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Hobart, Tasmanien, immer noch im Pickled Frog (direkt am prasselnden Feuer), nach der dritten Überarbeitung inzwischen 00:42 Ortszeit (tumblr hat seine Tücken und das Netz hier ist nicht berauschend):
In Tasmanien ist es tatsächlich recht kühl zu dieser Jahreszeit, vor allem in der Nacht. In meinem Hostel fühle ich mich sehr wohl, die Leute hier sind recht ruhig und auch schon um diese Zeit leeren sich langsam die verwinkelten und wahnsinnig gemütlichen Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss. Also: Keine kreischenden betrunkenen Backpacker und schon gar keine Deutschen. Dafür habe ich vorgestern eine äußert symphatische und gleichaltrige Dame aus Wien kennengelernt, die gerade auf Weltreise ist und mit der ich die letzten beiden Tage verbacht habe. Nach einem morgendlichen Besuch des Salamanca Markets und einem unkonventionellen Frühstück an einem Burrito-Stand (für mich mit Gemüsefüllung und Tofu, für sie mit Wallaby) ging es gestern vormittag mit der Fähre los auf die Halbinsel Berriedale, wo das beinahe schon sagenumwobene MONA (Museum of old and new Art) sein Zuhause hat. Unterwegs konnten wir schon einen Blick auf die nährere Umgebung und die Strände werfen. (Sehr rau, sehr grün, sehr windig. Viele kleine einsame Bungalows zwischen verwittert und supermodern).
Dort angekommen haben wir erst das Außengelände erkundet und ich muss zugeben, dass ich im Angesicht der tollen Architektur draußen ganz das Fotografieren vergessen habe. Ganz unten rechts sieht man dafür lustige runde Hühner, die wir bei einer kurzen Frischluftpause beinahe mit beweglichen Exponaten verwechselt hätten. Das MONA kann man schlecht in wenigen Sätzen beschreiben und die drei Kunstwerke, die sich am Besten (oder überhaupt) fotografieren ließen sind nicht unbedingt die, die ich auch am beeindruckendsten fand. Das “subversive Disneyland für Erwachsene” ist komplett unterirdisch und der verspiegelte Eingang lässt keine Rückschlüsse auf die Gewaltigkeit und Größe der darunterliegenden Hallen zu.
Die Kunstwerke sind nicht beschriftet, am Eingang gibt es Kopfhörer und “Smartguides”, neben ein paar Zitaten gibt es zum Teil passende Musik, zum Teil Interviews mit den Künstlern, manchmal auch eher kryptische Hinweise, die eigentlich keine sind. Und was gibt es unten? Gewaltige Installationen in zweierlei Hinsicht, Skulpturen oder eher “Gegenstände”, bei denen man sich nicht entscheiden kann, ob sie wunderschön oder ekelhaft sind (Stichworte: Taxidermie, Käfer, Fliegen, Knochen, gebrauchtes Drogenbesteck), zwischendurch zum Aufatmen immer mal wieder etwas skurilles und spaßiges, wie die “Affectionate Couch” (Ein wolliges und vibrierendes Sofa, das Geräusche von sich gibt, die an darin eingesperrte Hundebabys erinnert. Okay, doch auch irgendwie ein bisschen verstörend) oder “A portrait of Madonna”, einen Raum, in dem man in spacigen und sehr bequemen silbernen Sitzsäcken entspannen und kollektive Madonna-Karaoke auf Fernsehbildschirmen beobachten kann. Schwer verdaulich (und alles andere als geruchlos) auch die vielfach diskutierte Cloaka aka “Poo Machine”, die täglich um 16 Uhr gefüttert wird und, genau: Scheiße produziert. Still ist es im MONA übrigens nirgendwo und bei dem ganzen Knarzen, Rauschen und Quietschen, das aus allen Ecken kommt, vergisst man schnell mal den Audioguide und erfasst nicht mehr einzelne Werke, sondern diesen dunklen und bezaubernden Ort in seiner ganzheitlichen Schönheit. Und sonst? Haufenweise echte Sarkophage, ein Labyrinth voller Binärcodes, die das Gilgamesh-Epos nacherzählen, verschiedene Räume, in denen man vom Personal nicht umsonst vor Wasser und Stroboskop gewarnt wird, aber ich will nicht zu viel spoilern, falls jemand von euch mal nach Tasmanien kommt. Dann ist ein Besuch des MONA nämlich fast schon Pflicht. Bitte entschuldigt, dass ich euch jetzt nicht mit Interpretationen bezüglich Zeitgeist und Verfall langweile - das haben andere zur Genüge getan. Ich jedenfalls bin schwer beeindruckt und werde, wenn es irgendwie geht, noch einmal im MONA vorbeischauen bzw. ein bisschen darin verlorengehen.

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The Derwent River is a tidal river. In 50 years a lot of money has to be spent on MONA or it's going to be underwater.
David Walsh, The New Yorker, 2013
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