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Südafrika 2019 - Teil 18
21. Dezember 2019
For my english speaking readers: Today: the stone in the front windshield
Herrschaften und Oukies!
Heute haben beim Frühstück fassungslos dem rangieren auf der Strandstreet, vor unserem Haus, zugesehen.
Fantastillionen an Menschen pilgerten an unserem Haus vorbei. Die Autos wurden hemmungslos zugeparkt. Es ging nix vor und nix zurück. Was war da denn los?
Kersmark war da los! Der örtliche Weihnachtsmarkt, bestehend aus maximal 10 Ständen. Aber offenbar ist es DAS Ereignis in Jongensfontein.
Zum Glück mussten wir das Zimmer erst bis bis um 11 Uhr verlassen, da war die größte Rangiererei bereits vorbei und viele Menschen schon wieder auf dem Rückzug.
Um nicht auch noch durch den Trubel von Stilbaai zu müssen, fuhren wir an der Küste entlang, über Schotterpisten, in Richtung Westen.
Heute war irgendwie nicht unser Tag. Kaum auf der Gravelroad gerieten wir in eine Radsportveranstaltung. Es kamen uns nicht nur zig Radfahrer entgegen, sondern auch etliche Service Wagen. In einer Kurve hätten wir dann auch beinahe noch einen der Radsportler auf dem Kühler gehabt, da der Blödmann auf der falschen Straßenseite fuhr.
Zum Glück bog die Veranstaltung kurze Zeit später rechts ab und es gab nur noch die üblichen Verdächtigen auf der Straße.
Was haben wir auf der Strecke viele der Blue Cranes (Paradieskraniche) gesehen. Unglaublich! Micha meinte nur: "...und Du erzählst mir immer, wie selten die sind. Das stimmt überhaupt nicht!"
Und plötzlich sahen wir von weitem Geier am Himmel kreisen. Als wir näher kamen hockte eine ganze Mannschaft am Boden - wir konnten aber nicht ausmachen, was die da so interessant fanden.
Unser Zwischenziel des heutigen Tages war die Fähre von Malgas. Die verschlafene kleine Siedlung am Fluss wurde 1819 durch den englischen Kaufmann Joseph Barry gegründet.
Die Overberg Region litt damals unter einer schweren Dürre und Kaufmann Barry gelang es, mit seinem Kutter "Duke of Gloucester" Reis und Mais von Kapstadt aus in die Breede River Mündung zu transportieren, von wo aus die Waren mit Ochsenwagen in die damals schwer zugängliche Overberg Region befördert wurden.
Malgas ist heute ein reiner Urlaubsort. An der Südseite des Flusses reiht sich ein idyllisches Ferienhaus an das nächste, alle mit eigenem Bootssteg und Motorboot.
Ich hatte bei der Planung entdeckt, dass es in diesem Teil des Western Cape noch eine Besonderheit gibt: eine mit Menschenkraft bewegte Fähre. Die Letzte ihrer Art in Südafrika (angeblich sogar weltweit, aber das würd ich jetzt nicht unterschreiben wollen) und das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Die Strecke war gut in Schuss, es war wenig Verkehr und wir genossen unsere Tour durchs Land zur verschlafenen kleinen Siedlung Malgas am Breede River.
5 Kilometer vor Malgas passierte es dann! Ein Südafrikaner kam uns in einem Affenzahn (ist üblich bei Südafrikanern) entgegen, er wirbelte einen Stein auf und der flog zielsicher in unsere Windschutzscheibe! Bamm!
Erstmal stehen bleiben und sammeln und Schaden begutachten. Zum Glück ziert das "Spinnennetz" nur die Beifahrerseite, dennoch ziehen sich Risse überall hin. So ein Dreck!
Was jetzt? Erstmal den Mietvertag studieren und versuchen die Leihwagenfirma zu informieren. Bis ich bei der schlechten Verbindung dem Typen die Sachlage erklärt hatte, das dauerte....
Autokennzeichen durchgeben, Mietvertragsnummer durchgeben, erklären wo man ist, kennt er gar nicht, was ist in der Nähe, wo fahren wir als nächstes hin usw. usw.
Jetzt will man uns am Montag jemanden zur Begutachtung nach Gordons Bay, unserer nächsten Station, hinschicken. Ich bin gespannt, ob das klappt! Um die Sache nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, habe ich heute Nachmittag gleich mal etliche Emails mit Foto zu jeder Email-Adresse von Thriftys geschickt, die ich finden konnte. Wir sind gespannt, was das kosten wird.
Zwischenzeitlich waren wir endlich in Malgas an der Fähre angekommen. Die Ponton-Fähre in Malgas verkehrt nach Bedarf - und ausgerechnet heute war natürlich großer Bedarf. Vor uns standen schon 7 Autos - wir waren das achte.
Die Fähre ist auf gut 100 Kilometern des Breede Rivers die einzige Möglichkeit den Fluss zu überqueren. Je nach Verkehrsaufkommen ziehen ein bis drei Mann den Ponton mit maximal 4 Autos (je nach Größe) von Hand über den Fluss.
Die Überquerung dauert nicht mehr als 10 Minuten und ist ziemlich spannend. Die Männer haben eine Art Geschirr umgeschnallt und legen sich damit ins Zeug.
Interessant war auch die "Sicherung" der Fahrzeuge an Bord: eine Holzplanke unter jeden Reifen und fertig. Bei der Auffahrt und Abfahrt muss man ein kleines Stück durchs Wasser, um auf die Fähre zu kommen.
Auf der anderen Seite steht bereits seit geraumer Zeit das Nachfolgemodell der Fähre. Wann die jedoch den Betrieb aufnehmen wird, steht allerdings in den Sternen. Eins steht fest: in diesem Jahrzehnt auf keinen Fall mehr!
