Fragen an den Anwalt (Teil 3)
Herr Weiss, die Zeiten sind mitunter hektisch. Wie konzentrieren Sie sich auf das wesentliche? Indem Sie erfragen was das wichtige für Sie ist? Ist das überhaupt nötig? Durch wen oder was werden Sie evtl. abgelenkt?
Das ist eine gute Frage, wenn auch die Antwort darauf einfach ist! Ich lasse so wenig Einflüsse wie möglich von außen auf mich zu! Ich selektiere sehr hart und blende viele Lebensbereiche auch völlig aus!
Ich bin sozusagen ein Eremit der Neuzeit! Ich sehe nicht fern, höre kein Radio, Nachrichten wie beispielsweise die Krim-Krise nehme ich nur am Rande, traurigerweise über Facebook, wahr. Das verdeutlicht wie weitreichend meine Einkapselung ist. Ich weigere mich, so gut es geht mich der Manipulation der Medien auszusetzen, Werbung zu ertragen, politische Färbungen der Berichterstattung deuten zu müssen und so weiter. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man über wirklich wichtige Themen in der Öffentlichkeit spricht. Mein soziales Umfeld fungiert sozusagen als Humanpuffer, Vorkoster die für mich eine Selektion vornehmen. Jemand redet über die Krim-Krise, ich lese mich mäßig ein, beschließe kurzerhand, dass es mich nicht weiter interessiert. Hätte es mich interessiert, hätte ich mich vielleicht soweit damit auseinandergesetzt, dass ich mir hätte eine Meinung darüber bilden können. Das war in diesem Beispiel nicht einmal der Fall.
Jetzt könnte man behaupten, dass man aber doch firm im Wissen über aktuelle Geschehnisse sein sollte. Das sehe ich zwiespältig. Im Prinzip geht es hier um nichts. Die Annexion der Krim wird die Welt nicht ändern. Unsere Gesellschaft auch nicht und vorherrschende Denkweisen noch weniger. Das klingt ignorant, ist es auch. Ich habe es aufgegeben mich um jeden Furz der Zeitgeschichte zu kümmern. Zudem überstrapaziert es meinen Sarkasmus, wenn die USA sich über Eingriffe in souveräne Staaten erzürnt, und stimmt mich einfach nur traurig!
Ähnlich ist es mit Musik. Ich blende alles aus was mir, aus welchem Grund auch immer, nicht gefällt. Rigoros! Sogar ganze Subgenres angefangen bei Dirty South, über Trap bis hin zu irgendwelchem neuen Scheiß, von dem ich mir nicht mal den Drecksnamen merken will! Es gibt ja auch gerade im Hip Hop Bereich Leute die denken, dass es sie irgendwie auszeichnet, wenn sie jeden Scheiss kennen! Schlimmer noch die, die denken sie könnten einem erzählen was man alles kennen MUSS oder einen gar belächeln falls man irgendeine Kacke nicht kennt! Das spricht für mich nicht für Überlegenheit, sondern für Stil- und Geschmacklosigkeit! Wie kann man denn alles cool und interessant finden? Ich hab das gegenteilige Problem! Ich finde fast alles scheiße! Es gibt vielleicht zehn deutsche Rapper, die ich ohne Einwand gut finde und das ist schon hoch gegriffen. Wahrscheinlich sind es weniger! Das ist nichts gegen irgendjemand persönlich, aber ich elitisiere damit meine Einflüsse! Als Künstler muss man da, denke ich, auch mehr aufpassen als der Konsument. Wenn meine Einflüsse nämlich schon scheiße sind, wie soll dann mein eigner Kram gut werden? Man sollte darauf achten, lieber einige gute Vorbilder zu haben, anstatt sich in der Flut der Einflüsse zu verlieren. Alles was man als Einfluss zulässt, bewegt die Gedanken und birgt somit Risiken, darüber sollte man sich bewusst sein.
Im Umgang mit künstlerischer Freiheit muss man sich die Grenzen selbst stecken damit positive Freiheit nicht zu negativer Halt- und Orientierungslosigkeit wird. Es gibt nichts schlimmeres als ein weißes Blatt Papier, ohne eine grobe Idee, was man damit anfangen will. Lässt man alle Einflüsse zu, entsteht nur unbrauchbares Chaos und man kann das Blatt wegwerfen. Musik braucht wie alle Künste Struktur, Struktur die man sich selbst stecken muss, um sie mit eigener Kreativität zu füllen.
Das waren nur einige kleine Beispiele um zu verdeutlichen wie ich Hektik so gut wie möglich verbanne. Um alltäglichen Stress komme aber auch ich nicht herum. Dennoch ist das Leben im Prinzip nur so hektisch wie man es sich selbst macht und von außen zulässt.
Dennoch bin ich mal wieder nicht sicher, ob ich überhaupt die Frage beantwortet habe. Ich will deshalb noch kurz darauf eingehen was überhaupt wichtig für mich ist. Bestimmt das nicht jeder für sich selbst? Viele Anforderungen werden natürlich von außen gestellt aber man entscheidet in diesem Fall doch nach eigenen Prioritäten? Das tue ich zumindest. Nennen wir die Lebensbereiche Familie, Freunde, Arbeit und Freizeit, wobei sich die Bereiche auch kreuz und quer überschneiden. Wen soll man denn da fragen was wichtig für einen selbst ist? Oder was wichtiger? Das wägt man für sich ab, von Fall zu Fall. Da erzähle ich auch sicher niemandem etwas Neues! Die von mir genannten Bereiche sind im Übrigen nach Gewichtung sortiert.
Und von was ich abgelenkt werde? Von Allem und Nichts! Wie mans nimmt. Die Frage ist mir zu schwammig! Ich glaube aber was mich am meisten im Leben allgemein ablenkt ist das Internet, positiv wie negativ! Unterhaltsam und informativ um nur zwei positive Dinge zu nennen, davon abgesehen ermöglicht es tausende Dinge die ansonsten undenkbar wären wie zum Beispiel dieses Interview, Negativ betrachtet raubt es schlicht Zeit, wie auch zum Beispiel für dieses Interview. Daran ist die Dualität, denke ich, gut erklärt und ich kann mich etwas anderem, zeitraubendem, aber schönem widmen. Nämlich meinem Schlaf! In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern eine gute Nacht!
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