Phishing-Analyse: Ich hab (schon wieder) gewonnen
Ihr kennt wahrscheinlich alle diese absolut nervigen Seiten mit “Glückwunsch, Sie haben ein iPhone gewonnen”. Heute sehen wir uns mal an, was eigentlich dahintersteckt, denn leider kriege ich unglaublich wenige Phishing-Mails, die ich analysieren könnte. Einige Zeit lang haben mir russische Frauen geschrieben, wie sehr sie mich lieben, aber selbst das hat jetzt aufgehört. Glücklicherweise habe ich heute angeblich die milliardenste Suche getätigt und darf mir jetzt einen Preis aussuchen.
HTML
Wer auch immer diese Seite erstellt hat, hatte keine Ahnung von HTML-Standards. Wenn man den Code in den HTML-Validator reinkopiert, kriegt man unglaublich viele Fehler angezeigt. Ja, die Seite funktioniert, aber sie entspricht nicht den Standards und viele verwendete Elemente sind veraltet. Tja, das passiert wenn man ein Mal einen “Wie erstelle ich eine Phishing-Seite?” Kurs an der russischen Volkshochschule für Cyberkriminelle macht und sich danach nie wieder damit beschäftigt.
Die jährliche Besucherumfrage
Okay, zurück zur eigentlichen Seite. Jetzt habe ich gar nicht mehr die Milliardenste Suche getätigt, sondern soll die jährliche Firefox-Besucherumfrage ausfüllen. Auf jeden Fall habe ich schon wieder was gewonnen.
Vielleicht hätten sie ihren Code davor checken sollen.
Auf jeden Fall gibt es dieses Mal eine Amazon-Geschenkkarte zu gewinnen - zuvor wird man jedoch noch auf eine andere Website weitergeleitet, sonst wäre das ja zu einfach.
Und das war’s auch schon. Es passiert nichts, weil Firefox standardmäßig den Frame blockiert. Ach Mensch, alles muss man selber machen. Na schön, wenn der Redirect nicht funktioniert, geh ich halt selbst auf diese Seite.
Es passiert immer noch nichts. Die Seite macht nichts anderes, als endlos auf sich selbst weiterzuleiten, weil die Domain bei einem Domainparkingdienst geparkt wurde und momentan inaktiv ist. Wenn man auf die Links dort klickt, wird man einfach nur gefragt, ob man Benachrichtigungen empfangen möchte. Klickt man auf “nein” passiert nichts. Klickt man auf “ja” würde man wahrscheinlich ständig Werbung kriegen, die man aber einfach wieder abbestellen kann, wenn man einfach die Benachrichtigungen blockiert. Adware war auch mal hartnäckiger.
Die Milliardenste Suche
Okay, laden wir die ursprüngliche Seite mal neu. Jetzt haben ich wieder die milliardenste Suche getätigt. Mann, hab ich ein Glück! Ich habe schon wieder eine Amazon-Geschenkkarte gewonnen. Auf zum Preisübergabe-Formular - das auf die gleiche Seite wie vorhin weiterleitet, die nicht funktioniert. Ach, ich liebe es.
Fassen wir also zusammen: Bei dieser Phishing-Seite gibt es keinen Preis zu gewinnen - weder für uns noch für die Phisher. Wir kriegen keinen Preis, weil das ne Phishing-Seite ist und die Phisher kriegen keinen Preis, weil sie unsere Daten nicht abgreifen können. Außer vielleicht meine IP-Adresse, mit der sie aber nicht sonderlich viel anfangen können.









