Jan Christiaensz Micker Landscape with the Martyrdom of St. Lawrence
mid 17th century
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Jan Christiaensz Micker Landscape with the Martyrdom of St. Lawrence
mid 17th century

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Jan Micker
1.
Jan Micker malt die Stadt, die schon dann ein Plan oder eine Karte ist, bevor sie gezeichnet oder gemalt wird, nicht erst dann, wenn sie auf Papier oder Tuch oder Wand oder Tafel erscheint. Das Bild zeigt Amsterdam, es entsteht 1652, seien wir unter Vorbehalt großzügig: 'vorher sah Amsterdam auch so aus'. Zumindest hätte man es vor der Entstehung dieses Bildes auch so schildern können, weil sowohl im Medium der Stadt diese Stadt schon vorlag, weil im Medium von Stadtansicht und Bild seit Jacobo de Barberis Ansicht der Stadt Venedig so ein Bild im Prinzip bekannt ist und weil schließlich der Inhalt eines Mediums miedienwissenschaftlich betrachtet immer ein anderes Medium ist.
Schon die Stadt selbst ist ein Plan, sie ist auch eine Institution, die instituiert.Sie lehrt oder sie lässt erfahren. Die Stadt lässt Zeit mehr oder weniger anspruchsvoll durchhalten, sie lässt (er-)warten. Sie ist eingerichtet und ausgerichtet, sie richtet ein und aus. Städte haben Protokolle, mehr noch: man kann sie selbst ein Protokoll nennen. Angel Rama spricht von der Stadt als einer lettered city, aber man kann die Stadt auch selbst als Letter bezeichnen. Die Stadt teilt ihre Orientierung mit und so hat man den Orientierungsinn schon, wenn man nur mit beiden Füßen, sogar nur mit einem Fuß in der Stadt steht. Man braucht keinen weiteren Plan, um zu wissen, wie man in der Stadt von A nach B kommt, weil die Stadt selbst schon so ein Plan und damit auch ein Protokoll ist, ab dem Augenblick, indem man die Stadt kennt und die Stadt wahrnehmen kann.
2.
Wo eine Stadt ist, da ist Raum in Ort übersetzt, da ist der Raum adressiert und da adressiert der Raum, da wird der Raum auch eng und die Wege rufen nach Beleuchtung. Wo eine Stadt ist, da ist und wird gesendet. Wo eine Stadt ist, ist Zeit in Geschichte übersetzt, da ist die Zeit bemessen, oft sogar dringlich und knapp.
Städte haben Stil und Atmosphäre, jede eine(n) anderen. Das haben sie, obwohl beides in der Stadt sich abwechselt, fußläufig wird beides schon anders, auch wenn es regnet und man nicht gerne viele Schritte geht. Dass sie Stil und Atmosphäre haben ist ein Ausläufer der Tatsache, dass Städte Plan und Protokoll sind. Man bemerkt Stil spätestens dann, wenn man mimetisch bedrängt wird, wenn Plan und Prokoll ihre Muster zum Mitmachen anbieten. Auch früher, wenn man nur mimetisch angeregt wird und die Stadt einen beflügelt, indem sie einen mitmachen wollen macht, dann bemerkt man Stil.
O som ao redor: als Klang, Geräusche oder Resonanzwellen der Nachbarschaft begreift Kleber Mendonça Filho ( der die Fragestellungen von Leuten wie Micker und de Barbari zeitgenössisch umsetzt, mit Mitteln des Kinos beantwortet und damit ein herausragender Praktiker der Übersetzung von Raum und Ort und Zeit in Geschichte geworden ist), die Stadt und was an ihr Plan und Protokoll ist. So eine Stadt kann man schon im Singular Stätte nennen. Sein Kino geht von der Stadt aus, davon, dass es sie effektiv gibt. Selbst wenn er auf's Land geht um einen Film zum Sertão zu drehen, nimmt er die Gegend als eine Stätte, an dem Raum zu Ort und Zeit zu Geschichte wird - da ist ist dann das, was auch Städte ausmachen. Sie bilden Referenzen aus. Sertão würde bei ihm dann Bacurau, klein aber oho.
2.
Jan Micker malt die Stadt aus der Vogelperspektive, wie man das aus der berühmten Graphik Jacobo de Barbaris von der Stadt Venedig kennt (diese Graphik entsteht um 1500). Micker malt aber die Schatten der Wolken mit. Den Plan, der eine Stadt ist, den begreift Micker auch als meteorologisches Phänomen. Einen Plan, der die Stadt ist, den kann man auch, wie das Protokoll, als Tracht und als Trachten der Stadt verstehen. Gründliche Linien ziehen. Micker malt hier keine Metaphysik der Sitten, er malt verschiedene physische Verhältnisse, malt eine Geographie, zeichnet Geometrie ein, liefert so noch eine Beitrag zur Meteorologie der Sitten. Weil der Begriff der Sitte eng mit der Vorstellung von Üblichkeit,Gewöhnung, Einbürgerung und Beständigkeit assoziiert wird, spricht man vielleicht besser, zumindest verfremdender und damit überraschender, aufmerksamer bis nervöser von einer Meteorologie der Trachten und des Trachtens.
Jan Micker [1599 - 1664] Bird's Eye View of Amsterdam (ca. 1652) Oil on canvas, 137 x 100 cm Amsterdam Historisch Museum
“The Tower of Babel,” Jan Micker, circa 1650 Oil on canvas.

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Jan Micker, Der Turm zu Babel (The Tower of Babel), c. 1650.
Jan Christiaenz Micker, The Tower of Babel, 17th century