforten, Haupt und Nebentüren, bewacht von ebensoviel Pförtnern, ja sogar türlose Ein- und Ausgänge. [...]
Also steigen wir einfach irgendwo ein kein Einstieg ist besser als der andere, keiner hat Vorrang, jeder ist uns recht, auch wenn er eine Sackgasse, ein enger Schlauch, ein Flaschenhals ist.
[...]
Aber um einen wirklichen Ausweg zu finden, auch auf der Inhaltsebene, muss man den Ausdruck selbst mitsamt seiner Form und seiner Deformation betrachten. Allein der Ausdruck erschliesst das Verfahren.
Die Eierhändlerin
Der Vorgang der Austreibung, schreibt einer der Glossatoren, sei mehr symbolisch als realistisch gemeint. Es gäbe bei Knoller keine Tische, die durch Stöße umgekippt seien, es gäbe keine "umgestoßenen Tische". Eine Eierhändlerin, das schreibt der selbe Autor, würde von der Unvorsichtigkeit eines Davoneilenden betroffen. Der Tisch kippt in den Augen dieses Kommentators. Aber in seinen Augen wird er nicht umgestoßen. Neresheim wird 1792 geweiht, nach dem Anfang der französischen Revolution. Dieser Glossator will nichts Revolutionäres sehen, zumindest keine Stöße, nichts Umstossendes, nicht in Neresheim. Kippen geht, Kippen kann er sehen, aber das sei die Unvorsichtigkeit eines Eilenden und es sei nur das das, was die Eierhändlerln betrifft, also sie betroffen werden lässt.
Der Glossator, der das schreibt, das ist Bruno Bushart, der nicht gerade für seine permanenten Revolutionen und seinen Trotzkismus bekannt ist. Er ist dafür bekannt, ordentlich gewesen zu sein und die Gemäldegalerie in Augsburg ordentlich geleitet zu haben. Er hat dieses Bildbeschreibung in einem Sammelband zur Abteikirche Neresheim veröffentlicht, in einem Text, der den Titel Martin Knolller - Der Freskant trägt.
Alles was mich an der Kunst interessiert, auch an der Kunst der Gutmachung (gut ist nichts von selbst, man muss es schon machen), der Vergütung oder Veredelung und des Durchgehenden, das sind Tische/ Tafeln, Stühle und Kippsale. Weil Knoller hier einen kippenden Tisch, eine kippende Tafel malt, die kommentierungsbedürftig (Gehlen), also modern erscheint, stellt mir Neresheim Fragen. Der malt den kippenden Tisch einer Eierhänderin in Fresken, die elliptisch (ab ovo) an der Decke von Neresheim eiern. Ausgerechnet die Tafeln mit den Eiern kippt, sonst kippt angeblich nix. Hallo? Bin ich denn der Einzige, dem Auffälligkeiten noch was bedeuten? Bin ich denn der Einzige, dem Pathologie, d.i. hochtourig rekursive Beobachtung, noch etwas bedeutet? Wenn eins kippt, kippt alles. Wenn eins eiert, eiert alles. Wenn eins tafelt, tafelt alles. Wenn eins gehändelt wird, wird alles gehändelt. Die Eierhändlerin ist eine Randfigur und die Randfigur schlechthin, in einem Kosmos, der dreht und dessen Drehungen durchgehen, der durchdreht. Knoller hat hier seinen Meisterknüller abgelegt wie andere ein Ei. Das ist leicht, aber nur, weil es leicht gemacht ist.
Diplomatische Objekte
Diplomatische Objekte können Falt-, Klapp- und/oder Polobjekte sein. Am 23. 11. 1769 wird ein sog. Akkord geschlossen, das ist vergleichbar mit einem Vertragsschluss.

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Sprechen
Man kann analytisch sprechen und man kann synthetisch sprechen. Keiner spricht eine erste Sprache, alle sprechen sekundär. Sprechen ist Übersetzung und bleibt übersetzbar. Wenn man synthetisch spricht, sollte das eine Frage des Zeitraums sein, nicht der Endgültigkeit. Ich lese nicht gerne analytische Texte und analytische Philosophie, aber das hat mit Zeit-, Denk- und Spielräumen zu tun, in denen man sich bewegt und in denen auch mich bewege. Ich habe solche Texte einmal gerne gelesen und werde es eventuell wieder tun. Um mich herum wird soviel analytisch gesprochen, dass Platz und Zeit übrig bleibt, synthetisch zu sprechen. Sprache ist immer künstlich, für ein synthetisches Sprechen gibt es aber Verfahren, die u.a. Shklovskij als Kunst beschreibt. Er meint damit nicht das Kunstsystem, nicht Fremdsprachen. Er meint damit Verfremdung. Ich denke, dass das gut und durchdacht ist. Aber:
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Bevor es Nacht wird schwebt man wieder ... droben.
