Der Februar hatte sich wider Erwarten als wenig kooperativ erwiesen.
Völlig untätig bin ich dann jedoch auch nicht gewesen.
Ich habe zwei Texte fertiggestellt und habe versucht, sie unter die Leute zu bringen. Nun warte ich.
Ich habe öffentlich lesen dürfen und das war aller Aufregung zum Trotz wieder eine sehr schöne Erfahrung.
Ich bin sieben Mal ins Kino gegangen und würde es im Falle von “The Hateful Eight” und “Midnight Special” wieder tun. Bei letzterem habe ich es sogar wieder getan, was es auf acht Kinobesuche bringt.
Ich war auf dem Konzert der wunderbaren Band “Then Comes Silence” und bin sehr froh, dass es sie gibt.
Ich habe aufgeräumt, geschrieben, mir Gedanken gemacht, gekocht, neue Musik kennengelernt, Pläne geschmiedet, bin unter Leute gegangen.
Über M.Blecher nähere ich mich wieder dem Lesen an.
Eine Zeitlang habe ich mich gefühlt wie Emanuel, Protagonisten aus M.Blechers Roman “Vernarbte Herzen”:
Er versuchte zu lesen, aber er verstand nichts; die Bücher waren für ein anderes Licht geschrieben worden; kein Buch der Welt vermag die überwältigende Leere eines warmen und intimen Tages der Langeweile und des Leids zu füllen. (S.27)
Damit ist es vorbei und ich habe wieder Freude daran. Nicht zuletzt, wenn ich Sätze wie diese lese und darüber begreife, wie toll sich durch Literatur etwas in Worte fassen lässt, was ohne vielleicht nur ein Gefühl, eine Ahnung, nichts Greifbares bleibt.
Colette wohnte in der gleichen Pension. Sie war ein einfaches Mädchen und flach wie ein Blatt Papier. Sie beschäftigte sich mit Stickereien und kleineren Schneiderarbeiten, die sie zu Hause ausführte.
Emanuel machte eine hygienische Liebe mit ihr ohne große Sinnesreizungen. (S.27)
Und dann die Passage zum Verhältnis zwischen Fäulnis und Geschlecht/steil:
Der Eindruck von Schmerz und Qual vervollständigte sich somit verblüffend durch jene einfache und demütige Evidenz, die plötzlich die Erschöpfung der wesentlichen Lebensenergie und das kalte und deprimierende Vordringen des Leidens bis an die Grenze des Leibs offenbarte, bis dahin, wo Quitonce aus einem zeugungsfähigen Mann mt Lüsten und Leidenschaften zu einer schlichten Anhäufung von Organen wurde, die der Reihe nach verfaulten, mit mürben Rückenwirbeln und einem Geschlecht - das Geschlecht von einst, das dem Leib allen Sinn und all seine Lebenskraft verliehen hatte -, das, zu einem Stück Fleisch geworden, sich schlaff zusammenzog und schon vor der finalen Fäulnis langsam zerfiel. (S.118)
Wunderbar! Ist es vermessen zu glauben, dass ich es zu verstehen glaube? Dass ich behaupte, es wäre für mich geschrieben worden? Als hätte Quitonce später mir das Knochenstückchen aus seinem Rückenwirbel geschenkt. So geht es mir damit.