Wow… dein Meta-Post war so umfangreich und hat so viele Fragen aufgeworfen, ich bin ehrlich gesagt ein bisschen überfordert davon, wie ich darauf reagieren soll, weil man zu jeder einzelnen Frage ja schon ein ganzes Essay schreiben könnte.
Aber gut, ich hab mir jetzt einfach mal die Themen Adams und Leos Geschichte rausgepickt, um irgendwo anzufangen:
Ich finde gar nicht, dass Adams Geschichte auserzählt sein könnte, ganz im Gegenteil. Ich fand das Ende dieses Teils sehr angenehm, weil man das Gefühl hatte, es könnte sich jetzt für alle in eine gute Richtung bewegen. Und warum könnte man die nicht, z.B. für Adam auch mal erzählen? Zumindest für 2-3 Episoden lang? Ich finde man muss ihn nicht immer wieder und wieder in das nächste große Drama hineinwerfen (was ja vermutlich durch z.B. Barns und Baron der Fall wäre), das hätte für mich sogar irgendwann eher so „Soap“-artige Züge von „Zuviel“.
Vielleicht können sich für Adam ja ganz neue Themen/ und auch Konflikte auftun, die gar nicht immer nur aus der Vergangenheit kommen, sondern auch mal aus der weiteren Entwicklung? Wenn er sich um sein Team kümmern muss, sein Leben neu sortieren muss, vielleicht auch außerhalb des Dienstes ein Leben aufbauen muss. Ich finde, das könnte interessant sein.
Bei Leo sehe ich auch nicht, dass da jetzt die körperlichen Nachwirkungen der Explosion oder Verbitterung im Zentrum stehen sollten. Aber bei ihm gibt es wiederum bestimmt noch einiges, was sich in der Vergangenheit finden ließe…aber eben auch in seiner Entwicklung in der Gegenwart… als Teamleiter, aber auch für sich.
Ich glaube mein Fazit ist, dass wir bei beiden bisher sehr viel Vergangenheits-Bewältigung gesehen haben, aber wenig Gegenwarts-Entwicklung. Und *das* würde ich persönlich aber gerne mehr sehen.
Und, was du für Esther schon gewünscht hast: more happiness and joy.
Es muss ja kein Gesetz sein, dass sie es alle immer schwer haben, damit eine gute Geschichte erzählt werden kann.
Wie schön, dass du deine Gedanken zum möglichen weiteren Verlauf von Adams und Leos Geschichte teilen magst!
Ich war in Das Böse in Dir auch sehr froh, dass sie Leo und Adam nach dem ganzen Auf und Ab in den vorangegangenen Teilen (und der Explosion!) etwas Ruhe uns Stabilität gegönnt haben. 🎉
Dass sie einen Fall bearbeitet haben, in den sie - anders als Esther - nicht persönlich involviert waren, habe ich auch als sehr angenehm empfunden. Dass wir von joy und happiness noch etwas entfernt sind, ist in der Tat schade. Aber das kann schon noch alles ganz gut werden.
Narrativ sind Figuren, die man als konfliktlos bezeichnen kann, bei einem Format wie dem Spatort, denke ich, auf Dauer aber auch eher schwierig bzw. dazu prädestiniert/verdammt in der zweiten Reihe zu bleiben. Das wäre für Leo und Adam traurig.
Aber du hast natürlich ganz recht, wenn du sagst, dass die Konflikte (die ja auch einfach Themen sein können) sich nicht zwingend nur auf Vergangenheitsbewältigung beschränken müssen.
Denn klar, man kann mit Leo, über den wir so wenig jenseits der Arbeit und des Spatenschlags wissen, zurzeit noch in viele Richtungen gehen.
Wenn wir beide nicht so sehr davon überzeugt sind, dass sich Leos Leben in Explosionsnachwirkungen erschöpfen sollte, stellt sich die Frage, wo könnte die Gegenwartsentwicklung uns hintreiben.
Was können denn Leos unbearbeitete Lebensthemen sein (Mann, Ende 30, mit Karriere und Tinnitus/Angst vor dem Ersticken/Belastungsproblematik)? Und weil es ein Spatort ist, schließt sich für mich auch die Frage an, wo wären Parallelen/signifikante Differenzen zu einem Episodenfall und/oder anderen Teammitgliedern?).
