Mai 2017 und mehrere Jahrzehnte davor
Ziga-was? Vom Raucherhilfsmittel zur Gleichstromquelle
In den Autos meiner Kindheit gab es üblicherweise keine Getränkehalter. Was hingegen unweigerlich vorhanden war – meist nebeneinander –, waren ein Zigraettenanzünder und ein Aschenbecher. Je nach Veranlagung der Fahrzeugnutzer war letzterer entweder leer, voller Zigarettenstummel oder mit anderem kleinteiligen Abfall gefüllt, z.B. zusammengeknüllten Kaugummiverpackungen oder Kassezetteln. Zum Entleeren konnte man das Fach des Aschenbechers herausnehmen und dann ausschütten.
Der Zigarettenanzünder bestand einerseits aus einer Buchse mit ca. 2 cm Durchmesser und andererseits aus einem passenden Stecker mit einem Druckknopf mit Federmechanismus. Steckte der Stecker in der Buchse, so konnte man den Knopf hineindrücken, bis er einrastete. Dadurch wurde der Kontakt zwischen einem spiralförmigen Heizdraht im Stecker und der 12-Volt-Gleichstromversorgung des Autos hergestellt. Der Draht wurde durch den Strom aufgeheizt und nach einer gefühlten halben Minute sprang der Knopf wieder heraus. Man konnte dann den Stecker am Knopf herausziehen und sich mit der glühenden Spirale am anderen Ende eine Zigarette anzünden.
Foto: ZigarettenanzĂĽnderstecker
Selbstverständlich gab es auch in den 1970er Jahren schon Elektrogeräte – z.B. Kartenleselampen oder CB-Funkgeräte – die man anstelle des Anzünders in die Buchse stecken und so mit 12 V Gleichspannung betreiben konnte. Praktischerweise war die Buchse nämlich herstellerunabhängig genormt. Aber die klar vorherrschende Nutzung bestand im Anzünden von Glimmstengeln.
In unserem letzten Auto – einem Renault Megane, Baujahr 2008 – fehlten bereits der Aschenbecher und Stecker mit dem Glühdraht. Die Buchse war in der Mittelkonsole durchaus vorhanden, allerdings mit einer aufklappbaren Plastikkappe, die nicht mit dem Piktogramm einer brennenden Zigarette versehen war sondern mit der Aufschrift "12 V".
Wir verwendeten diese Buchse dann auch pflichtschuldigst nur zum Betrieb eines Navigationsgeräts und zum Aufladen unserer Smartphones. Dazu diente ein Stecker, der außen einen USB-Anschluss hatte, wie man ihn an jeder größeren Tankstelle günstig erstehen kann. (Dieser USB-Stecker kam auch bei folgender Aktion zum Einsatz – und zwar so selbstverständlich, dass ich ihn keiner Erwähnung wert fand.)
Foto: ZigarettenanzĂĽnderbuchse mit USB-Ladestecker
Unser aktuelles Auto – ein Opel-Kleinbus, Baujahr 2009 – hat hingegen wieder einen kompletten Zigarettenanzünder samt Stecker. Letzterer liegt aber üblicherweise im Handschuhfach und in der Buchse steckt der USB-Stecker.
Foto: Zigarettenanzünderzubehör aus dem Handschuhfach – Anzünderstecker, Kartenleselampe, Batteriespannungsprüfer
Wie um den Wandel des Nutzungsmusters zu unterstreichen, hat der Bus eine zweite Zigarettenanzünderbuchse im Kofferraum. Diese ist weder bei normaler Fahrt noch bei zum Schlafen umgeklappter Rückbank von den Passagieren zu erreichen und dient somit ausschließlich zum Betrieb irgendwelcher Campinggerätschaften, z.B. eines kleinen Kühlschranks.