29.9.2019
Zahlensuche in der Kirche
Ich bin in einem Gottesdienst meiner Heimatgemeinde. Weil ich etwas zu spät komme, finde ich nur noch einen Platz relativ weit hinten mit schlechter, weil von einer Säule teilweise verdeckter Sicht auf den Altar.
Das Liederbuch ist mir unbekannt, offensichtlich gab es Entwicklungen in der katholischen Liederbuchszene, der ich zugegebenermaßen auch nicht wirklich interessiert folge.
Beim ersten Lied blättern alle fleißig zum richtigen Lied, nur ich sehe nicht, was ich machen soll. Irgendwo müsste die Liednummer angeschlagen sein, nur weiß ich nicht wo. Vielleicht liegt es an meinem ungünstigen Platz, denke ich. Statt dessen lausche ich, was die anderen singen und mache mir zunutzen, dass die Lieder meistens so heißen wie die erste Zeile. Auf diese Weise finde ich mich die ersten zwei Lieder super zurecht. Ich muss natürlich erst warten, bis alle anfangen zu singen, aber es klappt überraschend gut.
Dann sehe ich es irgendwann doch. Die Nummern werden ganz hinten an die Wand projiziert, insgesamt etwas schwammig, so dass man nicht eindeutig sagen kann, ob es jetzt eine 8 oder eine 6 oder vielleicht doch eine 5 ist, aber es reicht, um das Lied zu finden. Später stelle ich fest, dass die Liednummer sogar zweimal projiziert wird, nämlich auch an eine Art Betonträger an der Decke (die Kirche wurde in den fünfziger Jahren gebaut). An dieser Stelle sind die Ziffern auch schön scharf, so dass man alles erkennen kann.
Ich hätte gerne ein Bild gemacht, da die Nummern aber natürlich nur während des laufenden Gottesdienstes eingeblendet werden und ich dann auch wieder nicht so weit hinten saß, dass es keiner mitbekommen hätte, lasse ich das Smartphone in der Jackentasche. Nur kurz vor Schluss hole ich es noch mal raus, weil ich eines der Lieder aus dem Liederbuch abfotografieren will, das kann ich aber relativ unauffällig sitzend machen.
(Anne Schüßler)



















