Der FrĂŒhling rĂŒckt nĂ€her...
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Der FrĂŒhling rĂŒckt nĂ€her...

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SiegessÀule in Berlin - Skizze
StraĂenbahnzug 9035 am Hackeschen Markt am 20.11.2025
182 025 am Hauptbahnhof Berlin am 21.11.2025
Kleine HĂ€user (14): Die Markthalle kommt nicht wieder
Karl-Liebknecht-StraĂe 11, Berlin-Mitte, 2020 (im Lockdown)
Zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 wurden die gastronomischen KapazitĂ€ten in der Hauptstadt der DDR planmĂ€Ăig gesteigert. Das galt inbesondere fĂŒr den Bereich um den Alexanderplatz. Wie die Zeitung Neue Zeit verkĂŒndete, war die Zahl der âTerrassenplĂ€tzeâ in der Gegend um den Ost-Berliner Besuchermagneten von um 1.500 PlĂ€tze auf fast 3.600 gesteigert worden. In den Rathaus-Passagen etwa waren die Weinstube âBodegaâ entstanden, die Bierbar âPilsatorâ und das EiscafĂ© âPinguinâ. Im Nikolaiviertel lockte das Lokal âZu den Arkadenâ mit âSchnellimbiĂangebotâ und eine âGaststĂ€tte Pizzaâ.  Unter den neu geschaffenen Lokalen war, wie die Neue Zeit berichtete, auch die âMarktschĂ€nke, die 80 GĂ€sten vorwiegend im Vorgarten Platz bietetâ.
2020Â
Der kleine Bau ruft nicht nur in seinem Namen, sondern auch in seiner architektonischen Gestaltung die Assoziation eines Marktstandes mit roter Markise auf, auch wenn diese in Wahrheit aus Blech besteht. Die Gestaltung war kein Zufall. AnknĂŒpfen und FortfĂŒhren alter Berliner Traditionen war hier die Devise. Denn an eben dieser Stelle hatte einst die â natĂŒrlich viel gröĂere â 1883â86 erbaute âMarkthalle Iâ gestanden. Nach Nordwesten war ihr die bis 1893 fertiggestellte âMarkthalle Iaâ gefolgt. Der Bau dieser beiden groĂen kommunalen Markthallen war die Antwort der Stadt auf den steigenden Lebensmittelbedarf der wachsenden Metropole, aber auch auf die unhygienischen ZustĂ€nde auf den MĂ€rkten unter freiem Himmel gewesen. Am heutigen Standort der MarktschĂ€nke hatten sich einst in der âMarkthalle Iâ  die Buden der âGroĂ-SchlĂ€chterâ befunden. Beide Hallen waren â wie die MarktschĂ€nke â direkt an die Stadtbahnbögen angebaut und nutzten diese auch als Markt- und LagerflĂ€chen. Â
2020
Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch waren die beschĂ€digten Markthallen abgerissen worden. Was zunĂ€chst wohl kaum bedauert worden sein dĂŒrfte, erzeugte in der DDR der 1980er-Jahre Verlustschmerz. Zwar war als Ersatz fĂŒr die alten Markthallen unter und hinter dem Scheibenhochhaus an der Karl-Liebknecht-StraĂe bis 1973 eine neue und moderne âBerliner Markthalleâ (heute âKauflandâ) entstanden (nach Entwurf des Architekten Gerhard Hölke).Â
Als die DDR noch an die Zukunft glaubte: Die âBerliner Markthalleâ am Alexanderplatz in einer Zeichnung von Hans-Peter Schmiedel, aus: Neues Deutschland, 6. Februar 1968
Nun jedoch, in den 1980er-Jahren, war auch in der DDR eine Zeit angebrochen, in der angesichts des gewaltigen Verlusts an OriginalitĂ€t, sei es im Bereich der Stadt, sei es auch im Bereich des Alltagslebens, versucht wurde, durchaus nostalgisch die Erinnerung an das Alte wiederzubeleben. Die Zeit der wĂŒrfelförmigen, dezidiert modernen GroĂgaststĂ€tten mit kosmopolitischen Namen wie âRestaurant Moskauâ war abgelaufen, nun suchte man auch im Zentrum der DDR nach Orten, die heimelig, gemĂŒtlich und traditionsbewusst wirken sollten. Eine symbolische Chiffre wie die Marktstand-Markise und der Name âMarktschĂ€nkeâ reichten schon, an eine tatsĂ€chliche Wiederbelebung der MĂ€rkte als einzigen Orten der tĂ€glichen Versorgung war nicht gedacht. Die AlltagsrealitĂ€t war und blieb der âKonsumâ-Supermarkt.
2019
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Dennoch schwebte die MarktschĂ€nke symbolisch damals weitaus weniger im luftleeren Raum als heute: In der fuĂgĂ€ngerzonenartigen FlĂ€che vor dem kleinen Haus fand damals tatsĂ€chlich tĂ€glich (auĂer Sonntag) ein Markt statt. Der Direktor der benachbarten groĂen âBerliner Markthalleâ, Harry Hartmann, der offenbar auch fĂŒr diesen Freiluft-Markt zustĂ€ndig war, erzĂ€hlte im April 1987 in der Berliner Zeitung darĂŒber. Er soll demzufolge die kaum glaubliche Zahl von 60 StĂ€nden umfasst haben. Weiter erzĂ€hlte Hartmann: âAus dem Spreewald kommen FaĂgurken und Sauerkraut. Frische Puffer und Pommes frites wird es geben, aber auch Zuckerwatte und frische Eier aus Bernau.â Damals begann also auch in der DDR eine bis heute andauernde Ăra: In Nischen wird das âHandgemachteâ und âAuthentischeâ halb bewahrt, halb inszeniert. An solchen Orten können  sich die GroĂstĂ€dter von der doch recht durchtechnisierten RealitĂ€t ablenken, wenn sie das möchten. Der Freiluftmarkt um die âMarktschĂ€nkeâ jedoch hat sich nicht gehalten, und aus der âBerliner Markthalleâ von 1968 ist eine groĂe, aber auch ziemlich normale âKauflandâ-Filiale geworden. Aber die âMarktschĂ€nkeâ hat sich als Lokal an diesem Ort behauptet und ist ein Denkmal fĂŒr den Wandel der Gastronomie und der Stadtbespielung in den 1980er-Jahren.
Literatur
âDie Markthalle kommt wiederâ, in: Neues Deutschland, 6. Februar 1968, S. 8 âGurken aus dem Spreewald und Eier aus Bernauâ, in: Berliner Zeitung, 7. April 1987, S. 8

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Selfie after 50 days of lockdown
Die MĂŒnzstraĂe. / 09.07.2020
Paul Steinitz - Metropol, Berlin (c.1920) by Susanlenox Via Flickr: Josef Steiner (Munich 1899-1977)