#WeekendWatchlist â Royalbunker-Gegen die Kultur (Doku) Freitag, arbeitsfreie Tage voller Muse in Aussicht, grobe PlĂ€ne geschmiedet und dann das: Langeweile. Darum hier der Tipp zum Wochenende.
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#WeekendWatchlist â Royalbunker-Gegen die Kultur (Doku) Freitag, arbeitsfreie Tage voller Muse in Aussicht, grobe PlĂ€ne geschmiedet und dann das: Langeweile. Darum hier der Tipp zum Wochenende.

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Zugezogen Maskulin, Marteria und Marcus Staiger
Nur weil alle anderen arm sind bist du so reich.
Staiger
Marcus Staiger Interview (Teil 4)
Die Roman-Protagonisten erleben EinschrĂ€nkungen in ihrem Alltag. Erlebst du EinschrĂ€nkungen im Alltag, von denen du denkst, dass sie nicht sein mĂŒssten?
Bei mir ist es so, dass ich diese EinschrĂ€nkungen relativ klar sehe, und bin mir dessen bewusst, dass man mit Kompromissen leben muss. Man kann es natĂŒrlich als absoluten Zwang empfinden, oder als Einsicht in das Notwendige. Ich könnte natĂŒrlich jetzt sagen: dieses Steuersystem macht mir immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Ich bin ja mit ganz vielen Steuerschulden aus Royalbunker rausgegangen, und das verschleppt und verlagert sich noch ein Jahr, und dann kommt es wieder. Und ich kann mir diese und jene Sachen nicht leisten. Aber da ich mir dieses und jenes eh gar nicht leisten will, ist es mir doch scheiĂ egal. Dann gibtâs halt Steuern, aber ich weiĂ dass man davon nicht stirbt, dass es dann nicht zu Ende ist. Richtig eingeschrĂ€nkt ist es dann, wenn man sich die ganze Zeit darĂŒber beschwert, und nichts daran Ă€ndert. Dadurch dass ich es erkenne, mich nicht beschwere, und im besten Fall was Ă€ndere wenn ich es kann, schrĂ€nkt es mich nicht so wahnsinnig ein. Ich glaube halt wenn man auf diese Gesellschaft mehr oder weniger angewiesen ist und aufs Abstellgleis geschoben wird und einfach in den Teufelskreis von Arbeits- und Motivationslosigkeit gefangen ist, ist man stark eingeschrĂ€nkt. Ich habe natĂŒrlich auch den Vorteil ĂŒber ein gewisses Talent zu verfĂŒgen. Oder, das ist auch nicht unwichtig, ein nettes ĂuĂeres zu haben, denn das ist immer hilfreich. Ich kann mich artikulieren. Ich habe einigermaĂen gute Manieren. Ich habe viel gelernt in meinem Leben. Und es gibt natĂŒrlich Leute, die haben das nicht. Und die sind aussortiert, da sehe ich schon gesellschaftliche Schranken, die extrem schwer zu ĂŒberwinden sind.
Eine radikale EinschrĂ€nkung in diesem System ist natĂŒrlich, dass du Geld verdienen musst, um ĂŒberhaupt an dieser Gesellschaft teilzunehmen. Hast du kein Geld, nimmst du hier nicht teil. Du kannst es dir natĂŒrlich schön reden und dir sagen: Hey Hartz4! Und machst dann (zeigt hinter uns) da drĂŒben Slackline, und hast ein erfĂŒlltes Leben, aber das stimmt halt nicht. An dieser Gesellschaft nimmst du tatsĂ€chlich nur aktiv teil, wenn du Marktteilnehmer bist. Das ist ein Beispiel fĂŒr eine Schranke, die ich schon ĂŒberwinden möchte. Ich hĂ€tte es schon gern, wenn die Menschen unabhĂ€ngig davon, als Mensch sein könnten, und dann hĂ€tten wir auch eine viel interessantere und produktivere Gesellschaft. Also nicht monetĂ€r produktiv, sondern gesellschaftlich produktiv.
