2019
Warum wir Staubsauger-Robotern einen Namen geben
Viele Menschen kaufen sich derzeit einen Staubsauger Roboter. Und praktisch alle geben ihm einen Namen. Sie heißen Saugi, Roberta, Horst-Dieter.
So auch mein Büronachbar. “Und, wie heißt er?”, frage ich, als der Saugroboter das erste Mal durch unsere Büroküche fährt. Überraschter Blick, ein Lächeln. Dann antwortet mein Nachbar: “Er heißt Ernst.”
Wie kommt es, dass wir diesen Geräten einen Namen geben? Und was sagen die Namen über unser Verhältnis zu den Saugrobotern aus?
Wer nach “Staubsauger Roboter Name” googelt, landet in Roboter-Onlineforen. Dort diskutieren die Käufer, für welchen Namen sie sich entscheiden sollen. So etwas macht man schließlich nur einmal. Da holt man sich lieber vorab Rat.
Wer einen eigenen Namen bekommt, erhält eine Identität, wird zur Person, wird aufgenommen in eine Gemeinschaft. Wir geben unseren Kindern nach der Geburt einen Namen. Wir geben unseren Hunden, Katzen und Hamstern einen Namen. Und jetzt auch unseren Saugrobotern.
Aber warum machen wir das? Erster Gedanke: Die Saugroboter bekommen von uns einen Namen, weil sie sich selbständig bewegen – wie ein Haustier oder ein Kind.
Leise brummend fährt der Saugroboter durch unser Wohnzimmer, Schlafzimmer oder Büro. Zuerst sind wir misstrauisch. Nach dem zweiten, dritten Mal vertrauen wir ihm. Aber reicht diese autonome Bewegung schon aus, dass wir das Gerät vermenschlichen? Wohl kaum.
Menschen geben nur selten Gegenständen einen persönlichen Namen. Aber wenn, dann meinen wir es ernst. Zum Beispiel geben Kinder ihren Kuscheltieren Namen – und lieben sie heiß und innig. Die Stofftiere geben ihnen Wärme, Sicherheit. Zum Dank erhalten sie einen Namen.
Vielleicht sind die Saugroboter die Kuscheltiere der Erwachsenen. Sie nehmen uns nehmen Arbeit ab, motzen selten. Dafür sind wir ihnen dankbar.
Das war bei ihren Vorgängern – dem klassischen Staubsauger – noch anders. Da mussten wir uns noch selbst abmühen. Deswegen haben sie sich keinen persönlichen Namen verdient.
Andere technische Geräte wie unser Smartphone bekommen ebenfalls keine Namen. Obwohl wir es oft in der Hand haben. Aber ein Handy erledigt keine Arbeit.
Auch über die Namen selbst kann man etwas nachdenken.
Oft werden die Namen aus der Roboterwelt oder aus den Funktionen abgeleitet. Sie heißen dann Robbi, Saugi, Wischi. Pragmatischer Stil.
Wenn die Saugroboter einen menschlichen Namen erhalten, dann oft mit einem witzigen, ironischen Dreh. Sie heißen dann Günther, Walter, Johnny. Retro-Namen, die man heute nicht mehr vergibt. Zumindest bei Kindern. Fast so, als wäre es uns ein bisschen peinlich, als wollten wir uns davon distanzieren, dass wir unseren Robotern einen Namen gegeben haben.
Unseren Hunden geben wir keine ironischen Namen. Sie heißen heutzutage Max, Kira, Sam. Richtige Kindernamen. Früher hießen Hunde noch Bello oder Rex. Damals saßen sie allerdings auch im Zwinger und nicht im Wohnzimmer.
Die Unternehmen hinter den Saugrobotern haben den Trend offensichtlich noch nicht bemerkt. Sie geben den Geräten immer noch Namen wie Botvac 602, RoboVac 11s oder Proscenic 800T. Solche Namen denken sich nur herzlose Ingenieure aus.
Die Saugroboter kommen alle farblos silber oder schwarz daher. Sie haben noch nicht einmal zwei aufgeklebte Augen. Und sie geben auch keine süßen Pieptöne von sich wie R2D2. Da müssen dringend mal ein paar Designer ran.
Unser Saugroboter “Ernst” macht derweil unser Büro sauber. Danke dafür.
(Benjamin O’Daniel)










