Harry Liedtke on a vintage postcard
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Harry Liedtke on a vintage postcard

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Dr. Christa Tordy and Harry Liedtke on a vintage postcard
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MALLORCA 2016 - Pt.1/4
Tag 1 - Von Berlin nach Port DâAndratx
Vorwort.
âReisen bildetâ! Dies verstand bereits Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832), der zeitlebens stark von seinen Reisen geprĂ€gt wurde, und diese EindrĂŒcke in seine Werke einflieĂen lieĂ. Wenn gleich Goethe sich wohl mit dem Massen-Tourismus auf des Deutschen liebstem Erholungs-Eiland kaum hĂ€tte anfreunden können, wĂ€re auch heute der Einfluss des ganz eigenen LebensgefĂŒhls auf der gröĂten der Balearen-Inseln mit Sicherheit unverkennbar.
Wie in jedem Jahr, zĂ€hlt Mallorca wohl zu den beliebtesten Reisezielen in der EU. Insbesondere âwir Deutschenâ scheinen verrĂŒckt nach diesem kleinen StĂŒck spanischen LebensgefĂŒhls zu sein, das irgendwie doch ein StĂŒck deutsche Heimat in sich trĂ€gt. Weshalb man in Deutschland oft vom 17. Bundesland spricht, wird auf der Insel schnell klar. Die komfortable NĂ€he nach Deutschland (Flugzeit Berlin Tegel - Palma de Mallorca: 2 1/2 Stunden) erlaubt es schnell, einfach und vor allem gĂŒnstig in eine andere Kultur abzutauchen. Mit dieser Kultur ist - Gott sei dank (!!!) - nicht jene Sangria und Bier vertilgende Pöbel-Manier mit stark ausgeprĂ€gtem Hang zur geistigen SelbstverstĂŒmmelung gemeint. Vielmehr ist es die Vielschichtigkeit in den Möglichkeiten, die Insel fĂŒr sich zu entdecken und mit ihr das Leben der Mallorquiner. Die eben sehr persönlich und mit Sicherheit nicht sehr objektiv bewertete Gruppierung des Ballermann-Touristen, ist seit Jahren Teil des Tourismus der Insel. Freud und Leid liegen hier dicht beieinander. Es steht meiner Meinung nach jedoch jeder Person frei, sich diesem exzessiven âUrlaubâ (von Erholung fĂŒr Körper und Geist kann hier sicher nicht die Rede sein) hinzugeben, oder eben ganz eigene Wege zu suchen. Dies ist ohne Weiteres möglich und sollte ausgiebig von jenen verfolgt werden, denen es beim Reisen vorrangig um die eigene Bildung im weitesten Sinne geht. Wenden wir uns daher wieder dem eigentlichen Thema zu. Man möchte meinen Goethe selbst habe das Zepter in die Hand genommen und Mallorca zum perfekten Urlaubsziel und Zweitwohnsitz der Deutschen erklĂ€rt, hört man doch ĂŒberwiegend die deutsche Sprache, akzentfrei und ungefragt selbst beim unscheinbaren HĂ€ndler in den kleinen vertrĂ€umten Inseldörfern. Kulturell gesehen, verwĂ€ssert diese Tatsache zum Einen natĂŒrlich die Vorstellung ĂŒber das urtĂŒmliche Spanien, zum Anderen ist gerade diese Grund fĂŒr ein unermessliches GefĂŒhl von Sicherheit und Wohlbefinden auf der Insel. Der deutsche Tourist fĂŒhlt sich prompt willkommen und angekommen. TatsĂ€chlich ist er auch sehr willkommen und sichert den Mallorquinern zu groĂen Teilen ein angemessenes Einkommen. Viele Deutsche haben sich auf der Insel niedergelassen und untermalen mehr und mehr die Wahrnehmung der Insel als deutsche Kolonie. So ganz kann man sich dem heute nicht mehr entziehen, wer dabei jedoch Bedenken hegt, Ihm ginge bei einem Urlaub auf Mallorca das spanische LebensgefĂŒhl abhanden, sei beruhigt. Es gibt nach wie vor zahlreiche Möglichkeiten das reale Mallorca zu erleben. Dabei möchte ich mit diesem Blog ein StĂŒck weit helfen und erhoffe mir ebenfalls von meinen Lesern mehr ĂŒber Ihre eigenen Erfahrungen zu lesen.Â
