bitte küss mich noch ein letztes mal zum letzten mal

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bitte küss mich noch ein letztes mal zum letzten mal

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wir sitzen am meer, möwen ziehen ihre kreise über unseren köpfen, du reichst mir den kirschschnaps und ich seh' dich heimlich an. die leute sprechen immer von "falling in love" aber bei mir trifft das nicht zu. ich hab das gefühl, meine gefühle für dich kamen stück für stück, welle für welle. wie das meer umspülten sie erst meine zehen, dann meine beine, kamen bis zum bauch, dann bis knapp unters kinn. hast mich in deinen bann gezogen, mit dem sog deiner worte, mit deiner stimme, die das meer trockenlegen könnte, wenn du es danach fragen würdest. bisher kannte ich nur ebbe und flut, kommen und gehen, doch du bleibst, du bleibst. ich fühl den sand auf meiner haut, den kühlen wind, die wärme der sonne und deine nähe neben mir und es gibt keinen ort, an dem ich lieber wäre. das wasser steht mir jetzt bis zum hals, meine gefühle für dich nehmen sich jeglichen raum in mir, ich weiß nicht, ob das liebe ist, aber es ist auf jeden fall sehr nah dran. du bist nicht der mann meiner träume, du bist nicht der, auf den ich seit zehn jahren warte, aber du bist nah dran, so nah dran.
ich steh an der bar, die barkeeperin lächelt mir zu und ich bestell mir den dritten drink in folge. plötzlich streift mich eine hand am rücken und ich weiß, ohne mich umzudrehen, dass du es bist. deine augen sind dunkel vom vodka und deine stimme rau von den siebzehn zigaretten in den letzten drei stunden. ich nehme ungefragt die achtzehnte aus deiner hosentasche und du zündest sie mir an. "wo warst du?" fragst du und ich erwidere die frage unbeantwortet "und du?" wir zucken beide mit den schultern. du beugst dich näher an mein ohr "du siehst sehr schön aus" und ich lächle "und du siehst ganz schön fertig aus." du lachst und ziehst mich an der hand hinter dir her auf die tanzfläche. "temporary fix" spielt und ich kann gar nicht mehr aufhören zu lachen und zu weinen und darauf zu warten, dass du mich endlich küsst.
aber du tust es nicht.
das ist das einzige ungesagte und ungeschriebene gesetz zwischen uns. "was auch passiert, wir verlieben uns nicht ineinander, okay?" waren deine worte vor vier jahren und ich hab meinen kleinen finger in deinem eingehakt, wohl wissend, dass dieses versprechen zwei jahre zu spät kommt. nun liebe ich dich schon seit sechs jahren und jeden tag mehr. ich frage mich, ob du es weißt. ich weiß nicht, was schlimmer wäre.
um sieben uhr morgens stehen wir vor meiner haustür, du trittst deine letzte zigarette aus und siehst mich an. "schließ mal deine augen." ich höre nur noch rauschen in meinen ohren und mein herz springt mir fast aus der brust. "es wäre so einfach dich zu lieben. wie atmen." flüsterst du, drehst dich um und verschwindest in der dunkelheit. als ich die tür hinter mir schließe, glimmt deine ausgetretene zigarette noch immer.
wir sind nur freunde, hab ich all meinen freunden erzählt und mich dabei fast an meinem bier verschluckt, als deine augen zeitgleich zu mir wanderten. wie selbstverständlich stehst du seit wochen in fast jeder menschenmenge und in jeder gefühlslage neben mir und seit wochen steh ich ständig neben mir, wenn dein name fällt.
wir sind nur freunde, höre ich dich auf k.s geburtstag sagen und kann nicht verhindern, ein paar mal mehr als nötig zu blinzeln. später spielen wir flaschendrehen und als wir zusammen im schrank sitzen passt kein zentimeter mehr zwischen uns und doch ein ganzer elefant.
wir sind nur freunde, wiederhole ich für mich selbst immer wieder im stillen. du liegst neben mir im gras, die sonne geht langsam unter und die glühwürmchen kommen aus ihren verstecken. du hast die augen geschlossen, summst leise vor dich hin. mein kopf liegt auf deiner brust und trotzdem kann ich nur mein herz schlagen hören.
"ich glaube ich verliebe mich gerade in dich", flüstere ich und du schreckst hoch, wie aus einem traum. "was?" - "nichts". erwidere ich. "ich bin nur wirklich froh darüber, dass wir freunde sind". du streichst mir eine haarsträhne hinters ohr und sagst "ich auch."

