21. Juli 2018
Pour Some Sugru On Me
Sugru ist eine knetgummiartige Silikonpaste, die innerhalb eines Tages an der Luft abbindet und danach eine gummiartige Konsistenz hat.
Zum ersten Mal komme ich mit diesem Material in Berührung, als ich im Rahmen der retune-Konferenz 2012 an einem Workshop teilnehme, der vom Marketing-Personal des Sugru-Startups gegeben wird. Davon inspiriert flicke ich damit mehrere Gegenstände, darunter ein Paar Schuhe, die Öse eines Fahrradschlüssels, die geborstenen Ecken der Plastikschubladen unseres Kühlschranks und den gebrochenen Steg meiner Reservebrille, den ich zuvor erfolglos zu kleben versucht hatte.
Die drei ersteren Reparaturen erweisen sich im Alltag als nicht als allzu haltbar – Sugru ist mechanischen und thermischen Wechselbelastungen offenbar nur bedingt gewachsen. Auch hält es nicht auf allen Untergründen gut – oder ich habe die Kontaktflächen nicht sorgfältig genug gereinigt. Die Reservebrille wird in all den Jahren nicht benötigt, daher überrascht es wenig, dass die Sugru-Verbindung dort keinen Schaden genommen hat.
Da auch originalverpacktes Sugru nur einige Wochen haltbar ist, entsorge ich bald die Reste und mehrere Jahre lang ist Sugru nur Stoff für Anekdoten. Jetzt aber habe ich mehrere Kabel, deren Gummiisolierung am Übergang zum Stecker bzw. Gerätegehäuse gebrochen ist, was als der klassische Anwendungsfall für den Werkstoff gilt.
Ich habe bereits auf Amazon nach kleinen Gebinden gesucht, als Thomas Wiegold erwähnt, er habe gerade einen Schalter seiner Kamera mit Sugru gepimpt und könne nun eine angebrochene Packung abgeben. Ich fahre bei ihm vorbei und wir müssen leider feststellen, dass das angebrochene graue Paket bereits ausgehärtet ist. Thomas schenkt mir großzügigerweise zwei seiner verbleibenden drei Päckchen, ein schwarzes und ein weißes. Ich erfahre zudem, dass das Berliner Bastlerparadies Modulor, in dessen Räumen damals der Workshop stattfand, weiterhin Sugru führt.
Gewarnt ob der kurzen Haltbarkeit nach dem Öffnen, mache ich mich zuhause erst einmal auf die Suche nach zu flickenden Gegenständen. Dabei fällt mein Blick auf meinen Autoschlüssel. (Über Bastelabenteuer mit dem kartenförmigen Schlüssel des vormaligen Fahrzeugs wurde bereits berichtet.)
Auch der aktuelle Autoschlüssel enthält einen kleinen batteriebetriebenen Sender und drei Druckknöpfe zum Ver- und Entriegeln der Türen und der Heckklappe. Die Gummiabdeckung dieser Knöpfe ist in beklagenswertem Zustand und ich habe den Schlüssel bereits mit Duct Tape umwickelt, um weiterem Fortschreiten des Verfalls entgegenzuwirken. Das aufreibende Dasein am Schlüsselbund in meiner Hosentasche lässt aber auch das Klebeband hässlich altern und ich muss es in regelmäßigen Abständen erneuern.
Nach dem Ummanteln zweier schwarzer Kabelansätze forme ich also einen Großteil des schwarzen Sugrus zu einem flachen Flicken von knapp 1 mm Dicke, den ich auf die Seite des Schlüssels mit den beschädigten Knöpfen lege. Zuvor habe ich den Schlüssel gründlich mit Brennspiritus gereinigt, um vor allem sämtliche Kleberreste zu entfernen. Ich drücke, kratze und schiebe solange an dem Sugru-Flicken herum, bis er sauber und bündig auf der Oberfläche des Schlüssels aufliegt.
Eine schlauchförmige Schicht um den ganzen Schlüssel wäre sicher noch haltbarer gewesen – ich hätte sie aber zerschneiden müssen, um die Knopfzelle des Senders zu wechseln. Und das eine Päckchen hätte dann auch nicht für Kabel und Schlüssel gereicht. Außerdem kann ich das noch nachrüsten, denn angeblich verbindet sich eine frische Portion Sugru nahtlos mit einer bereits ausgehärteten.
Für ein perfektes Finish drücke ich nach ein paar Stunden mit einer Kugelschreiberhülle noch Ringe um die Knöpfe in die abbindende Masse. Tags darauf bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Knöpfe sind weiterhin gut zu ertasten und zu drücken und auch der Sender funktioniert noch. Diese Zufriedenheit hält auch drei Wochen später noch an. Das Sugru hat sich offenbar sehr gut mit der rauen Plastikoberfläche des Schlüssels verbunden und zeigt bislang keine Tendenz, sich an den Rändern abzulösen.
(Virtualista)

