Zu Beginn des ersten Reiseberichtes möchte ich ganz kurz etwas zu den Reisenden erzĂ€hlen. Da sich die Gestaltung einer Reise, deren Ziele und Rahmenbedingungen stets nach den Reisenden richten sollte, ist es meiner Meinung nach wichtig fĂŒr Sie zu erfahren, wer wir ĂŒberhaupt sind und was uns am Reisen begeistert. Gleich zu Beginn kann ich es dem geneigten und oben bereits erwĂ€hnten âBallermann-6-All-Alk-Inklusive-Touristenâ ersparen weiter zu lesen, da Sie tendentiell Gefahr laufen ihre Zeit zu vergeuden. Vielleicht erreiche ich aber auch das Unvorstellbare, diesen Charakter zur Neugestaltung der nĂ€chsten Mallorca-Reise zu bewegen. Es wĂŒrde mich freuen ;)
Ich möchte nicht behaupten, dass meine Partnerin und ich die erfahrensten Reisenden sind, wir sind jedoch sehr bemĂŒht darum, viel von unseren Erlebnissen mitzunehmen und festzuhalten. Als gebĂŒrtige Vietnamesin ist meine langjĂ€hrige Partnerin Hang Nga (27) seit nun mehr als 15 Jahre Tourist mit festem Aufenthalt in Deutschland ;) . In der gemeinsamen Zeit konnten wir bereits viele lĂ€ngere und kĂŒrzere Reisen gemeinsam erleben, jedoch bin ich erst jetzt auf die Idee gekommen, diese auch fĂŒr die Nachwelt festzuhalten und mich schriftlich mit ihnen zu befassen. Ich bitte daher hier und da auf unsere noch vorhandene jugendliche NaivitĂ€t RĂŒcksicht zu nehmen. Hang Nga ist selbst fĂŒr ihr Alter noch sehr frisch und jung geblieben, fast kindhaft neugierig kann man sagen - genau das liebe ich so an ihr. Sie ergĂ€nzt mich mit ihrer positiven Sicht der Dinge oftmals in meiner typisch deutschen, kĂŒhl kalkulierenden Art und macht aus mir einen offenen, aufgeschlossenen Menschen. Als PTA (pharmazeutisch-technische Assistentin) ist ihr die Natur sehr nahe, kennt sie sich doch sehr gut mit allen möglichen Pflanzenarten aus. Sie vermag es, einem doch hier und da interessante Hintergrundinformationen zur umgebenden Natur zu geben, was mich persönlich dazu veranlasst auch unscheinbarsten Dingen am Wegesrand Aufmerksamkeit zu zollen. Im Urlaub sind wir stets ein gutes Team und benötigen nur wenig zum GlĂŒcklichsein. Luxus und Komfort auf Reisen hat fĂŒr uns wenig mit dem Budget zu tun. Erliegt man nicht all zu sehr der kapitalistischen OberflĂ€chlichkeit, ist es auch fĂŒr Studenten oder jungen Berufseinsteigern mit wenig Geld wie uns, kein Ding der Unmöglichkeit ein StĂŒck vom Paradies zu erleben. Zu meiner Person möchte ich nicht viel erzĂ€hlen, ich denke, dass Sie sich an Hand dessen, was ich hier niederschreibe, bereits ein gutes Bild von meinem Wesen machen können. Mein Name ist Micha (32), geboren und aufgewachsen in Magdeburg / D und stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen, egal ob privater oder beruflicher Natur. Man kann mich in der Partnerschaft als den kreativen Kopf bezeichnen. Als Designer befasse ich mich sehr allumfassend mit der Welt. Egal ob kleines Haushaltsprodukt, schwere Industriemaschinen oder auch Mode- und Lifestyleobjekte, einfach alles ĂŒbt einen gewissen Reiz auf mich aus. Daher gehe ich stets mit offenen Augen durch die Welt, insbesondere auf Reisen in Orten an denen ich zuvor noch nie war. Hieraus beziehe ich viel Inspiration fĂŒr meinen Arbeitsalltag und reflektiere meine Reiseerfahrungen nicht selten in neue Produktformen. So viel zu uns als âReiseberichterstatterâ. Wie ich mich selbst kenne und nun anhand der vielen Zeilen sehe, hatte ich mal wieder keine Zeit mich kurz zu fassen. Bitte sehen Sie mir dieses nach und freuen sich nun auf die ersten Schritte auf spanischem Boden.Â
Von SĂŒd-Osten nach Port DâAndratx
Wie in den Jahren zuvor legten wir unseren geplanten Urlaub in die FrĂŒhlingszeit. In den Monaten April, Mai und Juni lassen sich StĂ€dtereisen und Kultururlaube meiner Meinung nach besten planen und umsetzen. Da wir beide wenig Interesse daran haben, den kompletten Urlaub am Strand liegend zu verbringen, sind wir auch mit angenehmen Temperaturen unter 30°C durchaus zufrieden. Ein weiterer Vorteil der frĂŒhen Reise liegt in der geringen Auslastung der Hotels und im speziellen Falle Mallorcaâs, auch der Insel an sich. Ich persönlich liebe es, Orte komplett fĂŒr mich allein zu erleben, bzw. allein mit meiner Partnerin. Dies ist tatsĂ€chlich möglich, auch auf Mallorca. Die Erfahrung nach meinem bis dato 3ten Aufenthalt auf der Insel, bestĂ€tigt mir, dass Reisende auf der Suche nach Erholung, Ruhe und Kultur die Hauptsaison bestenfalls meiden. Je frĂŒher man auf der Insel ist, desto besser. Bereits im April ist das Wetter auf den Balearen oftmals deutlich angenehmer und sonniger als in der Heimat. FĂŒr das Jahr 2016 prognostizierte die Tourismusbranche einen ĂŒberdurchschnittlichen Anstieg der Besucherzahlen wĂ€hrend der Haupt- und Nebensaison auf Mallorca, was ich durchaus bestĂ€tigen kann. Sei es die Angst vor Reisen in die arabischen LĂ€nder bei der gegenwĂ€rtigen politischen Spannung, oder das (verstĂ€ndliche) Ausblendenwollen des Elends, in stark vom FlĂŒchtlingsstrom der letzten Monate gezeichneten Balkanstaaten, Mallorca ist beliebt wie nie. Mit Wohlwollen beobachte ich auch die aktuellen BemĂŒhungen des Inselstaates um die StĂ€rkung des Kultururlaubes und dem RĂŒckbau der schandhaften Bettenburgen in den ehemals malerischen Buchten. Da Hang Nga, ganz im Gegensatz zu mir, bis zu diesem Urlaub Mallorca lediglich vom Hören-Sagen kannte, wollte ich Ihr möglichst viel von dem zeigen, was mich schon immer an Mallorca faszinierte. FĂŒr den Einstieg plante ich daher einen halben Tag im SĂŒd-Osten der Insel ein, da wir hier, auf Grund der knappen Zeit keine Chance hatten viel zu besichtigen. Dies liegt vor allem daran, dass der Norden, sowie die WestkĂŒste meiner Meinung nach die meisten SehenswĂŒrdigkeiten fĂŒr