Weinbautag 2015: Sachsenwinzer setzen weiter auf Goldriesling
Die Reben auf den meisten Weinbergen sind bereits geschnitten. Die Winzer haben viele Jungweine des Jahrgangs 2014 schon abgefüllt, nicht wenige Flaschen stehen seit Wochen in den Regalen der Vinotheken und Fachgeschäfte. Auf dem Weinbautag am Wochenende auf Schloss Wackerbarth zog der regionale Weinbauverband eine erste Bilanz auf Grundlage belastbarer Zahlen: Im Anbaugebiet Sachsen mit seinen zwei kleinen Enklaven bei Jessen (Sachsen-Anhalt) und Schlieben (Brandenburg) bewirtschaften aktuell 2485 Winzer eine Rebfläche von insgesamt 492 Hektar, sagte Frieder Tränkner vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie.
Gut besucht: Der Weinbautag 2015 im Staatsweingut Schloss Wackerbarth - Foto: Weinbauverband/Kahle.de
Es gibt allerdings nur 35 Haupterwerbswinzer beziehungsweise Betriebe, die ausschließlich vom Weinbau leben. 99 Prozent aller Weinstöcke in Sachsen hegen und pflegen mehr oder weniger geschickt Kleinwinzer, die den Weinbau als Hobby betreiben. Mit einem Ertrag von 42 Hektolitern je Hektar lag das Jahr 2014 im langjährigen Durchschnitt. Insgesamt wurden 20.016 Hektoliter gelesen, letztendlich doch deutlich mehr als 2013 und etwa so viel wie 2012. Zum Ende der Lese hatten die Verantwortlichen zunächst mit geringeren Erntemengen gerechnet, da feucht-warmes Wetter und damit einsetzende Fäulnis einige Betriebe bei manchen Rebsorten zu regelrechten Notlesen veranlasst hatten. Es wurde fast rund um die Uhr von den Weinstöcken geholt, was ging.
Frühe Schlechtwetterlese mit geringen Mostgewichten
Das macht sich dann beim Mostgewicht bemerkbar. Das durchschnittliche Mostgewicht lag mit 78 Grad Oechsle ähnlich niedrig wie im verregneten Jahr 2010, was leichte Weine mit geringerem Alkoholgehalt erwarten lässt. Allerdings kann beim Ausbau des Weins durch Zugabe von Zucker der Alkohol reguliert werden. Der Kellermeister des Weingut Jan Ulrich, Ronny Koch, sagte: „Als Faustregel gilt in vielen Betrieben, bis zu einem Mostgewicht von 80 Grad Oechsle wird gärendem Most Saccharose zugesetzt.“ Der Kristallzucker werde von den Hefen in Alkohol umgewandelt. Diese Anreicherung ist bei Qualitätsweinen bestimmter Anbaugebieten zulässig, nicht jedoch bei Prädikatswein. Bei Qualitätsweinen werde hingegen vom Weingesetz sogar ein Mindestalkoholgehalt vorgeschrieben, der in schlechten Jahren ohne Anreicherung kaum zu erreichen sei, so Koch weiter. Das vergleichsweise niedrige Mostgewicht liegt vor allem daran, dass wegen des Fäulnisdrucks viele Rebsorten 2014 teilweise vor dem optimalen Reifetermin gelesen werden musste.
Sogenannte Weinhoheiten aus den Anbaugebieten Sachsen und Saale-Unstrut servieren auf dem Weinbautag jeweils ausgewählte Weine und moderieren das Fachprogramm. - Foto: Weinbauverband/Kahle.de
Besonders große Steigerungen der Erntemengen im Vorjahresvergleich konnten die sächsischen Winzer bei den Rebsorten Bacchus, Kerner, Elbling und Goldriesling verzeichnen. Der nur noch in Sachsen gewerblich angebaute Goldriesling ist weiter auf dem Vormarsch, standen 2002 noch elf Hektar im Ertrag, waren es im vergangenen Jahr fast 25 Hektar. Die Rebsorte, aus der ein leichter Zechwein ausgebaut wird, ist seit gut 100 Jahren in Sachsen heimisch und wegen des späten Austriebs und der frühen Reife gut an das nördliche Klima mit Spätfrösten und frühem Herbstbeginn angepasst. Zudem wird der Goldriesling als Rarität angeboten und das - nach Einschätzung vieler auswärtiger Weinexperten - oftmals zu teuer. Im vergangenen Jahr wurden vom Goldriesling mehr als 1.500 Hektorliter geerntet. Im Vergleich zu 2013 wurde damit fast ein Fünftel mehr Goldriesling geerntet. Auf eine Preissenkung dürfen Verbraucher durch den Mehrertrag allerdings kaum hoffen, da die Betriebs- und Personalkosten für die Winzer steigen.
