Radiohören war frĂŒher auch einfacher
Ein ganz normaler Tag ... Ich komme nach Hause und habe Lust, Musik zu hören, wĂ€hrend ich meine Sachen verrĂ€ume. Also schalte ich in meinem Zimmer die Stereoanlage ein. Angeschlossen ist ein KĂ€stchen, das Audio per Bluetooth empfangen kann, dazu DAB-Radio, Internetradio und noch manches mehr. Das KĂ€stchen bekommt Strom aus dem VerstĂ€rker, fĂ€hrt also nach Einschalten des VerstĂ€rkers mit hoch. Der VerstĂ€rker ist nach wenigen Sekunden bereit, das KĂ€stchen braucht leider lĂ€nger. Etwa eine halbe Minute. Ich schmunzle, weil das Projekt "Musik hören" sehr oft an dieser Stelle abbricht. Ich bin viel zu ungeduldig, eine halbe Minute vor der Anlage stehenzubleiben. Mache ich in der Zwischenzeit aber etwas anderes, vergesse ich das Vorhaben in den allermeisten FĂ€llen und wundere mich Stunden spĂ€ter ĂŒber den sanft brummenden VerstĂ€rker.
Es ist nĂ€mlich so, dass das KĂ€stchen nach dem Hochfahren nicht einfach anfĂ€ngt loszuspielen, man muss es dann noch aus dem Standby wecken. An den wenigen Tagen, wo ich das schaffe, beginnt danach der Bluetooth-Verbindungsaufbau. Habe ich GlĂŒck, klappt das nach wenigen Sekunden. Habe ich Pech, koppelt sich statt des Smartphones der Laptop, oder die beiden finden sich aus anderen GrĂŒnden nicht. Dann folgt eine weitere halbe Minute Herumgeklicker: Verbindung mit dem falschen GerĂ€t trennen, das Smartphone explizit um Verbindungsaufbau mit diesem Ziel bitten...
DAB ist nach dem Einschalten relativ unkritisch - nach wenigen Sekunden Puffern spielt es los. Leider sind die Sender, die ich mag, nur mĂ€Ăig zu empfangen, daher nutze ich in letzter Zeit hĂ€ufiger Internetradio. LĂ€stig daran ist, dass ich mich mit der fummeligen Fernbedienung durch Tausende Sender klicken muss, aber mit der Zeit habe ich Favoriten gespeichert. Einfacher geht das mit der generischen UNDOK-App, mit der sich viele Internetradios per WLAN fernsteuern lassen. Aber ach, WLAN ...
In meinem Zimmer bleibt es heute trotz intensivsten Vorsatzes also bei Einschalten, Schmunzeln, Weglaufen, Vergessen. Als ich den VerstÀrker das nÀchste Mal sehe, bin ich im Grunde auch fertig und auf dem Weg ins Wohnzimmer, wo noch mehr Zeug verrÀumt werden will.
Weil ich das Bluetooth-DAB-Internetradio-KĂ€stchen anfangs ziemlich gut fand, habe ich fĂŒr die Stereoanlage dort gleich noch mal dasselbe gekauft. Es hat einen minimal anderen Firmwarestand als das andere und exakt dieselben Macken. Also schalte ich auch im Wohnzimmer den VerstĂ€rker ein, das KĂ€stchen fĂ€hrt hoch. Kurz darauf erinnere ich mich tatsĂ€chlich an den Vorsatz, schalte das KĂ€stchen ein und sehe, dass Internetradio ausgewĂ€hlt ist. Das passt mir gut. Jetzt fehlt nur noch der WLAN-Verbindungsaufbau, dann Puffern, dann ein wenig durch die Sender klicken, bis mir etwas zusagt.
Leider haben die KĂ€stchen immer wieder Probleme, sich mit dem WLAN zu verbinden, obwohl sich da nichts Ă€ndert. Dann kreiselt ein paar Minuten "Verbindungsaufbau ..." vor sich hin, anschlieĂend wird mir eine Liste der WLANs der Umgebung angezeigt. So auch heute. Ich mĂŒsste jetzt unseren Netzwerknamen auswĂ€hlen, mit dem Vier-Wege-Steuerkreuz der Fernbedienung das Passwort eingeben ... An der Stelle breche ich dann auch diesen Anlauf ab, denn die Wohnzimmersachen sind zwischenzeitlich auch verrĂ€umt und ich muss weiter.
Ich denke in letzter Zeit zunehmend nostalgisch an das KĂŒchenradio meiner Mutter â ungefĂ€hr aus den 1970er Jahren oder noch Ă€lter. Es kracht und knarzt böse, wenn man es einschaltet, aber dann folgt ohne weitere Verzögerung Musik. ZuverlĂ€ssig. Bei mir dagegen wird es fĂŒr den Rest des Tages still bleiben.