einen Kurz-Tripp parat halten. Gerade gelandet mussten wir uns kurz im Flughafen von Palma orientieren. Kein Vergleich zum Flughafen Tegel in Berlin, der ja doch sehr ĂŒbersichtlich und klein gehalten ist. Hier zeigt sich bereits ein wichtiges und gut funktionierendes Zahnrad in der Tourismus-Maschinerie Mallorcas. Man kann nur erahnen, wie viele Touristen hier hinein- und wieder heraus geschleust werden. Bis zu 14 Millionen Touristen verzeichnet die Insel jĂ€hrlich!!! Doch in der sehr frĂŒhen Pfingstzeit spĂŒrt man glĂŒcklicherweise nur wenig von diesen schier unbegreifbaren Massen. Froh heil und sicher gelandet zu sein, begeben wir uns mit unserem GepĂ€ck direkt zum Mietwagen-Service. Vorausschauend hatte ich ein kleines, praktisches Vehikel bereits einen Monat zuvor von Deutschland aus reserviert, welches nach einigen etwas nervenaufreibenden Minuten (das schnelle und organisierte Arbeiten wurde offenbar nicht auf Mallorca erfunden) zur Abholung bereit stand. Wer sich auf Mallorca frei und fernab von groĂen Touristenströmen bewegen möchte, ist mit einem Mietwagen, abzuholen unmittelbar am Flughafenterminal, bestens beraten. Die Mietpreise liegen im Schnitt bei 10(!!!) Euro am Tag. Unschlagbar und absolut realistisch! FĂŒr dieses Geld bekommt man bereits einen guten Kleinwagen, der seinen Zweck vielerorts besser erfĂŒllt als manch unĂŒbersichtlicher Premium-PKW. Insbesondere bei der Parkplatzsuche in Palma oder der Serpentinen-Strecke von Port de Valldemossa (MALLORCA 2016 - Pt.4/4 - der 4. Tag) erwiesen sich der kurze Radstand und die kurzen ĂberhĂ€nge vom Wagen als durchaus bessere Lösung. Das Navi auf SĂŒd-Osten gepolt konnte unser Urlaub nun so richtig beginnen. Sie werden nicht erraten wo wir trotz aller Vorfreude auf die spanische Kultur als aller erstes einkehrten! Es war das so bekannte Schild eines gröĂten deutschen Discounter-MĂ€rkte, welches mich zum spontanen innehalten bewegte. Ungewiss dem Erreichen unserer Tagesziele entschieden wir uns dafĂŒr, noch einmal typisch deutsch fĂŒr die ersten VorrĂ€te zu sorgen. Schnell stellten wir fest, dass ein LIDL auf Mallorca nur wenig mit dem in Deutschland gemein hat. Eine derart umfangreiche Auswahl an frischem Obst, GemĂŒse und sogar fangfrischen MeeresfrĂŒchten bzw. -tieren lieĂ uns doch ĂŒber die eigenen Kaufgewohnheiten in Deutschland nachgrĂŒbeln. Angebot und Nachfrage bestimmt das Sortiment und hier war klar zu erkennen, dass der Mallorquiner weiĂ, sich gesund zu ernĂ€hren. Die Fahrt fĂŒhrte uns nun recht schnell zu unserem ersten geplanten Ziel. Wir passierten Santanyi, eine der gröĂeren Gemeinden der Insel, welche insbesondere auf Grund des wunderschönen Wochenmarktes bei mir aus der Vergangenheit in Erinnerung geblieben war. Da jedoch gerade kein Markt war, entschlossen wir uns weiterzuziehen um in einem spĂ€teren Urlaub auf Mallorca ein noch unbekanntes Ziel in Santanyi zu finden. Kurz hinter der Ortschaft fĂŒhrt uns die StraĂe weiter ans Meer. Bereits von Weitem öffneten sich ein aufregender Panoramablick ĂŒber die vor uns liegende Bucht und das weite Mittelmeer.
