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Blockierte Muskelverfettung: Neue Therapie gegen Diabetes
Von Dr. Andrea Bannert, Medizinredakteurin
Übergewicht ist eine der Hauptursachen für Diabetes vom Typ 2. Bei den Patienten sammelt sich schon im frühen Stadium das Fett nicht nur unter der Haut, sondern auch direkt in den Muskeln an. Das scheint den Krankheitsmechanismus erst so richtig in Schwung zu bringen.
Rick Vega und seine Kollegen vom Sanford Burnham Prebys Medical Discovery Institute in Orlando haben nun möglicherweise einen Weg gefunden, die Fetteinlagerung zu blockieren und so die Krankheit zu stoppen.
„Warum sich Fett bei übergewichtigen Diabetes-Patienten in den Muskeln ablagert, wissen wir noch nicht genau“, sagt Vega gegenüber NetDoktor. Der Forscher vermutet, dass mehrere Mechanismen die Fettspeicherung aktivieren.
Dazu bei trägt vermutlich die Insulinresistenz, die für Typ-2-Diabetes charakteristisch ist, glauben die Forscher. Bei den Betroffenen reagieren die Zellen, insbesondere die Muskelzellen, zunehmend träge auf den Zuckerschleuser Insulin. Der Grund: Durch das ständige Überangebot von Zucker im Blut haben sie auf ihrer Oberfläche die Andockstellen für das Zuckerhormon reduziert.
Nadel im Heuhaufen
Vega und seine Kollegen haben sich auf die Suche nach einem körpereigenen Molekül gemacht, das sowohl mit der Insulinresistenz als auch mit der Ansammlung von Fett im Muskelgewebe in Verbindung steht. Dazu untersuchten sie tausende von Proteinen – und wurden schließlich fündig: Sie entdeckten ein Molekül namens MondoA, das in den Muskelzellen sitzt.
MondoA ist ein Glukosesensor – das heißt, er registriert, wie viel Zucker verfügbar ist. Ist Glukose reichlich vorhanden, aktiviert das Protein den Aufbau von Fettdepots im Muskel. Gleichzeitig limitiert das Signalmolekül die Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die Muskelzelle. So wird das Muskelgewebe noch resistenter gegen Insulin.
Die Verfettung der Muskelzellen hat noch weitere ungesunden Folgen: Vega vermutet, dass bestimmte Zwischenprodukte, die bei der Umwandlung von Glukose in Fett entstehen, die Insulinresistenz auch direkt verstärken und damit die Krankheit zusätzlich ankurbeln.
Wirksam gegen Übergewicht und Diabetes?
In Experimenten mit Mäusen haben die Forscher ihre Hypothese überprüft. Und tatsächlich: Blockierten sie MondoA in der Muskulatur der Tiere, mithilfe eines synthetisch hergestellten Moleküls, speicherten diese weniger Fett – und das, obwohl sie fettreiche Nahrung zu fressen bekommen hatten. Gleichzeitig ging auch die Insulinresistenz der Tiere zurück.
„MondoA-Blocker könnten eine völlig neue Möglichkeit eröffnen, Diabetes-Typ-2 in einem frühen Stadium zu behandeln“, hofft Vega. Das Ganze hätte noch einen angenehmen Nebeneffekt: Da ein solcher Wirkstoff den Fettstoffwechsel ankurbeln würde, könnte er auch die Pfunde schmelzen lassen.
Als nächstes wollen Vega und seine Kollegen die Wirkung von MondoA beim Menschen genauer untersuchen. Zudem suchen sie nach weiteren Verbindungen, die MondoA ohne gravierende Nebenwirkungen intestine hemmen können. Ob die Ergebnisse der Wissenschaftler wirklich den Weg zu einer Wunderwaffe gegen Typ-2-Diabetes ebnen, wird sich erst noch zeigen.
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Behinderter Glukosetransport
90 Prozent aller Diabetiker leiden unter Typ-2-Diabetes. Die Zahl der Insulinbindestellen in den Zellmembranen nimmt ab. Dadurch wird Glukose nicht mehr in ausreichendem Maße von den Zellen aufgenommen und in Energie umgewandelt. Sie verbleibt im Blut und stimuliert ständig die Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse mehr Insulin herzustellen – irgendwann erschöpfen sie sich und produzieren immer weniger Insulin – und der Blutzucker steigt noch mehr.
Quelle: Vega R. et al.: MondoA coordinately regulates skeletal myocyte lipid homeostasis and insulin signaling, Journal of Medical Investigation, eight. August 2016.
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Datum: 12.08.16 Quellen/Redaktion
Autor: Dr. Andrea Bannert
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