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das bild von mir in meinem kopf ist ganz anders als die reflektion im spiegel. ich hab lange, lockige haare und keine angst im dunkeln. ich bin mutig und laut und jemand hält meine hand. wenn ich an das ich denke, das ich gerne wäre, dann seh' ich nie dich neben mir. stattdessen zünde ich mir in regelmäßigen abständen eine zigarette an und teile sie mir mit einer xbeliebigen person. in meinem kopf bin ich frei, es gibt keine befürchtungen, keine konsequenzen. ich trinke und weine zu viel und gleichzeitig war ich noch nie so glücklich wie diese version von mir. ich trage kurze, schwarze kleider und bekomme dunkelrote rosen geschenkt und wenn ich mich an ihren dornen steche, trocknet eine person mit dunklen locken meine wunden. mein leben ist voller farben und meine beine voller narben von durchgemachten nächten und durchwanderten waldstücken. ich habe meinen kopf in den wolken, beobachte die vögel am himmel und spüre eine warme schulter an meiner. ich liebe laut und werde laut zurück geliebt; wir sprechen die gleiche sprache. das bild von mir in meinem kopf ist an manchen tagen so klar, dass ich zeitweise vergesse, welches leben die illusion ist. wenn ich wählen könnte, hätte ich keine angst mehr im dunkeln.
ich wünschte, ich könnte endlich damit aufhören, menschen als projektionsfläche zu nutzen. ohne, dass ich aktiv etwas dafür tun muss, wird der fremde mann an der kasse mein seelenverwandter. ich denk nicht drüber nach und denk ständig darüber nach ob mein bester freund nicht doch mehr für mich sein könnte, als das. ich schreibe liebesbriefe in seinem namen an mich selbst und fülle den ganzen raum mit schmetterlingen sobald er ihn betritt. gleichzeitig hab ich ganz klar vor augen, dass ich ihn nicht liebe, nicht auf diese weise. was ich liebe ist all das, was ich in ihm sehe, immer dann, wenn ich die augen zusammenkneife oder das licht richtig fällt. was ich liebe ist die erinnerung an durchgetanzte nächte und ausgetretene kippen und das flaue gefühl im bauch wenn seine hand die meine streift. ich wünschte ich würde unsere vergangenheit nicht so romantisieren aber was bleibt mir anderes übrig, wenn sonst überall das leuchten fehlt. ich klammere mich an jeden menschen der mir begegnet, in der hoffnung, dass er mich rettet. in der hoffnung, dass er mich sieht. ich weine wenn mein arzt mir sagt, dass er stolz auf mich ist, einfach nur, weil er ein mann ist. ich ächze nach der aufmerksamkeit von männern, zeige die kalte schulter und reiche ihnen gleichzeitig die hand. oder beide. oder alles von mir. ich werfe mich auf jeden brotkrümmel als wäre es ein ganzes herz. ich wünschte ich würde nicht mehr ständig davon träumen fortzugehen. ich wünschte ich würde nicht mehr ständig davon träumen dir durch die haare zu fahren und dich zu küssen. ich verwische die realität wie die rote farbe auf deinen lippen, alles schmeckt nach billigem vodka, die nacht und die angst und auch du. ich sehe mich in dir, ich sehne mich nach dir, ich sehe dich nachts neben mir und am morgen bist du verschwunden, alles hirngespinste, alles nur erfunden, nur dich hab ich noch immer nicht gefunden, frage mich wonach du suchst wenn nicht nach mir. wo sind die grenzen, alles verschwimmt wenn wir uns um vier uhr morgens in einem viel zu kalten swimmingpool in den armen halten, sag, wieso bist du fort und hast all deine sachen hiergelassen, wohin damit, wohin mit mir, jetzt, ohne dich. ich wünschte ich könnte mein leben lieben oder es in die hand nehmen und verändern aber ich sitz in der grube wie die häschen. grab nach mir, such mich in dem dreck unter deinen nägeln, küss mich bis uns schwindelig wird und halt mich, bitte, halt mich fest und halt mich auf. wie willst du geliebt werden werde ich gefragt und ich weiß es nicht aber nicht so, und ich weiß es, nicht so. ich hoffe das mit uns ist nicht für immer. ich will immer mehr, immer weiter, immer weniger und immer mehr stillstand. wenn zwiespalt ein gesicht hätte und sehnsucht einen namen, ich würde ihn kennen.