"Grizzlies und Tiger haben eines gemeinsam â sie sind vom Aussterben bedroht. Wir mĂŒssen zusammen halten", erklĂ€rt Ted Grizzly, der namengebende Chefermittler der "Grizzly"-Hörspielreihe, den staunenden Umstehenden nach seiner mĂŒhelosen ZĂ€hmung eines entlaufenen Sibirischen Tigers. Und stellt damit klar: Er ist eben ein Unikat - ĂŒbergewichtig, stets etwas mĂŒrrisch, doch ein brillanter Geist. Seine SchlĂŒsse sind so treffsicher wie seine antisozialen Reflexe, und seine Cheeseburger mag er am liebsten "extra cheesy".
Mit dem Halloween-Hörspiel "Grizzly und der weiĂe Wal" brachten Autor Christian Kock und das RoKoSt-Team am Mittwochabend den dritten Teil der "Grizzly"-Reihe auf die BĂŒhne der Hansa48. Die Handlung ist schnell erzĂ€hlt: Eine Halloween-Party, auf die ĂŒberraschenderweise auch der eher gesellschaftsscheue Grizzly eingeladen ist, nimmt einen blutigen Verlauf. NatĂŒrlich setzen der Ermittler (gespielt von Christian Kock) und seine Freunde Tori Hammond (Galina Krieger), Samuel Harrison (Hannes Jetzek) und Edward Connors (Claus Heinrich Bill) alles daran, den TĂ€ter zu finden und den Fall aufzuklĂ€ren.
Wie auch bei den FĂ€llen der RoKoSt-Parallelreihe "Die 3 Herren" funktioniert die AuffĂŒhrung des Kriminalhörspiels wie ein akustisches Schattenspiel: Auf der BĂŒhne zu sehen sind nur die vier Hauptdarsteller, Nebenfiguren, UmgebungsgerĂ€usche und musikalische Einspielungen kommen vom Band. Das erfordert nicht nur eine groĂe Koordinationsleistung der Darsteller, sondern ist in seinem Minimalismus zugleich ein eindrucksvoller Inszenierungstrick: Gerade das Fehlen eines detaillierten BĂŒhnenbilds und live gespielter Nebenfiguren lĂ€sst atmosphĂ€rische Tiefe entstehen und erweckt die Umgebung mitsamt dem Figurenarsenal so zum Leben. Wie beim Schattenspiel wird das Eigentliche nur umrissen, die konkrete Gestalt bleibt damit Sache der Imagination jedes einzelnen Zuschauers. Perfekt untermalt wurde das an diesem Abend im Ăbrigen vom mit Halloween-Einschlag versehenen (und selbst aufgenommenen!) Soundtrack von Bernd Jochintke.
Was natĂŒrlich nicht heiĂen soll, dass das, was auf der BĂŒhne geschieht, nicht ĂŒberzeugend ist: Mit groĂer Liebe zur Figur verkörpert Christian Kock, gleichzeitig auch Autor des StĂŒckes, seine Schöpfung Ted Grizzly als liebenswerten und mĂŒrrischen Ermittler, der menschliche SchwĂ€che und detektivisches Genie in einer Figur vereint. Und auch sein Ermittlerteam kann sich sehen lassen: Hannes Jetzek gibt den Captain Samuel Harrison als Frauenliebling mit misanthropischem Einschlag, Galina Krieger spielt die Rolle der Tori Hammond mit naiv-euphorischer Verve, und Claus Heinrich Bill glĂ€nzt als extrovertiert verstockter Bibliothekar Edward Connors.
Ebenso wie die "3 Herren" lebt auch "Grizzly" von der offensichtlich groĂen Leidenschaft des Autors und der Darsteller zum Genre. Das Live-Hörspiel wird als nostalgischer Fahrschein zurĂŒck in die Hörspieltage der eigenen Jugend zelebriert und ist gleichzeitig cleverer, ironischer Querbeet-Rundumschlag durch die Klassiker des Krimi-Genres: Da ist Inspektor Columbo ebenso vertreten wie die Drei Fragezeichen, Sherlock Holmes und Miss Marple, die Handlung folgt stets Ă€hnlichen AblĂ€ufen und hĂ€lt doch immer wieder Ăberraschungsmomente bereit. Perfekter HörspielspaĂ â Fall gelöst, Mylord, möchte man da sagen.
Mehr ĂŒber die Hörspiele von RoKoSt: www.rokost-hoerspiele.de.