In Marylins Schoß
Es fehlen Pullover. Im unüberlegten Moment stimme ich dem Vorschlag der Teenager zu.
Wir werden zum Limbecker Klotz fahren, dem städtebaulichen Conter gegen das nahe gelegene Centro in Oberhausen.
Aussen an der Fassade, das seit über einer Dekade wehende Kleid der Diva. Welche architektonische Metapher hätte im Herzen des Potts passender sein können?
Der Strudel der spiralförmigen Einfahrt verschlingt uns ins Innere. Aus dem betonkalten Gedärm der Parkhallen, tauchen wir ein in bombastisch grelle Weihnachtspracht. Der Schmücker hat alles gegeben. Unzählige Glaskugeln hängen am dünnen Faden in makelloser Perfektion zur gigantischen Lustkugel vereint.
Auf den Galerien werden wir zu hastenden Dezembermenschen. Vorbei gehts an Massagestühlen mit Münzschlitz und asiatischem Maniküre-Angebot. Berührung und Nähe. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.
Wir suchen orientierungslos. Nach der Billigkette, die hier hingesogen wurde und nicht mehr in der kriegsversehrten Innenstadt auf Einzelhandel macht.
In der Filliale schmiegen sich LED-Screens großformatig und geschwungen um uns herum. Schöne Menschenkörper und Landschaft im Bewegtbild. Wir laufen durch eine unbeseelte Website. Ist das das Metaverse?
Die Saisonware hängt kreuz und quer in der Gipswand-Welt. Eine quietschblaue Wolljacke, wie von der Prusseliese. Farben und Stoffe aus der Verkleidungskiste meiner Kindheit. Daneben auf Sweater-Baumwolle in fettem Schriftzug Städtenamen von Ost- und Westküste, Eliteunis und gleich kontextfrei 'NIrvana'. Dafür hat er sich das Gesicht bestimmt nicht weggeblasen. Aber vielleicht geht es ja um buddhistische Erleuchtung. Nevermind, die Teenager wissen nicht mal wo Sacramento liegt.
Am Checkout kein Mensch. Wir kassieren uns selbst ab und kämpfen mit den Sicherheitsetiketten.
Wieder auf der Galerie zeigen Infoscreens, wie man aus Fett und Körnern etwas für Vögel tun kann. Oder Strom spart.
Der Ausfahrtsstrudel entlässt uns als leisen Furz in den erdunkelten Tag.