Jene Bucht namens Cala Figuera (SĂŒden; es gibt zwei auf der Insel) ist ein beliebtes Reisziel deutscher Touristen, die man zum GlĂŒck zu dieser Jahreszeit noch vergebens suchte. Der kleine Fischerort verzaubert mit seinem urigen Charme, man erkennt unweigerlich die immer noch prĂ€gende Fischereikultur. Einer der wenigen Orte, der nicht nur vom Tourismus lebt. Es war uns jedoch ein kulinarisches VergnĂŒgen, als Touristen hier vor Ort direkt vom frischen Fischfang zu zehren.
Nach einem kurzen Rundgang entlang der nah am Wasser gebauten EinwohnerhĂ€uschen nebst zugehörigen Boots-Garagen, kehrten wir in einem spĂ€rlich besuchten Restaurant mit traumhaften Blick ĂŒber die Bucht ein. Das Mallorca hier noch Spanien sein darf, freute mich persönlich sehr. Nur wenige, dafĂŒr wohl sehr hochpreisige Hotels, fĂŒgen sich harmonisch in die von Bergen, kleinen FischerhĂŒtten und dem vielen GrĂŒn der OlivenbĂ€ume dominierten Umgebung ein. Zudem schien man hier auf eine vom aussterben bedrohte Art des echten mallorquinischen Gastronomen zu treffen. Nur selten findet man sich auf der Insel Personen des öffentlichen Lebens gegenĂŒber, die nicht wie selbstverstĂ€ndlich der deutschen Sprache mĂ€chtig sind. Kein Vorwurf meinerseits. Als recht unbeholfen auf dem Gebiet der Fremdsprachen geltend - abgesehen vom Englischen - hege ich gröĂten Respekt fĂŒr jeden Menschen der sich der deutschen Sprache als Fremdsprache stellt. Da die Karte hingegen fleiĂig in 4 verschiedenen Sprachen ĂŒbersetzt und vorliegend war, verkomplizierte die Sprachbarriere den Bestellprozess nur unwesentlich. Gott schenkte uns in seiner TĂ€tigkeit als Produktgestalter HĂ€nde und FĂŒĂe, mit denen man sich im Zweifelsfall ĂŒberall auf der Welt verstĂ€ndlich zu machen vermag. Den Ausblick, sowie den Moment von Ruhe und Frieden wĂ€hrend unser MittagsmenĂŒ in der KĂŒche kredenzt wurde, nutzte ich erneut fĂŒr eine schnelle Handzeichnung. Zu Beginn der Reise, setzte ich mir das Ziel, an jeder Tagesetappe eine schnelle Handskizze anzufertigen. Die Kamera blieb also jenen Moment in ihrer Tasche, um Skizzenblock, Stift und AugenmaĂ Platz zu machen. Ein etwas anderer Blickwinkel, eine Abbildung dessen was fĂŒr mich in der Umgebung von Bedeutung war, um schlussendlich ein Bild zu behalten, dass wohl kein anderer Tourist mit seiner Kamera hĂ€tte einfangen können.
Nach der ĂŒppigen Speise vertraten wir uns noch kurz die Beine und machten uns wieder auf den RĂŒckweg zum Mietwagen.
Kaum im Fahrzeug angekommen und das Navi Richtung Palma justiert, vielen die Augen meiner Liebsten schon zu. Die Anreise und der volle Magen zollten ihren Tribut. Ich mĂŒsste lĂŒgen, wĂŒrde ich behaupten, dass ich mir in diesem Moment nicht auch eine HĂ€ngematte herbei sehnte. Die arg frĂŒhe Abfahrt um 2 Uhr Nachts in Magdeburg, um pĂŒnktlich um 6 Uhr mit dem Flieger vom Flughafen Berlin Tegel abzuheben, zeigte nun deutliche Spuren. WĂ€hrend Hang Nga die ersten schönen Dörfchen entlang der KĂŒste trĂ€umend hinter sich lieĂ, hielt mich die Faszination fĂŒr die Umgebung immer auf Trab. An ErmĂŒdung war meinerseits nun nicht mehr zu denken, passierten wir doch einen interessanten Ort nach dem nĂ€chsten. Einer Eingebung folgend verlieĂ ich die HauptstraĂe und versuchte mein GlĂŒck fĂŒr einen kleinen Zwischenstopp erneut Richtung Meer zu finden. So statteten wir einem kleinen, beim hindurchfahren wenig einladenden Ort namens âColĂłnia De Sant Jordiâ. Der HauptstraĂe des Ortes folgend entdeckte ich nicht viel Sehenswertes, scheinbar eine durchschnittliche mittelgroĂe Stadt ohne jegliche Bedeutung. Weit gefehlt!
