Once again, I torment the world wide web with an abominable amalgamation of typing and bashing my skull on a keyboard to produce what is basically a fanfiction of the Edda. In german.
Which the majority of followers and by extension Tumblr doesn’t speak.
Fuck it.
Here we go.
Von den Neun Reichen die Yggdrasil, die Weltenesche umgaben, gab es keines das kälter und leerer und einsamer war als die Eislandschaft von Niflheim. An diesem Ort fand sich keine Wärme und keine Zärtlichkeit. Hier herrschten Schnee und Nebel und Dunkelheit und jedes Leben das es wagte hierher zu reisen wurde von Niflheims Luft erdrosselt und gefror. Kein Baum, kein Grashalm, kein Wolf, kein Rabe, kein Hirsch, kein Ase und kein Riese mochte hier gedeihen.
Hier, am Fuße des allumfassenden Weltenbaumes, wo seine Wurzeln sich zu einem dichten Gespinst verworren, pulsierend und vor Leben überquellend wie die Blutgefäße, hier entsprang, umgeben von einem Meer aus Leichen, die große Quelle aus dessen Gewässern einst die Welten geboren waren. Sie wurde Hvergelmir genannt, der einzige Ort der Wärme in diesem von ewigem Winter geplagten Ort. Aber doch hätte niemand es gewagt diese Gewässer zu betreten, denn Hvergelmir war stets am dampfen und brodeln und voller schwarzer, schnappender Schlangen. Aus Hvergelmir floss ein Strom welcher sich durch ganz Niflheim zog. Elivágar wurde er genannt und sein Wasser war flüssiges Eis.
Aber dies war nicht der eigentliche Grund, warum dieses Land so verlassen war. Nein, das lag an dem was tief in dem Wurzelgespinst an Yggradrils Fuß hauste. Etwas gewaltiges und abgrundtief böses, dass immerfort an der Rinde und den Wurzeln der Weltenesche nagte und die Leichen der Toten an Hvergelmirs Ufer verschlang.
Und doch, eines Tages kam ein Wanderer nach Niflheim, allein und gebeugt. Eine Frau, hochgewachsen und krumm, das stolze Gesicht verhärmt und ihr goldenes Haar ergraut vor Sorge und Kummer. Nifhlheims Luft stach in ihrer Lunge und die Kälte schürfte und riss Wunden in ihre Haut, und doch schleppte sie sich verbissen durch die brache Winterlandschaft. Gehüllt war sie in einen Mantel aus Falkenfedern. Ihr Rücken beugte sich unter der Last der Trauer und der eines alten Webstabs.
Als sie das Ufer Hvergelmirs erreichte, müde und geplagt von Kälte und Sturm, verstummte das Zischen der im brodelnden Wasser hausenden Schlangen und tausend kleine schwarze Köpfe reckten sich in die Höhe empor und sahen sie an. Sie würgte als ihr der Gestank von Verwesung und totem Fleisch in die Nase stieg, aber sie schritt weiter voran, den Webstab in den Händen als hielte sie einen Speer. Vorsichtig ging sie am Rand von Hvergelmir entlang, denn hier war der Nebel am dichtesten und ein falscher Schritt könnte einen Sturz in die brodelnden primordialen Gewässer und damit auch ihr Ende bedeuten. Ab und zu hieb die Wanderin mit ihrem Stab nach dem Kopf einer vorwitzig nach ihren Beinen schnappenden Schlange, bis sie die kochende Quelle ganz umrundete hatte und nun direkt unter dem Netzgleichen Gewirr aus Wurzeln und Ästen stand welche Yggdrasil aufrecht hielten. Keuchend stützte sich die Frau auf ihren Stab, die lange Reise ihren Tribut fordernd, und atmete rasselnd die faulige Luft des Quellgrunds ein.