Das Drehbuch müsste, um diese Fragen eher positiver zu gestalten, tatsächlich mal ein bisschen mehr Background für Leo erfinden, der nichts mit Adam oder der Tat in der Garage zu tun hat.
Eine Schwester, seit seit 4 Filmen keine Erwähnung mehr gefunden hat, passioniertes Joggen, Pflanzenpflege, Kaffeeleidenschaft, Ermittlungsgeschick und jetzt gesundheitliche Einschränkungen -- das alles ist (Stand heute) ein bisschen dünn für eine Gegenwartsentwicklung. Allerdings ist es auch so dünn, dass fast nichts unmöglich ist, wenn man mutig genug ist einfach ein paar Details zu erfinden. Dass Leo dabei mal Spaß haben könnte, wäre auch erfrischend.
Bei Adam verhält sich die Sache, wenn wir sagen, dass weder Barns, noch Baron noch das Geld jemals wieder eine Rolle spielen sollen, ähnlich. Was könnten denn Adams Themen sein? Und welche davon lassen sich im Krimiformat erzählen?
Wenn wir die Schlussmomente von Das Böse in Dir im Auto mal als Ausgangspunkt nehmen, scheint Adam die Rolle des Kümmerers zuzufallen, der den Überblick behalten muss, weil Leo und Esther zu angeschlagen sind.
Also ja, Adams Rolle im Team als Leos Backup/Second-in-Command, sein Ersatz, sein Partner, sein Konkurrent wider Willen? Adam als der Typ, der Leo seine Grenzen aufzeigt, weil es niemand sonst tut oder sieht ? (Das wäre typisch für den Krimi und easy, wenn man es auf den Konflikt zutreiben will, was sie in den Filmen mit den geraden Zahlen bis jetzt immer wollten ;-) )
Wenn man Adam und Leo wieder etwas mehr ins Zentrum des Geschehens und der Identifikation rücken wollte, wäre auch Folgendes einfach umzusetzen: Die beiden als Duo, die im nächsten Film allein oder im Team in verschieden Szenen versuchen, Pia im Team zu halten, vom angeschlagenen Funktionsmodus wieder in den regulären Dienst und ein drogenfreies Leben zu führen? Auch das könnte interessant sein. Die Sache mit Maras Verschwinden, der Traumatherapie und den Tabletten schwebt ja auch noch in der Luft.
Trotzdem gäbe es auch hier die Möglichkeit happiness und joy einzubauen, beispielsweise Adam und Leo, die nicht nur sagen, dass es besser wird, sondern Pia (und sich selbst) ganz genau vor Augen führen, warum und wie es besser geworden und geblieben ist.
Ich für meinen Teil würde dennoch gerne sehen, wie eine gefestigtere Version von Adam auf das Wiederauftauchen des Barns/Geld-Konflikts reagiert, wie er Leo und das Team ins Boot holt und die Angelegenheit endgültig (und halbwegs professionell) löst. Aber ich mache mir da nicht allzu viele Hoffnungen.
Ich hatte beim Schauen von Das Böse in Dir das Gefühl, dass sie mit dem siebten Fall eine Art Neuanfang machen möchten. Nicht nur, aber auch, weil die Filme bis jetzt immer als Trilogien gedacht schienen. Also ist Das Böse in Dir der Beginn eines neuen dreiteiligen Abschnitts.
Nach Das Böse in Dir ist es nun merkwürdigerweise zum ersten Mal so, dass ich bei Esther und Pia klarere Vorstellungen habe, wo ihre Reise in den nächsten zwei Filmen hingehen könnte als bei Leo und Adam.
Das ist nach 6 Filmen, die den Fokus auf ihre Geschichte gelegt haben und diese zum emotionalen Dreh- und Angelpunkt der horizontalen Erzählung gemacht haben, ziemlich ungewohnt. Weshalb ich mir wünschen würde, dass es in Narben der Zeit (Film 8) dann tatsächlich auch nicht nur um die im Titel angedeutete Vergangenheitsbewältigung gehen wird (Mara oder doch Adams Familiendrama?), sondern die Gegenwartsentwicklung, die sie in Das Böse in Dir begonnen haben, auch fortgesetzt wird.
So jetzt habe ich vielleicht schon wieder einen viel zu langen Text für dieses Format hier produziert, aber ich habe hoffentlich auch erklärt, wo ich bei deinem Wunsch nach Gegenwartsentwicklung und ein bisschen Glück voll dabei bin. 🤗🌞