Meine Intuition lieĂ mich nicht im Stich. Was ich auf wenigen Metern zu FuĂ, abweichend der StraĂe erkannte, offenbarte mir, dass es sich hier um weit mehr als um ein langweiliges Nest handelt. ColĂłnia de Sant Jordi ist ein ehemaliger Fischerort und gehört zur Gemeinde Ses Salines, die in der sĂŒdöstlichen Ecke Mallorcas zwischen SantanyĂ und Campos liegt und ihren Namen den Jahrtausend alten Salinen verdankt, die schon von den Römern genutzt wurden.Wie zur Zeit der Phönizier um 600 v. Chr. wird aus den rosafarbenen Lagunen der SalzgĂ€rten bis heute das weiĂe Gold gewonnen. Die Salinas de Llevant reichen bis weit ins Hinterland. Die schmalen, scheinbar nicht enden wollenden KanĂ€le bilden ein imposantes Panorama. Eingerahmt in salzresistente Pflanzen, den Halophyten, entstand eine einzigartige Landschaftsarchitektur, in der mehr als 150 Vogelarten leben. Ein Teil der Gemeinde Ses Salines wurde von der Balearenregierung zu Naturschutzgebiet von besonderem landschaftlichen Interesse erklĂ€rt.
Ich hoffe Sie mit diesen Informationen nicht all zu sehr zu langweilen, ich finde es jedoch immer sehr wichtig, sich auch ein wenig mit der Geschichte der Umgebung zu befassen. Ich verspreche mich diesbezĂŒglich weitestgehend zurĂŒckzuhalten.Â
Ankunft in Port DâAndratx
ZurĂŒck im PKW verbrachte meine Liebste die Zeit weiterhin tief schlafend. Man muss jedoch VerstĂ€ndnis zeigen, ist nunmal nicht jeder Mensch mit 3 Stunden Schlaf in der Nacht zuvor ausreichend energiegeladen. Ich verspĂŒrte noch keine ErmĂŒdungserscheinungen und setzte unsere besinnliche Ăberland-Tour fort. Die Uhrzeiger standen mittlerweile auf 16 Uhr. Es brannte mir nun doch so langsam auf den NĂ€geln, was uns an unserem Aufenthaltsort in Port DâAndratx, weit im SĂŒd-Westen der Insel, erwartete. So hielten wir Kurs auf unser Ziel, streiften dabei kurz die imposante Hauptstadt, in dem wir der HafenstraĂe entlang der Altstadt folgten, vorbei an âLa Seuâ - der Kathedrale Palmas - und zahlreichen Luxus-Yachten im Hafen. Dies sollte heute aber nur als Appetitanreger ausreichen, haben wir doch einen ganzen Tag fĂŒr den Besuch der Hauptstadt eingeplant. Der Autobahn folgend verĂ€nderte sich die Landschaft zusehends von einer recht flachen Ebene zu einer höher gelegenen Berglandschaft. Die ersten AuslĂ€ufer der âSerra de Tramuntanaâ, dem dominierenden Gebirgszug entlang der Nord-West-KĂŒste, lieĂen Hoffnung auf spannende Ausblicke aufkeimen. Unser Ziel - Port DâAndratx - lag tatsĂ€chlich inmitten dieser HĂŒgellandschaft und lieĂ auch die noch schlĂ€frige Hang Nga endlich erwachen. Vorfreude machte sich breit, angesichts einer offenbar sehr wohlhabenden Einwohnerschaft. Der Ort zeigt sich sehr gepflegt, dabei doch ĂŒbersichtlich und einladend. Port DâAndratx gilt als der schönste Yachthafen der Insel. Zahlreiche Segelschiffe und Motoryachten kann man hier bestaunen und manchmal auch den einen oder anderen Promi erspĂ€hen. Der Hafenort bietet eine Vielzahl an Restaurants und Bars, die sich wie Perlen auf einer Schnur entlang der SĂŒdseite der Bucht aneinanderreihen.