„Grüße, gnädige Herrin“, quiekte es über ihr im Wurzeldach. Ein Schauder lief durch die Verästelung und mit flinken Hüpfern und wehenden Schnurrhaaren näherte sich ein zweiter Besucher dieser stinkenden Einöde: ein mannshohes Eichhörnchen mit rostrotem Fell und gebogenen Hörnern welche ihm aus der Stirn wuchsen. Ein halbes dutzend Fuß über der Wanderin kam es zum Halt, seine großen, Krallen-bewehrten Füße fest eine hervorstehende Wurzel umklammert und putzte sich geziert die feuchte Nase. „Pfui, was für ein schreckliches Wetter, nicht wahr? Mir sträuben sich doch jedes Mal die Schwanzhaare wenn ich mich durch diesen feuchtkalten Nebel kämpfen muss. Das ist ganz schlecht für das Fell, das kann ich euch sagen.“
„Ratatoskr“, nickte die Wanderin mit einem müden Lächeln. „Sei auch du gegrüßt. Wie geht es dir?“
„Ach, ich kann nicht klagen – abgesehen von den tausend Eiszapfen die sich beim Klettern in meinem Fell gebildet haben und mir bei der kleinsten Bewegung die höchste Unannehmlichkeiten bereiten“, grummelte das mannshohe Nagetier und strich sich die Schnurrhaare. „Erlaubt mir euch gegenüber erneut mein tiefstes Beileid auszusprechen , gnädige Herrin,“ fügte es mit ernster Stimme hinzu. „Balder war ein Licht in unserer aller Herzen. Ich hoffe, dass der Mörder seine gerechten Strafe bekommen hat.“
„Ich danke dir“, sagte die Wanderin leise, während sich hier Herz in ihrer Brust zu einem kalten Klumpen zusammenzog.
„Aber was bringt euch hierher, gnädige Herrin?“ fragte Rattatoskr und sein buschiger Schwanz zuckte vor Neugier. „Habt ihr ebenfalls eine Nachricht vom alten Adler an den Hausherren?“
„Nichts dergleichen. Aber trotzdem muss ich mit Nidhöggr sprechen.“ Kaum hatten die Worte ihre Lippen verlassen, ging ein Beben durch den Stamm der Weltenesche. Tief im Herzen des des Wurzelgespinst regte sich etwas, ein Zischen und Grollen erfüllte die Luft, dann ein Schaben wie von Nägel über Schiefer, ein schleppendes Kriechen. Rattatoskr legte unruhig die Ohren an und die Wanderin machte einen Satz nach hinten, als sich ein massiger, schuppiger Leib aus der Dunkelheit schlängelte. Gewaltige, elfenbeinfarbene Krallen bohrten sich in Yggdrasil's Wurzeln und Nüstern flatterten als sie den Geruch der Lebenden einnahmen, die in sein Heim eingedrungen waren.
Zwei Lichter flackerten, so bleich und leer und kalt wie die Augen einer Leiche. „Nanu, nanu, nanu. Wen haben wir denn da? Was für eine Ehre dich in meiner Halle willkommen heißen zu dürfen, Friggr“, raunte der Leichenfresser, seine Stimme gleich dem Brechen von Gletschern.
