Büro- und Studiokratie (droit/ draw)
Es gibt juridische Kulturtechniken ohne juristische Methoden. Es gibt keine juristische Methode ohne juridische Kulturtechniken. Es gibt kein Büro ohne Studio. Parlamentarisch mit Winston Churchill gesagt: First we shape things and than they shape us. Die juristische Methode kann das Recht und die Recht bestens isolieren. Und es ist doch und hat doch Echo. Und es faltet sich doch. Und da ist doch ein Begehren.
Manuela Camargo arbeitet an einer großen Studie, die ich als Beitrag zur Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken lese. Anhand dreier afrikanischer Beispiele bechreibt sie ein Geschichte und eine Geschichte graphischer Züge. Ihr Forschungsprojekt ist Teil einer Gruppe, die sich den Namen Organizing Architectures gegeben hat. Die Forschung betrifft Formen und Normen, also auch das Verhältnis von Architektur und Recht. Sie beschreibt eine Abfolge, eine Staffelung, eine Schichtung und eine Geschichte von Normen und Formen, die so etwas wie zwei Enden, eventuell sind es Pole, besitzt: An der eine Seite oder dem einen Pol ist der graphische Zug ein Zeichung (ein Plan, ein Riss oder ein 'Trachten', wie es im Jiddischen heißt), eine Furche im Boden oder ein Träger aus Holz oder Eisen, der in den Registern historischer (Rechts-)Wissenschaft als Form auftaucht; am anderen Ende ist der graphische Zug Teil einer Quelle, die von historischen (Rechts)Wissenschaften als Norm registriert wird. Lauter graphischer Züge liegen dazwischen, etwa solche, die Sein und Sollen oder aber die Rechtswissenschaft von sogenannten "Nachbarwissenschaften" oder Begriffe von Metaphern wie der 'immbolienrechtlichen Metapher' von den sogenannten "Nachbarwissenschaft" abgrenzen sollen. Irgendwo wird ein graphischer Zug gemacht, der die Regel des Rechts von der Regula der Architekten unterscheiden und unterschiedlichen Registern zuordnen soll.
Camargo beschreibt in Operationsketten eine Transformation von Formen in Formen und Normen in Normen, über die sich dann die Selbstverständisse von wissenschaftlichen Disziplinen oder gesellschaftlicher Ausdifferenzierung, sogar Thesen zum Wesen des Westens und der Modernisierung stülpen. Camargo schreibt eines der Bücher, die ich dringend erwarte. Manche Leser, ich nicht, werden fragen, wo denn jetzt das Recht endlich beginnt und wo es aufhört. Andere Leser werden mit Staunen den Kooperationen, den Operationsketten, den Übersetzungen und Übertragungen, der 'Differenz und Wiederholung' sowie einem Gang folgen, der wiederum Gesetzen der Imitation, Kontrafaktur und Kreuzungen folgt, um an jeder Station auch Details für alle rechtlichen Unterscheidungen und alle architektonischen Unterscheidungen parat zu halten. Sie werden staunend den Verhäkelungen, den Verschleifungen und dem Verschlingen folgen.
Ich werde das Buch als Buch zu einer Welt lesen, die deswegen diplomatisch ist, weil ihre Kosmologie und Kosmographie durchgehend und anhaltend in Falten ist; diese Welt ist in Sequenzen und Frequenzen Echo von dem, was in jedem Detail Norm und Form ist.













