Nach dem das Ende der Geschichte sein Ende gefunden hatte, sehen wir in der heutigen Lage die Konkurrenz verschiedener Machtblöcke um geopolitische EinflusssphĂ€ren, wobei der einzige Konflikt, dem ansatzweise ein sittlicher Charakter zu attestieren wĂ€re, der zwischen der westlich-liberalen und der islamistischen AusprĂ€gung des Kapitalismus ist. Das arabische Gesellschaftsmodell vegetiert â in seiner autokratischen Form ebenso wie in seiner hierokratischen â so weit im Gestern, dass es bloĂ Ărger, nicht aber wirkliche Gefahr stiften kann. Die arabische Welt ist in der Defensive, sie verliert. Nicht wegen der AuĂenpolitik der USA, des Erbes der Kolonialzeit oder weil ein paar Millionen Israelis sich erfrechen, ein kleines Sandland als das ihre zu verteidigen, sondern weil sie â und hier darf man gern einmal orthodox marxistisch sein â auf einem MissverstĂ€ndnis zwischen Basis und Ăberbau dahinsiecht: Kapitalistische Strukturen, die von einem rigiden und stumpfsinnigen System aus klerikalen, faschistischen, misogynen und allgemein mittelalterlichen Elementen im Griff gehalten und an der Bewegung gehindert werden. Die AggressivitĂ€t des Islamismus steht dieser SchwĂ€che nicht entgegen, sie kommt aus ihr. Islamistische Ideologie und die Rechtsform der Scharia sind ebenso die Ursache der Krise, wie sie sich zugleich von ihr nĂ€hren und ohne sie nicht sein könnten. Eine solche Krise kann nur ĂŒberwunden werden, wo eine Gesellschaft sich als ganze reformiert, verbĂŒrgerlicht, also zivilisiert, und mit der Befreiung der ProduktivkrĂ€fte auch das Elend schwindet. Da indes das VerhĂ€ltnis der Konkurrenz besorgt, dass immer irgendwer den KĂŒrzeren zieht, ist klar, dass das Elend sich stets reproduziert und solange nicht getilgt werden kann als die elementare Beziehung weiter besteht. Die arabische Situation liegt mithin auf der Ebene der Ursachen dieselbe Konfiguration zugrunde, die auch den anderen geopolitischen Konflikten der Gegenwart vorausgesetzt ist, etwa dem erwĂ€hnten Ringen um die Ukraine oder dem wirtschaftlichen Aufstreben Chinas. Aber keiner dieser FĂ€lle hat ein vergleichbares Ansinnen und KalkĂŒl hervorgebracht. Im Islamismus wird das Irrationale selbst zum sittlichen Zweck. Terror, Vernichtungswahn, Todessehnsucht, Rassismus, Antisemitismus und die Umma als volksgemeinschaftlicher Kitt, die unvermeidlichen Risse der kapitalistischen Gesellschaft zu verdecken, machen ihn in der Tat zum, wenngleich sehr viel schwĂ€cheren, ideologischen WiedergĂ€nger des Nationalsozialismus.
Felix Bartels













