Peru II – Cusco, Nazca, Huacachina, Paracas und Lima
Kaum eine andere Stadt ist so mit der Inkazeit verknüpft wie Cusco. Von hier aus wurde das riesige Reich regiert, welches sich zur Zeit seiner maximalen Ausdehnung von Kolumbien im Norden bis nach Chile und Argentinien im Süden ausdehnte. Dementsprechend ist Cusco und dessen Umgebung für Interessierte der Inkakultur sicherlich einen längerer Aufenthalt wert. Wir beließen es bei einer interessanten Stadtführung und erkundeten die restliche Stadt noch etwas auf eigene Faust. So besuchten wir beispielsweise den tollen lokalen Markt „San Pedro“ und begaben uns zu dem Aussichtspunkt „Pukamuqu“. Für den folgenden Tag planten wir eigentlich einen langen Tagesausflug zum Rainbow Mountain. Dabei hätten wir um 3 Uhr Morgens abgeholt werden sollen, um dann zu einem farbenprächtig gestreiften Berg auf über 5000 m zu gelangen. Kurz vorm Schlafen gehen, wurden wir allerdings benachrichtigt, dass durch einen großen Streik wegen gestiegener Treibstoffpreise die Ein- und Ausfahrten nach Cusco blockiert sind und unserer Tour somit ausfällt.
Die Stadt verwandelte sich über Nacht in eine große Fußgängerzone. Dadurch verbrachten wir den kommenden Tag sehr relaxt. Wir liefen etwas durch die Straßen und beobachten die sehr friedlichen Proteste. So wurde bei einem zentralen Platz beispielsweise eine Schnur gespannt und auf offener Straße Volleyball gespielt. Nur gelegentlich musste dabei ein Polizeifahrzeug durchgelassen werden. Zudem verweilten wir einige Zeit im Schokoladenmuseum, wo die Themen zum leckeren Süß nicht nur theoretisch sondern auch praktisch behandelt werden. Es gibt kostenlose Führungen mit kleinen Kostproben, „Schokololade-Selber-Herstell-Workshops“, einen Laden, der sehr leckere Bio-Schokoladenprodukte anbietet und ein kleines Café für all diejenigen, die sofort genießen möchten.
Nachdem der Streik gegen Abends ausgestanden war, folgte die letzte Nachtbusfahrt der Reise. Es ging zurück ins Tiefland nach Nazca. Der Ort selbst ist sicher keine Reise wert, aber in dessen Nähe befinden sich die Nazca-Linien. Die Entstehung und Bedeutung der Linien im Boden der Wüste, welche unterschiedliche Motive wie z. B Mensch, Affe und Kolibri zeigen, sind wohl noch immer nicht zu 100 % geklärt. Allerdings wird davon ausgegangen, dass diese im Rahmen von Fruchtbarkeitsritualen in den Jahren 800 – 600 v. Chr. angelegt wurden.
Diese Darstellungen sind am besten aus der Luft erkennbar, weshalb wir einen Rundflug buchten. Die sehr kleine Maschine war für 4 Passagiere ausgelegt, sodass wir die Flugdynamik stark zu spüren bekamen und es uns beim ungewohnten Kurvenfliegen bisweilen etwas schlecht wurde. Dennoch ein lohnender Ausflug.
Noch am gleichen Tag fuhren wir weiter entlang des staubtrockenen Küstentieflandes nach Ica. Genauer gesagt, ging es in das benachbarte Huacachina. Umgeben von Sanddünen liegt diese kleine touristische Oase ganz in der Nähe von Ica. Am ersten Abend wanderten wir auf eine nahe gelegene Düne und am kommenden Tag nahmen wir an einer der zahlreichen Buggytouren teil. Neben der rasanten Fahrt über die Dünen, konnten wir auch Sandboarden. Leider war dies nur liegend auf dem Board erlaubt.
Am folgenden Tag nahmen wir einen Bus nach Paracas. Dies ist ein kleines touristisches Dorf am Meer, von welchem viele kurze Bootstouren zu den „Islas Ballestas“ angeboten werden. Die Küste Perus bietet für uns keine Postkartentraumstrände. Das Wasser ist sehr kalt, nicht kristallklar und die Strände selbst sind auch nicht super einladend. Nichts desto trotz war der rund 2-stündige Ausflug zu den Inseln sehr schön. Diese werden von unzähligen Vögeln, Krebsen, Seesternen, Seelöwen und sogar Pinguinen bewohnt. Durch die schiere Menge an Vögeln riecht es sehr nach Vogelkot. Allerdings ist dieser ein exzellenter natürlicher Dünger, weshalb er auch ein lohnendes Exportgut ist.
Abschluss der Reise bildete der zweitägige Besuch der Hauptstadt Perus. In der großen 11-Millionenstadt Lima nahmen wir wieder an einer interessanten Stadtführung teil, besuchten Märkte und schlenderten einfach durch die Straßen. Trotz der Größe der Stadt gibt es nur eine S-Bahn Linie. Ansonsten erfolgt der gesamte Nahverkehr mit Bussen. Zusätzlich gibt es Express-Busse die auf eigens reservierten Fahrbahnen fahren, wodurch ein schnelles vorankommen trotz Stau gewährleistet ist.
Besonders in Lima – aber auch teilweise im restlichen Teil Perus – fiel uns ein großes Wohlstandsgefälle auf. An manchen Ecken der Stadt wohnen Menschen unter einfachen Bedingungen. In anderen Gegenden steht der Porsche vor der elektrozaungesicherten Villa.
Den letzten Tag spazierten wir zunächst - im “besseren” Stadtteil Miraflores - entlang der Küste. Auch wenn dieser Stadtteil direkt am Meer liegt, ist das Meer nicht besonders attraktiv. Dafür war es interessant den unzähligen Paragleiter beim fliegen entlang der Steilküste zuzuschauen. Abschließend bewunderten wir den fantastischen Park „El Circuito Magico del Aqua“, welcher viele Wasserspiele bietet. Am Abend sind diese Wasserbögen- und Fontänen kunstvoll beleuchtet. Zudem fand eine Lasershow mit vielen Eindrücken aus Peru statt. So konnten wir unsere Peru-Reise mit den Bildern der Show noch einmal passend zum Abschluss Revue passieren lassen. Sowohl auf dem Hin- und Rückweg vom und zum Park befanden wir uns in einem riesigen Trubel. Ungefähr zur gleichen Zeit fand nebenan das letzte Fußballfreundschaftsspiel zwischen Peru und Schottland vor der WM statt. Daher durften wir miterleben, was es heißt im Nahverkehr dicht an dicht „gedrückt“ zu werden. Peru und Bolivien sind fußballverrückte Länder. Dementsprechend wichtig war dieses Spiel für die Einheimischen.
Auch Peru hat uns gefallen und ist eine Reise wert. Dennoch waren für uns die Highlights der Reise mehr auf bolivianischer Seite. Nicht nur die außergewöhnliche 3 Tagestour im Südwesten Boliviens, sondern auch insgesamt hat uns Bolivien etwas mehr in den Bann gezogen. Es ist deutlich weniger touristisch und fühlt sich ursprünglicher an. Die Menschen sind extrem freundlich und unaufdringlich.