„Die Ehre ist ganz meinerseits, Nidhöggr“, antwortete Friggr steif und richtete sich in eine etwas geradere und herrischere Position wieder auf. Mit steinernem Gesicht sah sie an der kolossalen Form des Lindwurms hinauf, sah die Reihen blutverschmierter scharfer Zähne, die schwarzen, zu einem hässlichen Grinsen verzogenen Lefzen und den Hunger in seinen Augen. „Ich bin den weiten Weg hierher gereist, um dich um einen Gefallen zu bitten. Es geht um...“
„Um die Wiederbelebung deines kleinen Sonnenscheins, ja ich weiß.“ Nidhöggr gluckste als er Friggrs verdutzen Gesichtsausdruck sah. Langsam schlängelte er sich weiter aus der Finsternis von Yggdrasils Wurzeldickicht heraus. Friggr ließ ihn nicht aus den Augen. Das Fressen der Leichen die hier in Niflheim landeten, und das Nagen an den Wurzeln der Weltenesche hatten den Drachen immer und immer weiter an Größe und Stärke zunehmen lassen. Friggr wusste, dass wenn die Bestie den Gedanken hegte sie hier und jetzt zu verschlingen, selbst Thors Hammer Mjölnir weniger als ein Kitzeln bei Nidhöggr ausgelösen würde. Ihr Mantel aus Falkenfedern wäre ihre einzige Möglichkeit diesem Ort zu entkommen und selbst mit der Kraft des Fliegens würde sie alles geben müssen um den langen Zähnen und Krallen des Leichenfressers auszuweichen. Nidhöggr redete weiter: „Ich sitze im Herzen Yggdrasils, Friggr, hier wo alle Wurzeln der großen Esche ihren Ursprung haben und in die Neun Welten hinauswachsen. Und über Yggdrasils Wurzeln höre ich das Echo von Hunderttausenden wie sie in deinem und Balders Namen Klagen und Jammern. Eine wunderbare, wenn auch langsam eintönig werdende Melodie.“
„Dann bitte ich dich darum uns deine Stimme zu leihen. Hel, die Herrin der Unterwelt hat zugestimmt Balder zurück ins Leben zu rufen, wenn alle Lebewesen der Neun Welten, sei es Mensch, Ase oder Riese, Tier oder Pflanze über seinen Tod trauern. Von Asgard über Álfheimr und Svartálfheimr, über Midgard und Vanaheim, ja selbst nach Jötunheim und Muspelheim bin ich gereist und habe um die Trauer ihrer Bewohner gebeten und alle haben sie bereitwillig ihre Tränen Balder zu Ehren fließen lassen. Du bist die letzte Kreatur in den Neun Welten welche ich aufsuche.“ Friggs Stimme, erst stolz und herrisch brach nun letztendlich und der eisige Klumpen der ihr Herz war schmerzte in ihrer Brust. “Ich bitte dich, Nidhöggr, um meines Sohnes Willen, weine für ihn und lass mich ihn wieder in meine Arme schließen.“
Ein dünnes Rinnsal bildete sich in den Augenwinkeln der Äsin. Sie war so nahe dran. Wölfe und Riesen, Zwerge und Elfen, Mensch und Tier, Baum und Fels hatten sich von ihrer Verzweiflung und von Balders Namen rühren lassen und bereitwillig ihre Tränen vergossen.
Stoisch betrachtete der gewaltige Drache das Flehen der Äsin. Seine bleichen Augen zeigten weder Mitgefühl noch Hohn, sie waren einfach nur leer und bohrten sich in sie hinein. Aber seine schwarze Zunge züngelte hervor und schmeckte die Luft während sie sprach und ein dumpfes, genüssliches Grollen brodelte aus Nidhöggrs Kehle hervor, so als fände die Schlange gefallen an ihrer Trauer. Neben ihr trippelte Rattatoskr nervös von einer Pfote auf die andere und zupfte wie wild an seinen Schnurrhaaren herum. „Wie werde ich genannt?“ kam es schließlich zischelnd aus Nidhöggrs Maul.
„Wie bitte?“
„Du hast mich richtig verstanden. Wie nennt man mich in den Neun Welten? Was bedeutet mein Name?“ Die hohe Äsin stützte sich auf ihren Webstab und sammelte ihre Gedanken. „Dein Name ist Nidhöggr, der hasserfüllt Schlagende. Du wirst Nasenbleicher genannt und die Schlange.“
„Was ist es das ich tue, Frigg? Sag es mir“, zischte Nidhöggr und blies der Äsin seinen fauligen, nach geronnenem Blut riechenden Atem entgegen. Friggr hielt sich eine Hand vor den Mund, blieb aber standhaft und fuhr fort: „Du verschlingst die Mörder, die Ehe- und Eidbrecher. Du trinkst ihr Blut. Du quälst und plagst. An den Wurzeln von Yggdrasil nagst du hartnäckig, einzig darauf aus die Weltenesche zu Fall zu bringen.“
