This paper turns to the thought of Yan Thomas to address the way of constructing categories and operating through them that is typical of la
Yan Thomas und Cornelia Vismann
Alain Pottage und Xenia Chiaramonte diskutieren Yan Thomas und (Chiaramonte am Rande) Cornelia Vismann. Vismann, das könnte man noch stÀrker betonen, verfolgt in ihrem Schreiben eine 'Doppelbewegung' (Siegert), mit der sie einerseits so primordial wie möglich denkt, um anderseits dieses Denken zu 'irrisieren' (Viveiros de Castro), also in kleinen Formen und kleinen Literaturen mÀandernd und akzentuiert (sic!) laufen zu lassen.
Man kann diese Doppelbewegung auch als Effekt der Wiederholung, also zum Beispiel der Rekursion, der Paarbildung, der Reproduktion oder der Mimesis verstehen. Vismann wiederholt mit ihrer Doppelbewegung im Schreiben eine Doppelbewegung, die auch schon lÀuft, wenn das Recht etwas instituiert oder instituiert ist und, darauf hat Vismann insistiert, zur selben Zeit etwas substituiert oder substituiert ist.
Man kann diese Doppelbewegung zwischen groĂer Referenz und kleiner Form/ Literatur zum Beispiel als Echo/ Eco, sogar als Bildökonomie und Bildökologie rhetorischer Institutionen, noch als Resonanz oder aber als kritische ResponsivitĂ€t der Musterung verstehen, die u.a. von Cicero und Quintilian auf das Begehren und dann auf eine Skala bezogen wird, deren hohe Werte (als) sublim und deren niedrige Werte (als) subtil verstanden werden. Mit dieser Doppelbewegung misst Vismann das Recht. Dieses Missen ist ein Messen und Begehren selbst. Vismanns Doppelbewegung geht auf und ab, sie taucht auf und ab. Das ist die aBewegung einer Woge, die sie selbst ist. Jacob Burkhardt, einer der von Vismann bewunderten Baseler ArchĂ€ologen, sagt von Wogen, dass wir sie zum Teil selbst seien. Vismann ist zum Teil selbst diese Woge, weil sie instituiert ist und instituiert, weil etwas daran substituiert und substituiert ist. Das nimmt Vismann als Recht und römisch wahr. Ich betrachte es in dem, was daran juristische Methode und noch viel mehr juridische Kulturtechnik ist. FĂŒr mich fĂŒhrt es in falsche Richtungen, Vismann als eine Theoretikerin und Historikerin dessen zu lesen, was dem Recht oder dem Abendland eigen und zur selben Zeit seine Macht sei. You may read her as you like it, aber die Theorie und Geschichte der machtfixierten KittlerreprĂ€sentation blockiert mir meine Fragestellungen nach der Wiederholung, der Ăbertragung und Ăbersetzung. Sie blockiert mir meine Fragestellung an eine Bild- und Rechtswissenschaft sowie an eine Geschichte und Theorie unbestĂ€ndigen, polaren und vaguen Rechts. Thomas Vesting hat die Sackgassen einer LektĂŒre, die Vismann als Vertreterin Kittlers und Denkerin der Macht liest, grell, deutlich, unmissverstĂ€ndlich und mit entsetzlicher SchriftsĂ€tzlichkeit vorgefĂŒhrt, um den Anwalt liberaler KreativitĂ€t zu geben. Einerseits irre, anderseits kein Wunder, dass Vismann ihn auf diese Weise nicht anregt. Wenn man sie so liest, wie er es tut, dann wĂ€re sie mir auch öde. Ich halte sie aber fĂŒr wĂŒst.
Wenn man Vismanns Doppelbewegung als kritische ResponsivitÀt versteht, dann operiert Vismann in ihrer Kritik am Recht nicht mit der Trennung, die das Subjekt der Wissenschaft vom Objekt der Wissenschaft isolieren soll. Vismann nimmt an einem melancholischen Diskurs melancholisch teil. So eine Kritik ist eventuell der Ironie affin bis verwandt, sie ist aber 'ebenso eventuell' auch der kannibalischen Metaphysik (de Castro) affin bis verwandt.
Man soll nicht vergessen, dass Vismann nur angefangen hat mit ihrer Wissenschaft und das alles, was sie produziert war, Anfang und diagonal, also durchgehend blĂŒhend und doch schon welkend, durchgehend spriessend und auf Sprossen war. Sagen wir anverwandelt und angesteckt so: Bianca Lanz hat lanciert, immer lanciert. Ihr Tun ist dem immer aufsteigenden Ja! von Alexander Kluge hoch affin und tief verwandt.
Man kann Vismann erstens als Bild- und Rechtswissenschaftlerin und zweitens als Historikerin und Theoretikern des Begehrens und seiner Wiederholung lesen. Das wĂ€re mein Vorschag, der zum Gegenvorschlag wird, wenn man Vismann als Historikerin und Theoretikerin der Macht liest - oder meint, der Text zu 'Kulturtechnik und SouverĂ€nitĂ€t' sei das grundlegende und zusammenfassende Manifest ihrer Forschung gewesen. Es gibt mehr eine Vismann. Es gibt mehr als eine LektĂŒre Vismanns. Ich fokussiere in ihrem Schreiben also erstens diejenige Schreiberin, die auch Bildwissenschaftlerin ist und dabei eine Geschichte und Theorie graphischer ZĂŒge entwickelt. Zweitens betrachte ich sie als eine, die zum Begehren forscht, und zwar begehrend.