Da das Navi auf die Adresse unseres Hotels eingestellt war, wurden wir sicher und im Schritttempo durch die Flaniermeile des Ortes gelotst, um endlich die wilden StraĂen bergan Richtung Ziel zu erklimmen. Bereits bei der Buchung war mir klar, dass dieser Aufenthalt bereits ein kleines Abenteuer fĂŒr sich darstellt. Hoch oben ĂŒber der Bucht von Port DâAndratx thronend wartete ein einzigartiges Domizil. Unser kleiner Hyundai hatte arge Probleme die steilen StraĂen zu erklimmen, erst im 1. Gang vermag er es den letzten Anstieg zu ĂŒberwinden. Mit etwas Ăbung und mehr Schwung wurde diese Fahrt jedoch tĂ€glich einfacher. Was erwartete uns als nun? Bereits von Deutschland aus telefonierten Betreiber, Besitzer und Schöpfer des GelĂ€ndes, Dieter Liedtke und meine Wenigkeit angeregt ĂŒber unsere Wesen und dem anstehenden Aufenthalt. Das Anwesen setzt sich aus Hotel, Ferienwohnungen, Museum, Kunst-SeminarrĂ€umen und einem Restaurant zusammen.
An dem 70-jĂ€hrigen Essener scheiden sich die Geister. Fakt ist: Dieter Liedtke hat schon vor Jahren sein eigenes Museum geschaffen, mitten auf den schroffen Felsen auf der Halbinsel La Mola bei Port d'Andratx. Aus der Vogelperspektive erkennt man, dass es die Form eines Gehirns hat. Nun besuchen wir diese traumhafte Schöpfung des âErfinder-KĂŒnstlersâ und dĂŒrfen es fĂŒr 4 NĂ€chte unser Heim nennen. Da die Erfahrung dermaĂen ausgiebig und intensiv war, möchte ich zu diesem Thema einen einzelnen Artikel schreiben, den ich selbstverstĂ€ndlich auch hier veröffentlichen werde. Mehr dazu also im Beitrag âMehr Kreative, weniger Probleme - Museum Liedtkeâ.