Die Polarforschung ist der Anthropofagie affin. Vergleichende und zerfleischende Meteorologie sind insoweit in und aus der Form heraus affin.
Quid est Roma?
1.
Contubernium romanorum (notitia dignitatum) eine Behausung, die manchen sogar lasterhaft erscheint, weil sie unbeständig, oberflächlich und äußerlich sein und Unbeständigkeit, Oberflächlichkeit und Äußerlickeit Laster sein sollen. Soll alles schön ordentlich internalisiert und innerlich sein, sonst sei es nichts. Anderen erscheint das anders.
Man erkennt Leute daran, wie sie ab urbe condita lesen. Lesen die den Titel so, als ob er sich von einer Gründung ableite, die etwas stiftet und birgt oder so, als ob er sich von einer Gründung ableitet, die etwas kleidet und würzt?
Leitet sich condita von condere/ condeo oder von condire/condio ab? Wäre das Berufsbild eher das jenige eines Maueres, Kriegers, Wächters und Bürgers, also jener Berufe, die darauf spezialisiert sind, mit Stiften Bergungen, Burgen und Verbürgungen zu sichern? Zum Beispiel der Ausdifferenzierung gerecht zu werden, zu sein und zu bleiben? Oder wäre das Berufsbild eher dasjenige von Konditoren, Köchen und Schneidern, also von Leuten, die auf ein anderes Tafeln als dajenige stiftender Bergungen und graphischer Verbürgung spezialisiert sind und die statt dessen dasjenige besonders gut können, was die Engländer to season und to dress nennen? Also zum Beispiel: fermentieren, gären lassen oder zersetzen und damit haltbar und verzehrbar machen. Scheidekünste, das sagt schon Ihering (Hering) seien auch Fermentierungskünste, Gärungskünste oder Zersetzungskünste. Man muss kein Dekonstrukivist sein, um Römer zu sein, der Gott und die Götter bewahre(n), auch unbeständig tut er und tun sie es. Romgründungen können ein Dressing sein.
2.
Im Titel ab urbe condita sitzen unterschiedliche Paradigmen, darum kann man die Leute daran erkennen, wie sie diesen Titel lesen. Die ersten nenne ich der Einfachheit halber die stiftenden Bürger, auch weil sie immer dann, wenn es darauf ankommt, stiften gehen.
Und die anderen nenne ich der Einfachheit halber die Konditoren. Die Konditoren sind gründlich, aber sie bleiben immer saisonal. Alles an ihnen geht mit der Zeit, fängt mit nichts an, das in Gegenwart aufginge und sie gehen mit der Zeit, ohne zu verschwinden. Die stiftenden Bürger gehen auch mit der Zeit, aber die gehen auch stiften und kommen weg, darum haben die große Sorgen darum, dass es etwas gibt, das die Abwesenheit meistert und Abgründe überbrückt. Das nennen stiftende Bürger wie Pierre Legendre ihre Referenz, ihre Garantie, ihren Gott. Sie sind etwas raumfixiert, nicht besonders zeitfixiert. Die Konditoren sind da anders, die sind zeitfixiert, nicht so raumfixiert, denn auf die Saison und die Mode kommte es da an. Stiftende Bürger wie Niklas Luhmann halten vague Assoziationen für nichts, glauben, das sei nichts. Die Konditoren sehen das anders, die denken eigentlich nur in vaguen Assoziationen, nur saisonal, nur modisch. Nur modisch heißt: nicht richtig gegenwärtig, nur in einer Annahme von etwas, was in Gegenwart seinen Grund nicht findet und darum darin, in Gegenwart, nur unsicher befestigt ist. Nur in Wellen, nur durch Wellen und nur auf Wellenlinien denken die Konditoren, zum Beispiel die Kannibalen. Die Schreibstunde der Nambikwara ist in Wellenlinien eine Modeshow und modisch war und ist, diesen Text von Levi- Strauss und den Kommentar dazu bei Vismann immer wieder zu lesen. Das ist nur Mode, keine große Sorge. Immerhin kommt man dadurch die Zeit, das ist ein Instituieren, das (er-)warten lässt und die Zeit mehr oder weniger anspruchsvoll, mehr oder weniger anspruchslos durchhalten lässt. Typisch französisch, man nennt das french theory oder nouvelle vague, könnte es auch vogue nennen, das a und das o kommen und gehen. Ich tendiere dazu, das nicht als Laster aber als Transporter zu sehen, die Metapher ist ja auch ein Bus und Busse sind echt.
Form kennen
Form kennen lohnt sich wieder, denn vieles hat Form. Um Form-kennen wahrnehmen und üben zu können, kann man Messehallen besuchen, da gibt es alle möglichen Formen.