2005 bis 2018 and counting
Rein und raus
Da wir keine Lust haben, unserer Katze zu jeder Tages- und Nachtzeit andauernd die Türe nach draußen zu öffnen, soll sie eine Katzenklappe bekommen.
Wir besorgen uns ein einfaches Modell. Das Weltwissen der 50jährigen besagt, dass man nun den Glaser holt, der einen passenden Ausschnitt in die Terrassentür schneidet. Da haben wir aber die Rechnung ohne das 21. Jahrhundert gemacht, in heutige Isolierfenster kann man natürlich keine Löcher mehr schneiden. Eventuell, meint der Glaser, könnte man in der Fensterfabrik eine Scheibe mit fertigem Lochausschnitt bestellen, aber als er anfängt, Preise abzuschätzen und zusammenzurechnen, winken wir rasch ab. Es endet damit, dass ich mit dem Bohrhammer ein passendes Loch in die Hausmauer haue, das ist zwar einerseits anstrengend, aber andererseits auch so ein archaisches Männlichkeitsdingens und macht insoweit sogar Spaß. Ans äußere Ende des entstehenden Tunnels montiere ich die Katzenklappe.
Bald zeigt sich das nächste Problem: nicht nur unsere Katze lernt den Umgang mit der Klappe rasch, sondern auch sonstiges Getier, so dass bisweilen nachts in unserem Treppenhaus lautstarke Kämpfe stattfinden – hinterher findet man Haarbüschel und blutige Fellfetzen auf der Treppe. Ich lasse mich in der Tierhandlung beraten und erwerbe eine Edelkatzenklappe, die den Zugang nur für Individuen freigibt, die einen passenden Magneten um den Hals tragen. Das funktioniert an sich nicht schlecht, allerdings gehen die entsprechenden Magnete leicht verloren und sind hübsch teuer. (Kann man denn nicht billigere markenfremde Magnete benutzen? Kann man schon, jedoch erweist sich, dass beileibe nicht jeder Magnet funktioniert, und Experimente sind für alle Beteiligten extrem stressig, da unsere Katze das Gefummel an ihrem Hals überhaupt nicht leiden kann, wenn man neue Halsbänder und/oder Magnete an ihr befestigt).
In der Zeitung lese ich über ein Katzenklappenprojekt, das berechtigte Katzen per Kamera an ihrem Gesicht erkennen soll. Das hat den zusätzlichen, riesigen Vorteil, dass dabei auch die eigene Katze abgewiesen wird, falls ihr ein totes oder lebendiges Beutetier aus dem Gesicht hängt. Denn unsere Katze bringt recht häufig mehr oder weniger vollständige tote oder (schlimmer) lebendige Mäuse ins Haus. Ich halte die Augen offen, in der Hoffnung, dass ein solches System auf den Markt kommt, aber offenkundig ist die Sache doch nicht so einfach; ich finde immer wieder Berichte und Ankündigungen darüber, aber nie eine Bestellmöglichkeit für das fertige Produkt.
Im Jahr 2016 haben wir dann die Faxen dicke. Wir lassen die Katze chippen und erwerben eine Katzenklappe, die per RFID den Chip unserer Katze erkennt. Das funktioniert sehr gut. Dieses System erkennt natürlich keine mitgeführten Mäuse, aber Mitzi ist inzwischen eine gesetzte Dame, die nur noch selten welche erwischt.
(Tilman Otter)