Ich sehe schon dass dieses System viele Leute kaputt macht. Oben und unten. Unten wenn sie ausgeschlossen sind, und oben wenn sie Jobs machen, die sie halt nicht mögen und ihre KreativitĂ€t vollkommen sinnlos verpulvern, fĂŒr irgendeinen Quatsch, den kein Mensch braucht.
Wie siehst du denn in Anbetracht dessen, die Situation im Kulturbetrieb? Sind Musiker, Autoren, KĂŒnstler glĂŒcklich?
Ich glaube es wird sehr unbefriedigend fĂŒr einen selber, wenn man weiĂ, man macht das nĂ€chste Album oder Buch nur noch aus dem Grund, weil man Geld zum ĂŒberleben braucht. Ich glaube Kunst ist schon immer dann am geilsten, wenn man Kunst machen möchte. Aus dem Grund ist Musik und Kunst ein interessantes PhĂ€nomen. Weil die Leute machen es erstmal, und viele ĂŒber lĂ€ngere Zeit, weil es ihnen eine Befriedigung gibt und nicht weil es sich verkaufen lĂ€sst. Vielleicht sogar befriedigender als so mancher erfolgreiche KĂŒnstler. Mir hat mal ein Rapper gesagt, ohne Witz: âIch trete vor 10000 Leuten auf, und es gibt mir gar nichts.â Und das ist schade, das ist wirklich schade, er lebt den Traum so vieler anderer, und lebt komplett an seinem Leben vorbei.
Es ist unheimlich schön wenn man gewerblich Kunst macht, und sich das GefĂŒhl der Freude erhalten kann. Ich kann dir das nicht sagen wie das ist, wenn ich da in 15 Jahren immer noch alle zwei Wochen auf Lesung bin, und mich das nur noch ankotzt, weil ich es schon so oft gemacht habe. Aber ich finde, dann muss man es auch sein lassen. Gerade im Kunstbereich, dass muss einem SpaĂ machen. Und ich habe mit Royalbunker aufgehört, als es mir ĂŒberwiegend keinen SpaĂ mehr gemacht hat. Es geht nicht darum das es tagtĂ€glich 100% Fun sein muss was man da macht, aber es ist wichtig dass man da 70% SpaĂ dran hat.
 Wann hattest du denn bei Royalbunker am meisten Spa�
Ganz am Anfang. An diesem Zeitpunkt wo es so richtig losging. Als wir noch Kassetten gemacht habe und gemerkt haben: OK, wir verkaufen da jetzt 400/500 Kassetten auf einmal. Das war schon die Zeit wo es richtig geil war. Wo wir zusammen auf Tour waren, im kleinen Auto.
So wie es jetzt ist, macht es mir ja auch am meisten SpaĂ. Man fĂ€hrt raus. Trifft sich mit irgendwelchen Leuten, pennt bei irgendwelchen Leuten, weil es halt einfach noch so auf der persönlichen Ebene ist. Stell man sich mal vor man verkauft mit seinen Lesungen 2000er-Hallen, und ist dann so im Kultur-Haus irgendwo. Dann kommt man erstmal an in der Stadt, geht dann ins Hotel, schlĂŒrft dann in dieses Kultur-Haus, macht da seine zwei Stunden Lesung und geht dann wieder ins Hotelzimmer. Das ist doch gar nicht mal so spannend. Spannend ist doch jetzt irgendwie so, dass sich die Leute freuen: âman ja, komm wir gehen Abendessen, dann die Lesung, und danach gehen wir feiern.â Das ist doch perfekt. Aber das kann man wahrscheinlich auch nicht fĂŒr immer konservieren, das ist halt so.
Wenn das jetzt gröĂer und professioneller werden sollte, dann ist man ja mal an dem Punkt, wo es dann halt in normale Erwerbsarbeit umschlĂ€gt. Auch das kann sein. Das ist nichts wovor ich mich fĂŒrchte, aber ich glaube, dass ist halt eine andere Art von SpaĂ. Und so hat RoyalBunker natĂŒrlich auch SpaĂ gemacht. Mit KIZ war es auch voll lustig. Diese U-Bahn-Aktionen die wir durchgezogen haben, dass waren immer geile Momente. Es macht natĂŒrlich auch immer dann SpaĂ, wenn man merkt, andere Leute interessiert das was man macht.
