Ja, wieso eigentlich nicht?
Nachdem Ehen nun wieder länger halten als noch vor 20 Jahren, ist es sicherlich einen Versuch wert. Ein Jahr harte Arbeit für das schönste Fest, das man jemals gefeiert hat. Noch mehr Arbeit in der Zeit nach diesem Fest, wenn sich angeblich nichts verändert, alles beim Alten bleibt, höchstens schöner wird. Worüber kaum jemand spricht: Dieser leise Anflug eines Stimmungstiefs, auch genannt der “Post Bridal Depression”. Was überhaupt nur eine von zehn Bräuten trifft, hat mich völlig umgehauen.
Offenbar ist es - in diesem Fall - normal, dass man sich während der Planungsphase der Hochzeit ein wenig von einander entfremdet. Sie hat Pläne und wilde Bastelaktionen, er ist froh, wenn alles glatt über die Bühne geht. Sicherlich wird in dieser Zeit auch gestritten, doch der Stress der Vorbereitungen ist ein guter Vorwand für diese Auseinandersetzungen. Schlimm wird es erst, wenn die Verstimmungen über die Planung hinaus andauern - und über die Hochzeit hinaus. Wenn nervige Fragen neu gestellt werden; wenn einzelne Bedürfnisse ebenso abgetan werden wie zu Zeiten von Ausreden wie “die Hochzeit ist teuer genug, lass uns das verschieben”.
Der Prinz hat sein weißes Pferd wieder in den Stall gestellt
Sicherlich spielt in die Krise auch mit rein, dass das Prinzessinendasein jäh ein Ende findet. Das Verhätscheln und Bespaßen der vergangenen Wochen und Monate endet abrupt, die Aufmerksamkeit rund um die frisch gebackene Ehefrau ebenso. Wenn kümmert es jetzt noch, was die gerne würde, hätte, könnte, wollte? Niemanden - außer vielleicht den Ehemann, der sich jedoch von der Überaufmerksamkeit für seine Frau erst mal erholen muss.
Was hilft? Nicht andere für das eigene Glück verantwortlich machen, sondern jede sich selbst. Sich selbst treu bleiben, sich selbst Aufmerksamkeit schenken - mit Sport, Wellness, Mädelsabenden oder sogar gemeinsamen Ausflügen mit dem Liebsten. Auch er sollte nicht vergessen, dass ein Sturz von Händen, die einen tragen, auf den harten Boden der Realität, schmerzhaft ist und daher sanft ausfallen sollte. Wer sich gemeinsame Projekte sucht, wie etwa das Umgestalten der Wohnung oder die Flitterwochen, dürfte sich mit dieser Beschäftigung nicht nur ablenken, sondern auch gemeinsam bereichern. Denn was ist schöner, als nach dem “Ja” zum Partner eben diese so intensive Bindung zu erspüren und als Mehrwert für die Beziehung zu nutzen?