Renaissance: Der Goldriesling ist in Sachsen weiter auf dem Vormarsch. - Foto: Lars Müller
Da immer mehr sächsische Winzer auf neue, pilzwiderstandsfähige Sorten setzen, müssen sich die Verbraucher auch an neue Sorten gewöhnen: Souvignier gris, Cabernet blanc oder Muscaris könnte immer häufiger auf den Etiketten stehen. Einige Winzer sehen aber den Trend zu neuen Sorten, die vor allem im Weinberg durch weniger Pflanzenschutz und damit verbunden geringerem Arbeitsaufwand die Kosten senken, aber auch kritisch und wollen weiterhin überwiegend traditionelle Sorten ausbauen.
Beim Rotwein haben sächsische Betriebe einiges an Beständen, wie die Statistik der Landesamtes zeigt. - Foto: Lars Müller
Eher schwer hat es derzeit offenbar Rotwein aus Sachsen.Vom Spätburgunder abgesehen, wurde 2014 durchweg weniger Rotwein gelesen. Neben bekannten Spätburgunder, Dornfelder, Regent, Frühburgunder und Dunkelfelder tauchen auch beim Rotwein immer mehr neue Sorten auf, wie Cabernet Cordis, Cabernet Carbon oder Cabernet Dorsa. Selbst Rondo – in der DDR der Inbegriff für Kaffee - gibt es demnächst als Rotwein. Die Vermarktung der Weine mit diesen Namen dürfte für die Winzer eine Herausforderung werden, da gerade die sächsischen Weinfreunde eher traditionell veranlagt Altbekanntes bevorzugen.
Wo liegt noch alter Wein Keller?
Dabei müssen die sächsischen Winzer insbesondere beim Rotwein den Verkauf ankurbeln. Einer Erntemenge von weniger als 4.000 Hektolitern 2014 stehen im Rotweinsektor Weinbestände von 8.000 Hektolitern gegenüber. Allerdings reifen Rotweine auch mehrere Jahre, sodass sie sich später noch gut verkaufen lassen. Beim Weißwein hätten sich Erntemenge und Bestand wieder angeglichen, so Tränkner vom Landesamt. Da allerdings noch immer auch ältere Weißweine in den Regalen auftauchen, ist davon auszugehen, dass insbesondere die größeren Betriebe mitunter Lagerbestände in ihren Kellern haben, die sie nur ungern zugeben. Immerhin wird der hohe Preis des Sachsenweins unter anderem mit seiner Knappheit begründet. Kleine Betriebe sind hingegen tatsächlich häufig nahezu ausverkauft.
Die Vorstandswahl des Weinbauverbandes Sachsen wurde auf Mai verschoben. Geschäftsführer Enrico Friedland hält danach eine Neuausrichtung durchaus für möglich. - Foto: Weinbauverband/Kahle.de
Im Weinbestand sind übrigens auch alle Weine erfasst, die von Betrieben aus anderen Anbaugebieten zugekauft und vermarktet oder in Cuvées oder im Sektgrundwein verarbeitet werden. Auch über den Weinzukauf schweigen die Betriebe lieber, weil er dem Image vom aufwendig produzierten Sachsenwein wenig zuträglich erscheint, mitunter aber betriebswirtschaftlich notwendig ist.
Foto: Lars Müller (auch erschienen in den DNN)












