März 2017
Der Fernsprecher geht, der Staubsauger bleibt
Im Berliner “Haus der Kulturen der Welt” sind Telefonzellen eingebaut, schöne hölzerne Telefonzellen. Wie ein Beichtstuhl sehen sie aus, in dem beide Nutzer gleichzeitig mit Gott telefonieren können. Vielleicht war das das einzige Vorbild, das dem Innenarchitekten für winzige Räume zur Verfügung stand, in denen man nicht-öffentliche Gespräche führen kann.
Die linke enthält mehrere Staubsauger, die rechte Glühbirnenvorräte in einem Zinkregal:
Telefongespräche werden jetzt an der Öffentlichkeit geführt, so wie man es ja eigentlich auch früher schon hätte machen können, ohne Fernsprechbeichtstuhl drumherum. Für nicht-öffentliche Gespräche unter Anwesenden betrat man ja auch eher selten einen Schrank. Vielleicht ging es nie um die Privatsphäre, vielleicht musste nur die unansehnliche Technik vor den Besuchern verborgen werden.
(Kathrin Passig)