Dort drĂŒben findet ja die Yard5 Graffiti Jam statt, wie stehst du zu Graffiti? Nimmst du Graffiti im Alltag wahr?
Ja, ich nehme es wirklich wahr, und freue mich auch. Z.B. bin ich gestern mit meiner Frau und ihrem Sohn ĂŒber die Stadtautobahn gefahren. Das ist mir neulich schon aufgefallen. Diese XL Crew die alles zugemacht hat. Die ganze Avus entlang, und den ganzen Innenstadtring. Auf jedem Autobahnschild war das drauf, das freut mich, das finde ich voll cool. Die 1UP Geschichten ĂŒberall â riesengroĂ, alles kaputtgemacht, super Sachen. Ich finde es halt als Aneignung von öffentlichem Raum interessant. Dieses âScheiĂ was draufâ - Angriff aufs Privateigentum - gefĂ€llt mir. Es ist unsere Stadt â wenn Daimler Benz eine ganze Stadt in der Innenstadt bauen darf, dĂŒrfen wir das auch.
Du sagst âWirâ.
Na klar, das Ding ist halt, ich sehe diese Hip Hop Leute tatsĂ€chlich als eine groĂe Familie, auch wenn sich das wahnsinnig auseinander dividiert hat. Ich habe ja Streit mit diversen Leuten aus dieser Szene. Ich sehe es  immer noch als Familienstreit. Das ist halt so, da streitet man sich auch verbittert und man kann gewisse Verwandte auch nicht leiden, aber man geht z.B. nicht zur Polizei. Also auch mit Abstrichen, ich bin jetzt nicht der Verfechter dieser âstop snitchinâ Geschichte. Ich wĂŒrde auch zur Polizei gehen, ich habe damit nicht das Problem. Aber erstmal sehe ich es als Familienstreitigkeit.
Graffiti gehört auch zu mir dazu, auch wenn ich kaum Ahnung davon habe und es selbst gar nicht kann. Na gut, aber da bin ich halt auch old school. (lacht)
Macht es dir denn ĂŒberhaupt noch SpaĂ ĂŒber das Buch zu reden?
Ja, sehr viel SpaĂ, jeder zieht was ganz anderes daraus. Ich rede auch nicht immer dasselbe. Klar, manche Sachen wiederholen sich, aber es macht mir sehr viel spaĂ.
Dann die nĂ€chste Frage, wie siehst du das Thema Zeitlosigkeit? Gibt es BĂŒcher die zeitlos fĂŒr dich sind? Was zeichnet solche zeitlosen Werke aus?
Was das auszeichnet kann ich dir gar nicht sagen, ich kann dir sagen das die BĂŒcher die ich wirklich wichtig fand in meinem Leben, wahrscheinlich schon zeitlos sind. Also ich mochte Uwe Johnsen, das war ein DDR-Schriftsteller. Was jetzt ein bisschen Einfluss auf mein Schreiben hatte war Rainald Götz âIrreâ. Das ist noch zersplitterter als mein Roman, durch seine fragmentarische ErzĂ€hlweise. Der hatte auch diesen Stil drauf, dass er jeder Person eine eigene Stimme gegeben hat und dass man die auch sofort sprechen gehört hat. Gabriel GarcĂa MĂĄrquez â100 Jahre Einsamkeitâ oder âChronik eines angekĂŒndigten Todesâ, das sind so Sachen die durch ihre Art und ErzĂ€hlweise sehr zeitlos sind. Wahrscheinlich ist sowas wie Benjamin von Stuckrad-Barre heute total irrelevant, wenn man da ein Buch von vor 10 Jahren liest.