Keine 3 Kilometer von der Fähre entfernt folgt gleich das nächste Kuriosum: die "Breede River Trading Post". Ein Tante Emma Laden mitten im nirgendwo, eröffnet 2006.
Seit November 2018 gibt es daneben auch noch eine Kneipe. Wobei ich Kneipe jetzt übertrieben finde. Es ist eine zugige Bretterbude, die nicht einmal einen Fußboden hat, sondern Sand. In dem Sand spielen die Kinder, scharren die Hühner nach Essensresten der Gäste und schläft der Hund in Ponygröße.
Und weil es eben keine feste Behausung ist, sondern mehr so Outdoor, darf darin auch gequalmt werden (inklusive dem Chef). Das Klo ist draußen und ebenfalls eine Bretterbude.
Die Burger sollen angeblich so toll sein, dass sich die Prominenz aus Kapstadt und sonst woher extra mit dem Hubschrauber einfliegen lässt. Also, ich würde dafür noch nicht einmal eine Donkeykarre mieten. So spitze fanden wir die Burger nämlich nicht.
Anschließend ging es für uns über Bredasdorp und Struisbaai nach Agulhas, dem südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents.
Heute Abend haben wir schnell noch eine Runde zum Leuchtturm gedreht (etwa 1000 Meter unserer Unterkunft entfernt) und sind noch kurz in den Nationalpark rein.
Zum Abendessen waren wir in einem Laden namens "Zuidste Kaap" und "3 Oceans Pub". Merke: wenn ein Laden nicht bis 3 zählen kann und bei nur 2 vorhandenen Ozeanen vor der Haustür, von insgesamt 3 faselt, sollte man die Finger davon lassen!
Es grüßen
Angie, Micha und der Hasenbär
Südafrika 2019 - Teil 17
20. Dezember 2019
Herrschaften und Oukies!
Was haben wir heute gemacht? Den Südafrikanern beim Urlaub machen zugeguckt!
Nach dem Frühstück montierten wir die Go-Pro ans Auto und drehten ein paar Runden durch die Gemeinde.
Sobald die Saison hier beginnt, verwandelt sich das verträumte Fischerörtchen in einen gut erschlossenen Ferienort, welcher alles bietet, was sich der Südafrikaner von einem gelungenen Urlaub wünscht.
Zahlreiche Wassersportmöglichkeiten, sowie Angelsport und Radfahren sorgen für ausreichend Abwechslung und lassen keine Langeweile aufkommen. Es wird gesportelt was das Zeug hält.
Das Klima in Still Bay ist mild, wobei vom her Meer immer eine frische Brise weht. Die Sommer im Durchschnitt mit 20 bis 28 Grad sind sehr angenehm. Das mag es auch an anderen Stellen geben, doch hier gibt es einen unschlagbaren Vorteil: 99,99 % der Einwohner sind Pigment benachteiligt.
Es gibt keine Schwarzen und schon gar keine Townships - weit und breit. Die Bediensteten sind maximal coloured - und die wohnen hauptsächlich im etwa 17 Kilometer entfernten Melkhoutfontein. Und auch dieser Ort ist aufgeräumt und pittoresk.
So gibt es hier, bei den sonst so sicherheitsfanatischen Südafrikanern, keine meterhohen Zäune, keinen Stacheldraht, keine 10 Wachhunde - kein nix!
Was für ein Unterschied zu Knysna, wo die dicken Villen auf Thesen-Island mit eigenem Bootsanleger stehen, und am Hang dahinter das ausufernde Township auszumachen ist.
Ganz im Gegenteil: hier zeigt man was man hat! Man trägt Schmuck und teure Handtaschen, man lässt das Auto offen herum stehen und man zahlt im Spar-Markt an der Kasse mit der schwarzen Kreditkarte.
Vor den Häusern stehen 6-Zylinder, Oldtimer, Strandbuggies und noch andere PS-starke Spielzeuge. Damit fährt man dann zum Strand und am Strand hin und her.
Die Kinder sitzen vorne auf der Motorhaube, oben auf dem Dach, hinten auf dem Pick-up oder im geöffnete Kofferraum. Jedenfalls ist die Beförderung nicht dem Gesetz entsprechend - da bin ich mir sicher!
An der Tankstelle, an der wir heute ebenfalls aufgetankt hatten, haben wir uns extra noch ein Eis gekauft und beobachteten das interessante Treiben dort. Es wurden Schlauchboote, Schwimminseln und anderes Zeugs zum Aufpumpen angeschleppt. Nur der Abtransport bei dem einen oder anderen bereitete anschließend Probleme.
Wir fuhren die Küste ab und bewunderten die tollen Villen, die oftmals reetgedeckt an den Hängen und in den Dünen stehen. Es wird gebaut auf Teufel komm raus - und natürlich extravagant gebaut.
Es kommt uns vor, wie auf Sylt - nur die Edelboutiquen fehlen. Hier geht man auf den Kunstmarkt oder in die Art-Galerie und statt Nobel-Italiener oder Sterne-Gastronomie wird natürlich gebraait.
Dennoch tut sich im Gastronomie Angebot einiges. Hervorzuheben sind ganz klar Dave´s Kitchen und Ghians. Bei ersterem ist keine Alkohollizenz vorhanden und man bringt sich seinen "Stoff" mit.
First Language ist natürlich Afrikaans hier. Englisch muss man immer erst anfragen.
Jetzt müssen wir schon wieder die Koffer packen, denn morgen geht es an den südlichsten Punkt auf dem afrikanischen Kontinent.
Es grüßen
Angie, Micha und der Hasenbär
#nietekakniehoor #vaca #beachhouse #mymiiii #VZhouse #jongensfontein #stilbaai (at Jongensfontein naby Stilbaai)