Christina Schori Liang arbeitet seit 20 Jahren in der Sicherheitspolitik, gegenwĂ€rtig beim Zentrum fĂŒr Sicherheitspolitik (GCSP) in Genf. Sie hat soeben eine Studie zur IS-Cyberstrategie publiziert.
Im Interview mit der Zeitschrift âBeobachterâ beschreibt sie die Cyberstrategie des Islamischen Staats (IS) und die nötigen Gegenstrategien.
Christina Schori Liang sagt, dass die KĂ€mpfer des IS mit sozialen Medien gross geworden sind und genau wissen, wie sie Twitter, Facebook oder Instagram zu ihren Gunsten einsetzen können. Zudem könne der IS auf ein noch nie dagewesenes globales Netzwerk von UnterstĂŒtzern setzen, die Informationen im Internet weiter verbreiten. Damit locken sie immer mehr junge Leute nach Syrien und in den Irak - KĂ€mpfer, Ărzte oder Ingenieure sowie Ehefrauen fĂŒr die IS-MĂ€nner.
Die Regierungen scheinen nicht zu wissen, wie sie mit diesem PhÀnomen umgehen sollen. Einige Staaten versuchen es mit Zensur
Das funktioniere nicht, sagt Schori Liang â weil fĂŒr jede gelöschte Website zwei neue kommen. Auch das Veröffentlichen von Gegendarstellungen durch LĂ€nder LĂ€nder wie die USA, England oder Saudi-Arabien wirkt laut Schori Liang kontraproduktiv. Es werden Videos und Fotos publiziert, die die ganze BrutalitĂ€t des IS zeigen. Doch indem man die BrutalitĂ€t des IS zeige, locke man bloss mehr Dschihad-Reisende dorthin. Die extreme Gewalt mache einen Teil des Reizes aus: âDie KĂ€mpfer fĂŒhlen sich dadurch mĂ€chtig.â
Keinem Land gelinge es derzeit, die Cyberstrategie des IS zu kontern. Diese Art der Bedrohung sei neu.
âGenerell legen die Regierungen den Fokus zu sehr auf den Krieg vor Ort und vernachlĂ€ssigen die Cyberkomponenteâ, sagt Schori Liang.
Sie sieht ein Problem darin, dass Politiker, aber auch gemĂ€ssigte muslimische FĂŒhrer meist Ă€lter sind und nicht wirklich verstehen, was Facebook ist. Zudem funktioniere unsere BĂŒrokratie nicht in Echtzeit â eine Idee durchlaufe mehrere Ebenen, bis sie realisiert sei. In der Zwischenzeit habe sich die Online-Bedrohung bereits weiterentwickelt.
Welche Gegenstrategien sieht Schori Liang:
âWir brauchen ein UnterstĂŒtzungsnetzwerk. Einen Fanklub, wie ihn der IS hat. PrĂ€ventionsmassnahmen der Regierungen können sich online nur so weit verbreiten, wie sie geteilt werden.â
Mit âFanklubâ meint sie:
âJunge Leute, junge Aktivisten, junge Journalisten, die Anti-IS-Websites teilen und bekanntmachen.â
Davon gebe es bereits einige:
âJunge Muslime haben etwa ein Video auf BBC publiziert, das vor Reisen zum IS warnt. Es gibt auch Sites wie Myjihad.org. Aber noch immer werden IS-Videos viel öfter geteilt.â
Schulen könnten in diese Richtung aktiv werden:
âSie mĂŒssen sensibilisieren, Kampagnen starten. Und die Regierungen mĂŒssen zusehen, dass ihre Nachrichten jugendfreundlich und kreativ sind. Denn die Werbung des IS ist verlockend: «Kommt zu uns, und ihr seid BrĂŒder und Schwestern.»â
Das treffe bei vielen jungen Muslimen einen Nerv. Wichtig sei, dass die anderen Jugendlichen darauf antworten: «Wir hindern unsere BrĂŒder und Schwester daran, an dieser sinnlosen Gewalt teilzunehmen.»











