20. Dezember 2018 und FrĂŒhjahr 2019
Die Lampen leuchten zu hell, zu dunkel oder zu langsam, aber Neuerungen auf dem Leuchtmittelmarkt schaffen Abhilfe
Die Lampe ĂŒber dem Esstisch leuchtet auf eine Weise, die die Mutter nicht zufriedenstellt. Ich hole einige andere Birnen aus dem Ă€uĂerst reichhaltigen Sortiment im Keller, das sich im Laufe der Leuchtmittelmoden der letzten 50 Jahre angesammelt hat: klassische GlĂŒhbirnen, Quecksilber-Energiesparleuchten, Halogenbirnen. Aber wĂ€hrend des Birnenwechselns vergesse ich sofort, wie hell oder dunkel es eigentlich vorher war.
Ich installiere eine App namens âLux Light Meterâ und lege das Handy auf den Esstisch. Jetzt kann man bei jeder Birne in Zahlen sehen, wie hell es wirklich wird. So muss ich jede nur einmal ausprobieren und nicht mehrmals wechseln und dabei "oder war es doch vorher besser?" murmeln.
Screenshot zum Aufschreibezeitpunkt 2019 nachgestellt bei Tageslicht auf dem BĂŒroschreibtisch. Oben eine Anzeige fĂŒr Google. Vielleicht sollte ich mehr googeln, also nicht nur dreimal, sondern viermal pro Minute.
Eigentlich, sagt die Mutter, hĂ€tte sie am liebsten einen Dimmschalter. Denn manchmal ist es am Esstisch zu dunkel, aber manchmal, wenn Besuch da ist, auch wieder zu hell und ungemĂŒtlich.
Da ich erst vor wenigen Wochen bei Franziska Nyffenegger eine Treppenhausbeleuchtung mit in der Birne eingebautem Bewegungssensor gesehen habe, bin ich bereit, auch an die Existenz von Leuchtmitteln mit eingebautem Dimmer zu glauben. Und tatsÀchlich gibt es so etwas.
Am nĂ€chsten Tag lerne ich, dass man alles immer bei Amazon bestellen muss und nie die Mutter mit einem Zettel zum örtlichen ElektrokrĂ€mer schicken darf, weil man ihr dort einfach irgendwas erzĂ€hlen und ihr dann das Falsche mitgeben wird. Bei der ebenfalls zu ersetzenden, im Laufe der Jahre wirklich sehr dunkel gewordenen Quecksilber-Energiesparlampe aus der Deckenleuchte in der KĂŒche behaupten sie, so etwas gebe es gar nicht mehr und man mĂŒsse gleich eine neue Deckenleuchte kaufen. Und anstatt der von mir auf dem Zettel mit Firmenname und Typ genau benannten LED-Birne mit eingebautem Dimmer haben sie ihr etwas komplett anderes mitgegeben, eine Birne, die zwar dimmbar ist, aber nur in Lampen mit Dimmerschalter. Alles Verbrecher!
Das Problem mit der KĂŒchenlampe kann ich nicht lösen. Zwar gibt es entgegen den Angaben der Elektroladenverbrecher das Originalleuchtmittel noch in zahlreichen Varianten zu kaufen. Schöner wĂ€re es, stattdessen eine ohne Verzögerung leuchtende LED-Lampe zu haben, aber die tragen bei Amazon den Hinweis âKompatibilitĂ€t mit VorschaltgerĂ€t muss zwingend ĂŒberprĂŒft werden!" Wie man das ĂŒberprĂŒfen soll, auĂer durch Kaufen und Ausprobieren, steht leider nirgends. SpĂ€ter wird mein Bruder in meiner Abwesenheit das VorschaltgerĂ€t herausoperieren und eine LED-Lampe einbauen. Seitdem hat man in der KĂŒche sofort Licht und nicht erst nach ein paar Wartesekunden.
Als ich irgendwann im FrĂŒhjahr wieder zu Besuch komme, fĂŒhrt die Mutter beilĂ€ufig die von ihr in der Zwischenzeit selbstĂ€ndig im stationĂ€ren Handel erworbene Birne ĂŒber dem Esstisch vor: Man kann sie jetzt dunkler oder heller stellen, indem man den Lichtschalter zweimal schnell hintereinander betĂ€tigt. Danach merkt sich die Birne die eingestellte Helligkeit. Persönlich benutzt habe ich dieses neue Fortschrittsfeature zwar seitdem noch nie, und ob es die Mutter tut, wenn ich nicht da bin, weiĂ ich nicht. Aber wir sind beide sehr zufrieden, dass so etwas existiert.
(Kathrin Passig)