Es ist jetzt schon ein bisschen Zeit vergangen seid der Fertigstellung des Rohmanuskripts von âDie Hoffnung ist ein Hundesohnâ. Das verrĂŒckte daran ist ja wirklich, das es unglaublich aktuelle BezĂŒge hat. Das wird wahrscheinlich gar nicht anders werden in den nĂ€chsten zehn Jahren - ich glaube es wird immer wieder aktuell sein. Es werden wahrscheinlich genau die selben Themen immer und immer wiederkehren. Also wĂ€re es vor zwei Jahren rausgekommen, hĂ€tte man gesagt: âwaow, geil, diese Londoner AufstĂ€nde, hast du das antizipiert?â Nein habe ich nicht. Aber ich habe mir vorgestellt dass sowas passieren kann, in einer Welt wie wir sie heute haben. Jetzt haben die Leute sogar die Krim-Krise reininterpretiert, mit den Panzern und dem Drohnen-Konflikt. NSA-AffĂ€re sowieso â abhören, totale Ăberwachung, dabei war damals davon noch gar nicht die Rede.
[SPOILER]
Es ist verrĂŒckt. Im Buch geht ein Nazi los, tötet zufallsgenerator-mĂ€Ăig AuslĂ€nder und wird gleichzeitig vom Verfassungsschutz â also wirklich ausdrĂŒcklich vom Verfassungsschutz â beobachtet. Sie haben ihn seid Jahren unter Beobachtung, seid er in einer Wehrsportgruppe tĂ€tig war, und heuern ihn zum Schluss auch noch an. Das ist im Zuge der NSU-AffĂ€re wirklich erschreckend.
[SPOILER-ENDE]
 Diese Verfassungsschutz-Leute habe ich extra so angelegt, als wĂ€ren sie wirklich graue, gesichtslose Herren. Oder wie aus diesem Tim und Struppi Comic, diese Agenten Schulze und Schultze. Bei mir heiĂen sie MĂŒller und Maier, sind komplett austauschbar â graue, gesichtslose Herren. Das hat eine verrĂŒckte, abstrakte Dimension. Das war angelegt, als wĂ€re das ein komplettes Fantasieprodukt â und das passiert tatsĂ€chlich, das gibt es wirklich.
 Ich hatte das GefĂŒhl, das du Charaktere verarbeitet hast, die dich im Leben nerven könnten, die man aushalten muss. Bist du gut im Aushalten? Auch im Konflikte aushalten?
Ja klar, jemand wie Jedele ist schwer aushaltbar, ist halt ein Arschloch. Aber die trifft man, wenn man in verschiedenen Welten unterwegs ist, alle.
Ich kann Konflikte sehr gut aushalten. Wenn ich einen Konflikt anfange, dann kann ich es auch aushalten. Das können viele nicht. Sowas wie aktuell mit Fard & Snaga, also ich halte das aus, die nicht. Und ich mache das auch immer weiter. Das wird wahrscheinlich irgendwann mal einschlafen. Die werden ihren Senf dazugeben und sie werden sagen mit mir sprechen sie nicht. Ich werde dann noch zwei, drei mal Sachen sagen. Man muss dann halt auch aufpassen das man nicht irgendwann mal gesagt bekommt: âjaja, ist ja gut, reicht ja jetzt, du nervst.â Muss man dann dosieren, aber ich halte das schon aus. Ich halte auch die Dummheit anderer Leute aus. Ich bin natĂŒrlich immer davon beseelt die zu ĂŒberzeugen. Ich möchte auch gewinnen. Aber das es gelingt, ist natĂŒrlich schwierig.
Aber ich merke oft, gerade wenn ich auf andere Handwerker treffe, welche ja dann doch nicht immer die fortschrittlichsten sind, dass Sie fĂŒr gewisse Argumente empfĂ€nglich sind. Und wenn man immer nur mit scheiĂ Typen zusammen ist, dann kann man auch nur scheiĂe denken. Wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, auch mal was anderes zu denken - jetzt abgesehen davon, dass ich damit schon in einer gewissen Eitelkeit unterstelle dass ich kein scheiĂ Typ bin - aber ich denke natĂŒrlich, dass meine fortschrittlichen Gedanken gut sind, und wenn man das so mitteilt, tut sich dann auch meistens was. Das ist ganz angenehm.
