9. Juni 2017
Vom Analogrieseln zum Digitalrieseln in nur zwei Elektromarktbesuchen
Im Schlafzimmer habe ich seit Jahren einen Zweitfernseher. Dessen Bild ist gedimmt und der Apparat dient eigentlich nur der Berieselung mit langweiligen, einschläfernd gesprochenen Dokumentationen, falls Grübelei in der Nacht droht. Angeschlossen ist das Gerät, zusammen mit einer schlafhygienisch korrekten roten Lampe, an eine Zeitschaltuhr, so dass nach einer Stunde Rieselei automatisch Stille und Dunkelheit einkehren. Der Fernseher ist alt und analog. Er bewältigt nur wenige der im Kabel steckenden Sender. Mir ist das egal, denn es geht ja nur ums Rieseln. Der Kabelgesellschaft ist es aber nicht egal. Sie will Qualitätsfernsehen überall, egal, ob es gebraucht wird. Deshalb stellt sie Anfang Juni 2017 das analoge Signal ein. An Stelle der langweiligen Dokus rieselt nun ein noch langweiligeres Standbild auf den Bildschirm, und erzählen tut auch keiner was. Das Standbild sagt, dass das Signal abgeschaltet wurde.
Ich überlege kurz, mir einen neuen, modernen Fernseher anzuschaffen, verwerfe das aber, es geht ja nur ums Rieseln. Also muss ein Rieselreceiver her. Ahnungslos stolpere ich am Tag nach der Abschaltung des analogen Signals - natürlich keinen Tag vorher - in einen Elektromarkt und bevor ich noch jemanden anspreche wird mir angesichts der vielen verzweifelten Rentnerpaare klar: hier bekomme ich heute keinen Receiver. Ein Verkäufer sagt genervt, vermutlich zum achthundertsten Mal an diesem Tag, zu einer alten Dame, dass “frühestens übermorgen!” wieder neue Receiver erwartet werden. Naja. Riesel ich halt per Internet, denk ich, und fahre nach Hause.
Am Abend merke ich, dass das Internetrieseln nicht so gut funktioniert wie das Fernsehrieseln: Der Sound des kleinen Laptops ist zu blechern. Den größeren Rechner ins Schlafzimmer rüberzuschleppen ist mir aber zu mühsellig, also wird blechern gerieselt, es wird schon gehen. Bis Donnerstag versuche ich, mich daran zu gewöhnen, aber es ist einfach nicht dasselbe. Also fahre ich Freitag in einen anderen Elektromarkt und versuche mein Glück erneut. Dieses Mal komme ich genau rechtzeitig zur Lieferung der frischen Digitalreceiver. Ich nehme für etwas über 40 Euro einen mit - das ist zwar teurer als online, aber naja - und hoffe das Beste. Das Beste geschieht dann auch, und noch besseres. Denn nicht nur ist der Receiver ruckzuck installiert, er liefert auch noch Programme, von denen ich zuvor gar nichts wusste und verbessert sogar das Bild des ollen Fernsehers signifikant (was egal ist, weil das Bild sowieso gedimmt wird, aber hey! Man könnte!) Ab heute wird also in neuer Qualität gerieselt. Ich freu mich. Gute Nacht.
(Mia Culpa)













