Twittern mit Orchestern: 2. Twitterevent „AsktheOrchestra“ beim Beethovenfestival Bonn. Fünf Orchestermusiker stellten sich am 06.10.2012 zum zweiten Mal den Fragen der Twitterer. Mit „AsktheOrchestra“ erhielten die Fragesteller einen vielfältigen Einblick in die Praxis von Orchestermusikern. Das Thema des diesjährigen Events lautete „Eigensinn – Über das Wahre in der Kunst“.
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Was macht man eigentlich im Orchester, wenn einem ein Stück nicht behagt, wollte Ulrike Schmidt wissen. Kann man auch ein Veto einlegen? Immanuel Drißner vom Bayerischem Staatsorchester antwortete: „Nein, das kann man nicht, manchmal ist da die persönliche Motivationskunst gefragt :-)“ Das DSO ergänzte: „Wenn man sich erst auf ein Stück mit allen Musikern einigen müsste, wäre es unmöglich sich zu einigen.“ Die Frage, ob die Musiker sich Stücke für das Konzert selbst auswählen, können entfachte eine lebhafte Debatte. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, vertreten von Ulrich König (Oboe) antwortete: „Bei uns gibt es ein Komitee, dass das Programm entwirft, jeder Orchestermusiker ist aufgefordert Vorschläge einzureichen.“ Das DSO fügte hinzu: „Es ist nicht so wichtig was wir spielen sondern wie es dirigiert wird, darauf kommt es an. Wir lieben es, das Repertoire zu entdecken.“ Beim City of Birmingham Symphony Orchestra gibt es folgende Praxis, so Stephen Maddock, Chief Executive: „Meistens sind es die Dirigenten, die das Programm zusammenstellen. Unsere Mitglieder füllen zudem eine Umfrage nach jedem Konzert aus, um den Dirigenten, die Solisten und das Programm zu bewerten. Und die Zuhörer schreiben uns Vorschläge – und stimmen mit den Füßen ab.“
Blogger Christian Spließ aka @NGC6544
Was die verschiedenen Geiger tun, wenn im Konzert ein Saite reißt? Kommt darauf an. Ulrich König nahm es von der heiteren Seite: „Sie laufen mit nem roten Kopf raus und kommen blass wieder zurück;-)“. Beim DSOBerlin gibt es folgende Gepflogenheiten: „Entweder Saite am Pult wechseln oder von der Bühne gehen und draußen wechseln. Dann geht's weiter.“ Worauf die Twitterin Kuwiwege nachhakte: „Haben alle Streicherkollegen denn immer Ersatzsaiten dabei im Konzert?“ Die Antwort vom DSOBerlin: „Die Geigengruppen haben ein Notfallpack dabei. Celli und Kontrabass - da brennt nichts an.“ Währenddessen geht es beim Philharmonia folgendermaßen zu: „Der Solist unterbricht, der erste Geiger bekommt eine neue Geige.“ Das ungewöhnlichste Erlebnis beichtete Ulrich König: „Bach Kunst der Fuge - und keine Noten auf dem Pult – schwitz. Anfangsthema auswendig unddann einem 2.Geiger vor mir die Noten weggeschnappt...“
Wissbegierig waren die Twitterer vor allem bei Fragen nach dem Studium und dem Erlernen des Instrumentes. „Wie lange muss man ein Musikinstrument studieren, um fit für so ein Orchester zu sein und ist das je nach Instrument verschieden?“
„Es ist tatsächlich verschieden, allerdings gilt für alle ein Grundstudium von 8 Semestern“, so das Bayerische Staatsorchester. „Für Violine gibt es zum Beispiel mehr Literatur als für Tuba. Ulrich König fügte hinzu: „Früher hießen die Abschlüsse: Schulmusik, Orchester, Solo, jetzt Bachelor und Master, Promotion nur in Musikwissenschaft oder Pädagogik“. Wie lange übt man als Orchestermitglied? Das DSOBerlin antwortete nicht ganz ernsthaft: „Erst darf man keine Kindheit haben. Dann folgt ein lebenslängliches Studium. Geübt wird in den Orchesterproberäumen (zu wenige), im Dienst, zu Hause zur Freude der Nachbarn.“
Über 400 Tweets von fast 80 verschiedenen Nutzern verhalfen dem Q&A Event dazu Trending Topic in Deutschland zu werden und demonstrierten das große kulturelle Interesse und Potential des unterschätzten Echtzeit-Netzwerkes Twitter.
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