Du hast Philosophie studiert, wo es um Ethik und Moral geht, war das fĂŒr dich interessant?
Ich fand Ethik tatsĂ€chlich total uninteressant. Ich habe es mal ein Semester lang studiert. Was ein bisschen verrĂŒckt ist, da es noch heute eine Rolle fĂŒr mich spielt, ist, dass ich  mich schon damals mit bĂŒrgerlicher Gesellschaftstheorie beschĂ€ftigt habe. Vertragswesen von menschlichen Gemeinschaften.
Ich finde das Moral und Ethik ganz schwammige Werte sind, und immer sehr stark von den LebensumstĂ€nden der Leute abhĂ€ngen. Z.B. sowas hart umstrittenes wie Sex mit Kindern. Vor 150 Jahren war das auch in Mitteleuropa gang und gĂ€be, dass 12, 13 jĂ€hrige MĂ€dchen auf den Strich gegangen sind und sowas ausgelebt wurde. Auch heute ist diese Diskussion sehr, sehr heuchlerisch, weil auf der einen Seite die dargestellten Frauen in Werbung und Film immer jugendlicher werden, und auf der anderen Seite ist es ein super Tabu-Thema, wo jeder sagen darf: das ist eklig. Und in anderen Kulturkreisen heiratet man wiederum 10/11 jĂ€hrige. Teilweise sind sogar die Leute, die Todesstrafe fĂŒr KinderschĂ€nder fordern, Anverwandte von denen, die dann 10/11 jĂ€hrige heiraten.
Ich habe selber eine Tochter, ich finde, dass ein Jugendlicher das Recht hat seine SexualitĂ€t jugendlich kennenzulernen. Und ich finde es absolut bescheuert, wenn ein Erwachsener, etwas mit einer 12 jĂ€hrigen anfĂ€ngt. Denn das sind sehr unterschiedliche Welten. Und selbst wenn die 12 jĂ€hrige sowas wie eine SexualitĂ€t hat, dann hat das nichts mit einer erwachsenen SexualitĂ€t zu tun. Was ich damit sagen will ist, es ist sehr variabel. Z.B. in puncto Gesellschaftsgerechtigkeit ist es immer vom Gutwill der herrschenden Klasse abhĂ€ngig. Was wir jetzt z.B. als Sozialstaat haben, war in den 1970er Jahren viel mehr. Jetzt heiĂt es plötzlich, wir können uns das nicht mehr leisten. Wer bestimmt denn das, dass wir uns das nicht mehr leisten können? Welche Moral und Ethik steht denn da dahinter? NĂ€mlich gar keine. Und deshalb bin ich gar nicht so sehr daran interessiert die Dinge ethisch und moralisch zu lösen, sondern auf einer Vertragsebene â auf was einigen wir uns denn jetzt eigentlich?
Um auf die KindersexualitĂ€t zurĂŒck zu kommen: ich sage ich habe Argumente dafĂŒr, warum ich finde, dass Erwachsene nichts mit Kindern anfangen sollten. Das wĂ€re aber eher eine Einigung. Und nicht weil Gott das verboten hat oder weil das nicht meinem gesunden Volksempfinden entspricht. Anderes Land, andere Sitten.
Oder z.B. die Einigung darauf keine Ausbeutung stattfinden zu lassen - das hat natĂŒrlich einen tieferen moralischen Wunsch nach Gerechtigkeit und vielleicht ist das sogar christlich verankert. Aber trotzdem wĂ€re es mir lieber, wir machen das nicht, weil sich das so gehört, sondern, weil wir uns darauf geeinigt haben.