„Ja, gut. Sehr gut, Friggr. Aber das ist nicht alles, was ich tue. Wenn Yggdrasil fällt und Gjallarhorn zur letzten Schlacht ruft, wo werde ich dann sein?“ Nidhöggr schob sich weiter aus den Wurzeln Yggdrasils hervor, seine Schuppen schabten über die Rinde und seine Klauen schnitten tiefe Furchen in den mit Leichen bedeckten Boden. Friggr wich zurück, ihr Gesicht so weiß wie Schnee. Rattatoskr erging es nicht viel besser. Furchtsam keckernd hüpfte und kletterte das gehörnte Eichhörnchen in die höheren Gefilde des Wurzeldaches und außer Reichweite des nun halb-geöffneten, zähnefletschendem Maul des Lindwurms. „Du, die in der Lage ist das Schicksal zu lesen und neu zu spinnen solltest es doch gerade wissen. Wenn Ragnarök die Neun Welten heimsucht, wenn Yggdrasil bricht und in die Gewässer von Hvergelmir stürzt und die Welt endlich in Flammen versinkt, dann werde ich überdauern. Ich werde die gefallenen Krieger verschlingen, Riesen und Asen. Ich werde Odin verschlingen. Ich werde dich verschlingen. Ich werde das Blut der Geschlachteten trinken und ich werde mich erheben und den verbrannten Leichnam der Neun Welten hinter mich lassen und davonfliegen. Ich. Werde. Euch alle. Verschlingen. Also verrate mir, Friggr, Herrin aller Asen, warum sollte ich für deinen Sohn weinen?“
Das Wort blieb Friggr im Halse stecken. In ihr drin schrie alles danach ihren Federmantel um sich zu schlingen und in Falkengestalt davonzufliegen. Aber der Gedanke an ihren Sohn ließ sie verharren. „Dann sollte es dich doch wohl wenig kümmern, wenn Balder wieder von den Toten aufersteht, Nidhöggr. Im besten Falle bekommst du einen weitere Leiche an der du dich laben kannst.“ Die Worte die sie hervorbrachte füllten sie mit Abscheu auf sich selbst. Aber sie schienen Wirkung zu zeigen. Nidhöggr, der Leichenfresser, legte den Kopf schräg und sein blasses Augenlicht wanderte ziellos in seinen Höhlen während er ihre Worte überdachte. Dann verzogen sich seine Lefzen zu einem breiten Grinsen.
„Ja. Ja. Das ist gut“, raunte der Drache und seine Schultern räkelten sich genüsslich. „Ja, ich werde eine Träne für Balder vergießen. Ich werde sein glockenhelles Lachen hören und die Freudentränen der Asen die seine Rückkehr feiern schmecken. Ja, ich werde es tun. Sieh her!“ Und Nidhöggr reckte seinen langen Hals und wies mit den Kopf auf eine der rankenartigen Wurzeln, dick und bebend, die sich über seinem Haupt an der Decke der Kaverne entlang zog. Sie war ergraut und Eiterblasen-ähnliche Auswüchse hatten sich stellenweise an ihrer Borke entlang gebildet. Und dann bemerkte Frigg, dass es nicht nur eine Wurzel war, die befallen war. Dutzende von ihnen, hunderte von kleineren Auswüchsen des Stammes der mächtigen Yggdrasil sahen aus wie von einer schrecklichen Krankheit befallen, verfärbt und voller klaffender Entstellungen.
„Die Weltensche wird schwächer und schwächer“, flüsterte Nidhöggrs Stimme voller Hohn. „Es dauert nicht mehr lange, dann werde ich mich auch durch den letzten Rest ihrer Wurzeln gebissen haben. Ragnarök steht bevor, Friggr. Denk an meine Worte.“ Dann schloss der Drache seine Augen und Friggr sah zu, wie eine einzige, dicke schwarze Träne, mehr ein Klumpen Sand als flüssige Trauer, zwischen den schuppigen Liedern hervorquoll, an der Wange des Ungetüms hinunterrollte und mit einem Zischen und Dampfen auf den Boden tropfte.
„Für Balder“, wisperte Nidhöggr hämisch. Aber da hatte Friggr auch schon ihren Mantel aus Falkenfedern enger gezogen und davongeflogen, so schnell die stürmischen Winde von Niflheim sie auch trugen. Aber das grässliche Lachen des Lindwurmes würde sie den ganzen Weg lang verfolgen, bis hin zu den Toren von Valhalla.