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261 Sexualisierung von Jugendlichen...
⊠und die Normalisierung in unserer Gesellschaft
Wie schaffen wir eine vernĂŒnftige Debatte darĂŒber?
Das Thema gĂ€rt schon lange bei mir und wurde ursprĂŒnglich auf Threads bei mir angestoĂen durch MĂ€nner Ă40, die scheinbar jugendliche KI Profile mit einer gewissen SelbstverstĂ€ndlichkeit anschreiben.
Wieder neu hochgekocht ist es in mir durch ein Video von Lydia Benecke, eigentlich ĂŒber Jeffrey Epstein, aber sie thematisiert die gesellschaftlich allgegenwĂ€rtige Sexualisierung von Jugendlichen hier wirklich sehr eindrucksvoll, ab Minute 31:31:
In meinem Text ging es wiederum darum woran die Debatte ĂŒber die Sexualisierung von Jugendlichen (15â19) durch Ăltere (Ă40) scheitern könnte und wie wir Erwachsene erreichen, die sich von Jugendlichen angezogen fĂŒhlen.
Kernfrage: Wie schaffen wir es, ĂŒber Verantwortung und Strukturen zu reden, statt ĂŒber âRechteâ oder Ausnahmen?
P.S.: Es geht nicht um Altersunterschiede (z. B. 30 & 70), sondern um Verletzlichkeit in der Adoleszenz
Da das Thema so wichtig ist, hab ich mal nicht nur den blanken Link bepostet. Aber ich werde a) nicht auf Leute eingehen die sich weder den Videoauschnitt angesehen haben, noch den Text gelesen haben und b) nicht auf hier diskutieren, der US-Boykottmonat lÀuft noch, und auf lemmy bzw. feddit kann man genauso streiten wie hier.
Schlagzeilen und Abbildungen, in denen junge (teilweise minderjĂ€hrige) Frauen als begehrenswert dargestellt werden, sind in den Medien keine Seltenheit. Insbesondere Werbung setzt immer wieder auf aufreizende und erwachsene Inszenierungen von jungen MĂ€dchen sowie Darstellungen erwachsener Frauen als mĂ€dchenhaft in Schuluniform mit Lollypops oder Spitzensöckchen- beide Arten von ReprĂ€sentationen haben gemeinsam, dass sie Jugendlichkeit bzw. Kindlichkeit mit SexualitĂ€t verbinden. Erst 2011 gab es einen Skandal um Werbeaufnahmen der französischen Vogue, die ein 10-jĂ€hriges MĂ€dchen stark sexualisiert in lasziven Posen inszenierten und bereits Ende der 90er sorgte ein Bild aus dem Rolling Stone Magazine fĂŒr Aufsehen, in dem die 18-jĂ€hrige Britney Spears aufreizend gekleidet in einem Kinderzimmer zwischen Puppen und TeddybĂ€ren zu sehen war.
Auch der Bildzeitung scheint es groĂe Freude zu bereiten, die Aufmerksamkeit ihrer Leser*innen besonders auf das Aussehen junger MĂ€dchen zu richten ("Kate Moss so sĂŒĂ mit 14"). Wenngleich sie in den Schlagzeilen nicht direkt sexualisiert werden trĂ€gt die verwendete Sprache dazu bei, das immer noch kindliche Aussehen der MĂ€dchen mit Begehren zu assoziieren, bspw.: âBum-Bum-Baby, wie groĂ du geworden bist!â (Anna Ermakova war zu diesem Zeitpunkt 16). WĂ€ren diese Darstellungen so harmlos wie BILD behauptet, wĂŒrden wir hĂ€ufiger Artikel finden, in denen Jungen auf die selbe Weise dargestellt werden.
Zudem wird auffallend hĂ€ufig Sexualisierung erwachsener Frauen mit Verniedlichungen und Verkindlichungen verknĂŒpft: âCandice hat ihre BĂ€ckchen geschnĂŒrtâ, âĂtsch bĂ€tsch, ich darf essen was ich willâ oder âSexy BĂ€ckchenâ. Das Bild von einer Frau im Schulrock, die sich beschĂ€mt zwischen die Beine fasst scheint zu den Lieblingsfotos der Bildredaktion zu gehören und wird (gefĂŒhlt) fĂŒr jeden zweiten Ratgeber-Artikel benutzt (âPipi beim Lachen - Ist das schon BlasenschwĂ€che?â). Und insbesondere bei Berichten ĂŒber junge Frauen wird das Alter bereits in der Schlagzeile erwĂ€hnt: âLionel Richies Tochter Sofia (17) Achtung gefĂ€hrlich, heiĂe Kurvenâ oder âAlle sind verrĂŒckt nach dieser 19-jĂ€hrigenâ.