 Ich habe damals tatsĂ€chlich schon einen LektĂŒre-Kurs Marx besucht. Und das kam ja jetzt auch verstĂ€rkt wieder, weil ich Marx Literatur als ein wahnsinnig gutes Instrumentarium fĂŒr die Gesellschaft, ihre VerhĂ€ltnisse und ihre Produktionsweise zu durchschauen, finde. Auf der anderen Seite war mir das, und das ist auch heute noch so, bei den Philosophen zu linguistisch. Da wird dann um Worte gestritten, um gewisse Bedeutungsnuancen. NatĂŒrlich muss man sich um eine einigermaĂen exakte Sprache bemĂŒhen. Aber im Endeffekt werden wir niemals das Selbe meinen, wenn wir das Selbe aussprechen. Und mit einer gewissen UnschĂ€rfe kann ich persönlich auch leben, und das können manche von diesen Linguisten-Philosophen eben nicht. Deshalb ist das dann auch uninteressant.
Was passiert noch bei dir, wenn du nach Hause kommst? Was steht an?
Wenn ich nach Hause fahre, setze ich mich an den Computer, weil ich noch drei Artikel fertig schreiben muss ĂŒber das Wochenende. Man hat immer was zu tun. Ich bin Familienvater, auch. Das ist das gute, da ist einem nie langweilig. Nie wieder Langeweile. Immer zu wissen, dass man zu tun hat (lacht).
Neulich, weil das eben auch so ein bisschen ansteht, war das dann auch Thema: brauche ich ein Management & wohin will ich eigentlich? Klar, ich bin Schriftsteller, ich will Schriftseller sein. Das ist wahrscheinlich das was ich schon immer sein wollte seid ich 17/18 bin. Aber ich brauche das ganz andere auch. Ansonsten habe ich kein Material. Ich bin schon jemand der das Leben braucht in seiner Vielfalt.
Vorstellbar wĂ€re aber auch, nur auf das zurĂŒckzugreifen, was sich in deinem Kopf abspielt, und die Frage ob das ausreicht.
Ich scheibe wahnsinnig gerne Traumtagebuch. Manchmal ein bisschen weniger, wenn ich viel praktische Texte zu schreiben habe, dann wird das auch weniger mit dem Traumtagebuch. Aber wenn ich mich mehr darauf einlassen kann, mich mehr um meine innere Welt kĂŒmmern kann, dann mache ich das. Das ist sehr interessant, ich bin immer wieder fasziniert davon, wie verrĂŒckt man seinen Alltag verarbeitet. Ich habe auch schon von Hip Hopern getrĂ€umt. Ich hatte schon die verrĂŒcktesten TrĂ€ume.
Die schreibe ich dann auf. Dem sofortige vergessen, nach dem aufwachen, kann man ein bisschen entgegentrainieren. Isabel Allende hat das gemacht, das habe ich mal in einem interview gelesen. Fand ich super die Idee, eine klasse Ăbung.
Vielen Dank fĂŒr das Interview.
Das Buch gibt es hier:
http://www.amazon.de/Die-Hoffnung-ist-ein-Hundesohn/dp/3981451570

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Da treffen die zwei Urgesteine des deutschen HipHop-Journalismus aufeinander. Falk Schacht interviewt Marcus Staiger anlĂ€sslich der Veröffentlichung seines Buchs "Die Hoffnung ist ein Hundesohn". Dabei schweifen die beiden grauen Eminenzen natĂŒrlich gnadenlos ab und sprechen unter anderem ĂŒber Politik, Rap sowie eine ideale Gesellschaft. ĂuĂerst interessant, auch das Buch klingt viel besser als ich dachte.
Mach One zeigt im Vorbeigehen mal, wie ein gutes Videosnippet aussehen sollte. Mit haufenweise Rappern im GepÀck, die ich zum Teil wirklich nicht erwartet hÀtte.
...und MF Doom sagt sein Konzert ab. Zwei mal hintereinander, der Sack! Bei Noisey machen sie ihrem Ărger ein bisschen Luft. Da wusste der Autor aber noch nicht, dass der Ersatztermin auch ausfĂ€llt. Grrr...
FĂŒr alle die es interessiert: Laut Marcus Staiger (ehemals Royal Bunker-Chef) arbeiten K.I.Z derzeit an einem neuen Album!