Inhalt: Christoph ist erst sechzehn, als er stirbt â er prallt nachts mit seinem Fahrrad auf ein entgegenkommendes Auto. Alles, was von ihm bleibt, ist eine Urne Asche. Doch vier seiner besten Freunde wollen nicht akzeptieren, dass mit der Beisetzung einfach alles zu Ende sein soll. Hatte Christoph sich nicht immer gewĂŒnscht, die Welt zu entdecken? Die vier graben seine Urne aus und machen sich damit auf eine lange Reise â eine Reise, auf der sie erkennen, was Freundschaft wirklich bedeutet. (via goodreads)
Vier Beutel Asche hat ziemlich lustig angefangen. Das klingt jetzt ganz falsch, schlieĂlich geht es in dem Buch um den Tod eines 17jĂ€hrigen Jungen und die Menschen, die er damit zurĂŒcklĂ€sst. Dennoch war es der Humor, der mich zuerst an die Seiten gefesselt hat, denn Ich-ErzĂ€hler Jan sprĂŒht nur so vor bissigen SprĂŒchen und lakonischen GedankengĂ€ngen.
Die ersten 150 Seiten war ich also guter Dinge. Da machte sich allerdings schon bemerkbar, dass das Buch seine LĂ€ngen hat. Manchmal wiederholt der Autor bereits bekannte Fakten oder hĂ€lt sich an unnĂŒtzen Beschreibungen auf. Mit 100 Seiten weniger hĂ€tte ich das Buch direkt viel angenehmer gefunden.
Leider ist das nicht das einzige, was die zweite RomanhĂ€lfte zu einem kleinen Kampf gemacht hat. Je nĂ€her Jan und seine GefĂ€hrten ihrem Roadtrip kamen, desto mehr gingen sie mir auf die Nerven. Jans AggressivitĂ€t ergriff immer öfter die Oberhand, aber dennoch frustrierend. Er fĂŒhlt sich mĂ€chtig als er eine Pistole in der Hand hĂ€lt, er entscheidet (gedanklich) darĂŒber, wen die MĂ€dchen die ihn begleiten kĂŒssen dĂŒrfen und wen nicht (Selina war Christophs Freundin und ist damit in seinen Augen fĂŒr jedes mĂ€nnliche Wesen tabu) und es fĂ€llt ihm zunehmend schwerer seine GewaltausbrĂŒche zu kontrollieren. Mag realistisch sein, hat ihn mir aber unsympathisch gemacht.
Ăhnlich unberechenbar fand ich seinen Begleiter Maik. Die beiden MĂ€dchen Selina und Lena tragen eigentlich recht interessante Konflikte mit sich aus. Allerdings bekommt man davon nur in GesprĂ€chen etwas mit. Vielleicht hĂ€tten verschiedene Perspektiven dem Buch gut getan?
Thematisch wurde manchmal zu dick aufgetragen. Mit dem Thema Tod und Sterben wird zwar sensibel und nachdenklich umgegangen, aber keine der vier Hauptfiguren scheint normale Eltern zu haben. Alle haben irgendeine seltsame Macke. Genauso ging es mir mit Jans Gedanken. Oft verfÀllt er in ein nachdenkliches Wirrwarr, das an vielen Stellen anspruchsvoll und interessant ist, an anderen aber leider ins Unoriginelle abrutscht.
Alles in allem ein guter Ansatz fĂŒr einen deutsch-französischen Roadtrip (allerdings auf Mopeds... das ist so unkommunikativ), der am Anfang durch seinen bissigen Humor ĂŒberzeugt. Danach hĂ€tten ordentlich Plotstraffung und ein paar mehr Sympathiemomente fĂŒr den Protagonisten gut getan.
© Miss Bookiverse 2013