Mein Vorschlag: Vismann nicht als ReprĂ€sentantin eines Kreises lesen, der im Namen Kittlers existieren wĂŒrde. Mehr noch: diese Lesart halte ich fĂŒr absurd bis grotesk. Es mag plausibel klingen zu behaupten, was RĂŒdiger Campe oder Thomas Vesting behaupten, nĂ€mlich, dass sie das, was Kittler gedacht hĂ€tte, auf das Recht anwenden oder 'beziehen' wollte (O-Ton Campe!). Geht aber meines Erachtens gegen alles, was Vismanns Denken mir auszeichnet und mir attraktiv macht, zum Beispiel gegen die UnbestĂ€ndigkeit und Unruhe, das Klamme und Fröhliche eines Denkens, dem MeinungsreprĂ€sentanten eventuell nicht egal sind, aber zu denen dieses Denken eine eher staunende Distanz hat. Wie schaffen die Personen es nur, ihre Meinung zu stellvertreten - und das auch noch so anhaltend und durchhaltend, dass man noch nach Jahren sagt, dieser stehe fĂŒr dies, der andere fĂŒr das? Wie kommts, dass Juristen schreiben und mit einem Zitat aus dem Pieroth/Schlink belegen, dass Luhmann ein Vertreter, zwar nicht von Staubsaugern, aber immerhin der Leistungststheorie der WĂŒrde sei? Dieses Staunen nehme ich wahr, wenn ich Vismann lese. Von daher ist es vielleicht eine Ironie, vielleicht ein schlechter Witz, wenn jetzt bei Leuten steht, Vismann sei eine Vertreterin, vielleicht nicht von Avon (Ding-Dong), aber immerhin von Kittlers Ideen. Kittlers Denken muss doch far nicht auf das Recht bezogen werden, denn es durchzieht doch schon das Recht und ist schon von Recht durchzogen. Die LektĂŒre, die Vismann als ReprĂ€sentantin Kittlers liest, geht doch auch gegen das an Kittler, was ihn mir so interessant macht. Der hatte sicher auch Vaterphantasien und MachttrĂ€ume, aber das macht seine Analyse und Kritik von Medien und MĂ€dchen ja noch witzreicher. Ceterum Censeo: Tubinga delenda est. Hoffentlich, hoffentlich macht Helsinki bei der VismannlektĂŒre keinen Quatsch, sonst muss auch Helsinki noch ausgelöscht werden.
Vismanns Texte ĂŒber Akte(n) sind auch Texte ĂŒber Passionen. Das sind Texte ĂŒber graphische ZĂŒge, die sie modellhaft, exemplarisch, mal eher reprĂ€sentativ, mal eher symptomatisch an vaguen Linien, wogenden Linien, an 'Kafkas Saum', an Albertis Velum, am Ideogramm der Kanzleien und am Entzug von Phrynes Trachten beschreibt.
Sowohl Yan Thomas' Arbeiten als auch Vismanns Arbeiten betrqachten das Recht aus einem Denkraum heraus, in dem Recht und Stadt koextensiv sind. Chiaramonte ĂŒbersetzt ab urbe condita als Text eine Stadt, die gegrĂŒndet sei. Das ist nur die eine Seite. Ab urbe condita ist auch der Text einer Stadt, die gereizt und reizend ist, in der also jeder Akt und jede Akte mit Passion, Pathos, Pathologie oder Pathosformeln einhergeht. Darin ist alles, was als Aktant erscheinen kann, auch Passant. Alle Akten sind auch Passagen und PĂ€sse.
Chiaramonte fokussiert einen akademischen Zirkel der Thomas_LektĂŒre, das ist feiner Text ĂŒber Thomas. Wie Alain Pottage assoziiert sie sein Werk mit dem von Vismann, wenn auch nur einem Schlenker, der zudem noch auf das (Para-)Digma des Textes bezogen wird. Arche ist bei Vismann aber nicht unbedingt Text, Sprache oder Schrift. Arche und Archiv können Effekt eines Distanzschiffens und wogender Graphien sein, das stellt Vismann mit ihrer legendĂ€ren Assoziation amazonischer Verwaltung und römischer Bilderlisten klar. Es gibt darum, darauf fokussiert, eine anregende, aufregende anhebende brasilianische Rezeption von Yan Thomas und Cornelia Vismann, das sind die Arbeiten von Benjamin Brum, Ricardo Spindola, Samuel Barbosa, Melanie Merlin de Andrade und Bruno Lima. Am MPI in Frankfurt, Cornelias ehemaliger ArbeitsstĂ€tte, existiert seit 5 Jahren eine Zentrum der Forschung auch zu dem, was Vismann Instituieren nannte. Please stay tuned! And don't trust Staatsrechtslehrervereinigung.
Ceterum Censeo: Francofurtum esse delendam. Neuen kantianischen Imperativ unbedingt befolgen: Staatsrechtslehrer sollen vergessen werden.
Dieses Löschen wird aktiv und passioniert durch Ăberschreibung vorangetrieben. Am MPI setzen wir Vestings Lesart der Medien des Rechts andere LektĂŒren entgegen. Im Wintersemester halte ich sogar wieder eine Vorlesung am Fachbereich: Bilder regeln. Forschung zur Bild- und Rechtswissenschaft', 4 SWS.