Ca. 1995 um die Mittagszeit
Your Leverage May Vary oder späte Rache für meinen Kumpel D.
In meiner Jugend galt es als lässig, zum Öffnen von Flaschen mit Kronkorken keinen Flaschenöffner zu benutzen. Stattdessen war es eine Art Sport, die Kronkorken möglichst geschickt mit irgendeinem gerade zuhandenen Gegenstand abzuhebeln. Beliebt waren Einwegfeuerzeuge, aber es ging auch gut mit anderen Flaschen, Besteckteilen oder den Stahllaschen von Auto-Sicherheitsgurten.
Etwas merkwürdig angeschaut wurde allerdings mein Freund D., als er diese Technik bei einem USA-Aufenthalt anwandte. “Interesting. We usually do it like this.” meinte sein Gastgeber und drehte den Deckel seiner Bierflasche einfach mit der Hand ab. In den USA hatten nämlich auch die mit Kronkorken verschlossenen Flaschen ein Gewinde, sodass sie sich mit etwas Kraft einfach aufschrauben ließen. (Sofern man nicht über die passenden Schwielen verfügte, musste man allerdings ein bisschen aufpassen, sich dabei nicht an den scharfen Kanten des Kronkorkens zu verletzen.)
Jahre später sitze ich in der Personalkantine im obersten Stockwerk des Mathematikgebäudes der TU Berlin und sehe, wie ein mir unbekanntes Gegenüber etwas verzweifelt versucht, am Kronkorken einer kleinen Colaflasche zu drehen. “Twisting doesn't work over here. May I help you?” sage ich und öffne die Flasche mit dem Griff meiner Gabel.
(Virtualista)
