Nach dem wir unsere Unterkunft fĂŒr die nĂ€chsten Tage inklusive Besitzer kennengelernt hatten, verschlug uns die Umtriebigkeit sowie aufkommender Hunger auf ein kleines Dinner, zurĂŒck in den Stadtkern. Ein Parkplatz war auch hier schnell gefunden, so dass wir nur wenige Schritte zur Hafenpromenade zu laufen hatten. Auf dem Weg fiel mir auf, dass sich in der Ortschaft auffĂ€llig viele GeschĂ€fte rund um das Thema Inneneinrichtung etabliert hatten. FĂŒr mich als Designer ein wahres Schlaraffenland der schönen Dinge. An einer der nĂ€chsten Kreuzungen sprang mir jedoch noch ein anderes, interessanteres GeschĂ€ft in die Augen. Klein aber fein, zeigt sich das JuweliergeschĂ€ft âPasiĂłnâ gleich zu Beginn der Restaurant- und Barmeile. Freunde und Familie wissen um meine TĂ€tigkeit als Produktdesigner fĂŒr die Magdeburger Schmuckmanufaktur âLe Marchantâ und können einen Besuch in jenem Laden auf der Insel nachvollziehen. Der Schmuck, insbesondere schwere, martialische Modelle der âBlack Baronâ Kollektion, findet lĂ€ngst nicht mehr allein in Deutschland seine Abnehmer. Nach einem erfreulichen Zusammentreffen auf Deutschlands gröĂter HĂ€ndlermesse fĂŒr Uhren und Schmuck, zĂ€hlt das kleine GeschĂ€ft im Hafen von Port DâAndratx bereits seit 2015 zu jenen HĂ€ndlern mit offizieller Verkaufslizenz fĂŒr Black Baron Produkte. Einen kleinen Besuch zur Stippvisite konnte ich mir einfach nicht verkneifen. Nach einigen Minuten interessanter FachgesprĂ€che verlieĂen wir das GeschĂ€ft wieder, beruhigt ĂŒber die schöne Platzierung der eigenen Silberkreationen und mit einigen guten Tipps zum Aufenthalt und der Kulinarik im Ort. Zielstrebig steuerten wir fuĂlĂ€ufig auf den empfohlenen Hot-Spot zu, an dem wir kĂŒhlende GetrĂ€nke und bekömmliche Tappas wĂŒrde zu uns nehmen können. Folgt man der HafenstraĂe entlang erster, zu dieser Saisonzeit noch etwas verweist wirkender Restaurants, ist es schier unmöglich den offensichtlich beliebtesten Platz der Altstadt zu verpassen. Mit einem Mal findet man sich in mitten quirliger aber friedlich romantisch wirkender Abendlokale wieder. Zentral wĂ€chst ein sehr schön illuminierter Olivenbaum empor, bietet den Menschen darunter viel Schatten um das Abendmahl aus einem der zahlreichen angrenzenden Lokalen zu genieĂen. Ein schönes Bild, wie man es sich kaum auszumalen vermag. Das âRomeoâ, welches uns zuvor empfohlen wurde, lag inmitten dieser Szene und bot uns trotz zahlreicher GĂ€ste einen perfekten Panoramablick ausgehend von der hauseigenen Dachterasse.
Schnell wurden Drinks und frische Tappas beim (wieder mal) urdeutschen Kellner bestellt, um in kuscheliger AtmosphĂ€re die letzten Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne zu genieĂen. Ich lieĂ es mir nicht nehmen, auch dies kurzerhand zeichnerisch festzuhalten. Ein wunderschöner Moment, den wir bis zu letzt auskosteten. Nach getaner âArbeitâ suchten wir noch schnell den kleinen Supermarkt ums Eck auf, um uns weitere Köstlichkeiten und eine gute Flasche spanischen Rotweins mit auf unser Zimmer zu nehmen. Kaum ein Glas auf der Hotelterasse die Kehle hinuntergegossen, ĂŒberkam uns die MĂŒdigkeit, sodass wir vollstens erledigt, aber auch zufrieden, wie Steine in die Koje und zugleich in einen tiefen Schlaf fielen. Tag 1 war damit gemeistert.
Ich hoffe ich konnte Ihnen eine kleine Freude bereiten. Gefallen Ihnen meine Texte, dann begleiten Sie meine Freundin und mich doch weiter bei unserem Urlaub auf Mallorca. Ein kleiner Ausblick:
- Tag 2: Perlen, Pollo, Politessen - Wettlauf durch Palma
- Tag 3: Von SĂłller nach Valldemossa - Unterwegs in den Serra de Tramuntana
- Tag 4: Markt im Norden - von Pollenca zurĂŒck ans Meer
- Sonderbericht: Dieter Liedtke - Genie oder Wahnsinniger?
A brand new song from Hey! Hello!

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Kevin Liedtke's part from Fully Flacid