Ich finde nicht, dass all diese Darstellungen lediglich dem zunehmenden Jugendwahn unserer Gesellschaft zuzuschreiben sind oder sie als harmlos abgetan werden können. BILD und andere Medien verwenden mit Kindlichkeit assoziierte Sprache und Symbole so hÀufig in sexualisierten Kontexten, dass sie zum Teil automatisch mit Sexyness verbunden werden und die Problematik kaum mehr auffÀllt.
Ich sehe mindestens vier Probleme, die sich aus ReprÀsentationen dieser Art ergeben:
Begehren ist nicht ausschlieĂlich individuell und unabhĂ€ngig von sozialen Faktoren, sondern wird durch die Gesellschaft und somit auch die Medien geprĂ€gt (man beachte bspw. die  Idealisierung kurviger Frauen in den 50ern und extrem schlanker Frauen heute). Forschungen ergaben, dass Kindlichkeit schneller mit Begriffen wie âsexyâ assoziiert wird, wenn zuvor Medien (im Fall dieser Studiepornografischer Art) konsumiert wurden, die zum Beispiel kindlich gekleidete Frauen sexualisierten: âthe research demonstrated that exposure to youth sexualizing materials (e.g. materials that sexually display or reference those who appear to be minors) created cognitive links between sex and minors that were not necessarily evident without such exposure.â
Insbesondere Frauen und junge MĂ€dchen sind alltĂ€glichen BelĂ€stigungen ausgesetzt, die sie dazu verleiten können, ihr Verhalten einzuschrĂ€nken und bspw. bestimmte Kleidung, Orte oder auch Blicke zu meiden. Der intensive Austausch ĂŒber soziale Medien (bspw. ĂŒber die Hashtags #aufschrei oder #ausnahmslos) fördert das AusmaĂ der sexuellen BelĂ€stigung bis hin zu sexualisierter Gewalt zutage, die bereits Kinder in beunruhigend hohem MaĂe erfahren. Medien wie BILD, die bereits minderjĂ€hrige MĂ€dchen als begehrenswerte Anschauungsobjekte prĂ€sentieren und einzig aufgrund ihres Aussehens Beachtung schenken, fördern ein gesellschaftliches Klima, in dem sexuelle BelĂ€stigung von MĂ€dchen an der Tagesordnung ist.
Die mediale Reduzierung von MĂ€dchen und Frauen auf ihr ĂuĂeres hat zahlreiche negative Auswirkungen auf ihr SelbstwertgefĂŒhl und die Art, wie sie ihr Leben gestalten. Diese Auswirkungen sind bekannt und von verschiedenen Studien nachgewiesen. Dies fĂŒhrt dazu, dass heutzutage bereits 7-jĂ€hrige MĂ€dchen unzufrieden mit ihrem Körper sind, sich zu dick fĂŒhlen und Druck spĂŒren, perfekt sein zu mĂŒssen. Die Darstellung immer jĂŒngerer MĂ€dchen als Objekte der Begierde und als âhĂŒbsche Dekoâ, ohne andere Attribute zu thematisieren schĂŒrt das GefĂŒhl vieler MĂ€dchen, einzig ĂŒber ĂuĂerlichkeiten Aufmerksamkeit erlangen zu können.
Wird ĂŒber Erwachsene verniedlichend und in âBabyspracheâ gesprochen, wird ihnen jegliche Kompetenz abgesprochen, sie werden durch diese Darstellungen infantilisiert. Dies wirkt sich auf den Alltag und das Miteinander aus, verhĂ€rtet Stereotype ĂŒber MĂ€dchen und Frauen und begĂŒnstigt, dass sie in GesprĂ€chen nicht ernst genommen werden.
Schlagzeilen und Darstellungen dieser Art erzeugen kulturelle Mythen darĂŒber, was begehrenswert ist und was nicht und tragen zu unserer Vorstellung von NormalitĂ€t bei. Medien wie BILD mĂŒssen erkennen, dass Macht mit Verantwortung einhergeht:
âWhereas attraction to children may once have been conceived of as an isolated fetish, it may now be a trope or discourse that is illustrated, marketed, and perpetuated in the mainstream media. And as Foucault (1979) maintained, one central focus of any discourse is to identify and then regulate what is considered normal by societyâ.
Lisa P.