Normalerweise habe ich kein Problem damit Menschen flüchtig zu begegnen.
Zu Lächeln, zu grüßen, sich freuen, wenn ein Lächeln zurück kommt.
Doch nicht heute. Heute wäre ich am liebsten die einzige, die durch dieses matschige, nach Pferden und Staub riechende Feld schlendert.
Heute ist mir nicht danach zu lächeln.
Nicht danach mich zu freuen, wenn ich eines Ernte.
Nicht danach zu reden, nicht danach irgendjemandem zu begegnen.
Mir ist danach alleine zu sein. Die Sonne zu genießen, sofern ich heute überhaupt irgendetwas genießen kann.
Den Wind auf meiner Haut spüren, die kühle Luft tief inhalieren.
Raben dabei zusehen, wie sie sich die liebevoll gesähten Samen des Bauern zu eigen machen. Diesen einen Vogel betrachten, welcher den Wind schimpft, weil er nicht vom Fleck fliegen kann.
All den Trost den ich heute brauche finde ich hier. Im Feld. Den Tieren. Selbst dem Matsch, der mir das Gehen erschwert.
Ich erinnere mich an jenen Platz, den ich früher schon aufsuchte, wenn es mir ging wie heute. Ob dort heute ebenso reges Treiben herrscht?
Es war der Ausguck eines Jägers, ebenso wie der, auf welchem ich jetzt Sitze. Dieser hier wirkt jedoch morsch und ungenutzt, sollte ich stürzen wäre das weder eine Überraschung, noch die größte Tragödie.
Doch während es an meinem Liebsten Platz lebhaft, umgeben von hohem Gras und Sträuchern, die im Frühling weiße Blüten tragen, ist, wirkt dieser hier nur dank der unzähligen Vögel, die sich hinter mir aufhalten, lebendig. Obwohl dort nur Gestrüpp und tote Bäume sind, scheint dieser kleine, dunkle Fleck mitten im Feld ihre Oase zu sein. Der einzige Ort, an dem sie kein Mensch stört.
Welche Ironie, dass ausgerechnet hier ein solcher Ausguck seinen Platz findet.
Welch Heuchlerei, dass ich sie bedauere, obwohl ich es bin, die ihre Ruhe stört.
Und doch hoffe ich, dass sie mich tolerieren. Sich nicht von mir stören lassen, mir mit ihrem Gesang weiter Trost spenden. Dass ich mit dem toten Geäst verschmelzen und doch Freude finden kann, genauso wie sie.