Die HaustĂŒr schwang auf und wehte eine kĂŒhle Brise in den Flur. Tobi sah nach links und sah, wie sich ein Riese durch den TĂŒrrahmen bĂŒckte. Sobald er die graue Cap und die fettigen, grauen Haare sah, die zerzaust unter der MĂŒtze hervordrangen, wusste er sofort wer es war. Sein Name war Vincent ⊠Geher, Gehler? Irgendwie so was, was wie Uri Geller klang. Er war bestimmt zwei Meter zehn groĂ und tauchte immer mit hautengen Hosen und seiner treuen Baseballcap auf. Tobi hatte ihn ein paar Mal in der Schule gesehen, wie er in den Pausen alleine an der Fahrradwache stand und eventuell hatte er ihm ein- oder zwei Mal MDMAâs verkauft. Jedoch war sich Tobi sicher, dass Vincent kein Upper mehr brauchte, oder je einen gebraucht hatte. Seine HĂ€nde zitterten stĂ€ndig und jede seiner Bewegungen war hektisch und eilig.
Vincents Aussehen erinnerte ihn immer an eine ungepflegte Lieblingspuppe, aber was konnte er schon groĂ sagen? SchlieĂlich hatte er das Shirt, was er trug seit Jahrzehnten nicht mehr gewaschen. Aber warum auch? Es war doch noch gut.
Vincent blickte in seine Richtung und kam schĂŒchtern auf ihn zu. Er trug seine graue Cap tief ins Gesicht gezogen, die allerdings nicht seinen panischen Gesichtsausdruck zu verstecken vermochte. Seine Augen waren weit aufgerissen und seine Pupillen rasten umher, als wĂŒrden sie ein spannendes Tischtennismatch beobachten. Hat er Angst vor mir? » He-He-Hey. « » Was gibtâs? « Vincent sah zur Seite und spielte mit seinen verkrusteten Fingern. » H-Hast du ein P-Paar Teile fĂŒr mich? « Tobi leerte seinen Pappbecher und verzog das Gesicht bei dem abscheulichen Nachgeschmack. Wenn er sich sowieso nicht betrank hĂ€tte er auch direkt was SĂŒĂes mischen können. » S-Sorry ich will nicht nerven. « Vincents Augen waren irgendwie noch gröĂer und glasiger geworden und er wand sich zum gehen. » Hey, schon okay. Ich glaubâ ich hab was fĂŒr dich. « Er zog ein PĂ€ckchen MDMAs aus seiner Innentasche. Vincent leckte sich ĂŒber die Lippen und begann wieder an seinen Fingern zu knibbeln.
Er holte tief Luft und wollte grade zu sprechen beginnen, als drei breite Jungs in Tanktops aus dem anliegenden Raum erschienen. » Na schau mal einer an wer da ist. « Mit einem abfĂ€lligen Grinsen auf dem Gesicht postierten sie sich an der Treppe und nickten in Tobiasâ Richtung. Ihre gebrĂ€unte Haut wirkte feucht und das wenige Licht zierte in Reflexen ihre muskulösen Oberarme. » Ist das nicht unser sĂŒĂer Verschwörungstheoretiker? Was machst du denn hier? Willse dir n TĂ€ubchen angeln? «, spie der Kerl mit einer lĂ€cherlichen Menge an ArmbĂ€nder in ihre Richtung. Die Anderen Beiden stimmten schnell mit ein, als er ĂŒber seinen eigenen Witz zu lachen begann. Er kam nĂ€her und kniff Vincent in die Wange. » Was hasse diesmal fĂŒr 'ne Story parat du Psycho? « Vincent versuchte sich aus dem Griff des Typen zu befreien, was ihm aber nur hĂ€misches GelĂ€chter von seinen Kollegen einbrachte. » L-Lass mich. « Vincent wand sich erneut. » B-Bitte. Hö-H-Hör auf. « » Nicht bevor du uns nicht n bisschen Unterhaltung geliefert hast. Hm, wie wĂ€râs? Du erzĂ€hlst doch sonst so gerne deine Phantasiegeschichten, jetzt hasse auch 'n Publikum. « Tobias schluckte, als er Vincents heftiges Wimmern hörte.
» Jungs das reicht. « Der Typ mit den vielen ArmbĂ€ndern sah mit grimmiger Miene zu ihm auf, seine Augen waren nicht mehr als zwei zusammengekniffene Schlitze und auf seiner Stirn zeichnete sich eine tiefe Furche ab. ScheiĂe, Warum hab ich das gesagt. Fuck! » Ăh- Macht ihn von mir aus spĂ€ter fertig, ich ⊠muss auch mein Geld machen. « Am liebsten hĂ€tte er seine Worte zurĂŒckgenommen, er konnte sich nicht mal mit einem von denen prĂŒgeln. (Warum habâ ich immer so eine groĂe Fresse?) Zu seiner Verwunderung lieĂ der Kerl Vincent jedoch mit einem abfĂ€lligem Grunzen los. Er baute sich noch Mal demonstrativ vor den Beiden auf und unter dem halbtransparenten Tanktop zeigte sich sein Sixpack. » Sieht aus als brĂ€uchteste dir kein TĂ€ubchen mehr zu angeln. Hast ja schon 'ne Bitch an deiner Seite. «
Bevor der Hurensohn sich jedoch entfernte boxte er Vincent in die Magengrube und lieĂ ein grölendes GelĂ€chter hören, als Tobias Vincent auffing. Er hielt die Luft an und packte Vincent unter die Arme, der immer noch drohte zusammenzusacken. » Alles okay? « Vincent nickte abwesend, wĂ€hrend er sich den Kopf anstelle seines Bauches hielt. Tobi lieĂ ihn langsam los und Vincent stellte sich wieder auf, wie ein Ballon, den man grade mit Luft gefĂŒllt hatte.
» Danke. « Er blinzelte zu Tobi hinunter, er griff seine Hand und drĂŒckte seine Hand. » Kein Problem, hey. « Er versuchte Vincents Hand loszuschĂŒtteln. » O-Oh. Tut mir Leid. « Als er endlich seine Hand loslieĂ steckte Tobi sie schnell in seine Hosentasche, als hĂ€tte er Angst Vincent könnte sie erneut ergreifen.
Verdrossen sah er ihn an. » Du willst nicht zufĂ€llig mit mir saufen, oder? « Vincent schĂŒttelte verstört den Kopf. » Ne, ich bin kein Trinker. Das ist ungesund. « Tobi lachte. » Du wolltest grad noch Dinger haben, man. « BedrĂŒckt begann Vincent wieder mit seinen Fingern zu spielen, gab allerdings keine ErklĂ€rung. » Willse einen mit mir Rauchen? « Tobi sah, wie die RĂŒckseite von Vincents Hand zu bluten begann, als er weiter an den vielen, kleinen Krusten knibbelte.
» Ich glaube ich sollte nicht h-h-hier bleiben. « War alles, was er nach einer langen Pause sagte. » M-Man mag m-mich nicht. « FĂŒgte er noch hinzu und sah abwesend zur TĂŒre. » Wir können zu mir, wenn du willst. Hier lĂ€uft sowieso nichts mehr. « Tobi nickte abfĂ€llig zum Nebenraum, aus dem nun Britney Spears dröhnte. Ehrlichgesagt wollte er nur eine Ausrede sich von hier zu verpissen und high zu werden.
Vincent hatte sich noch einige Male bitten lassen mitzukommen, als wĂŒrde er erwarten, dass Tobi ihn ebenfalls zusammenschlagen und beleidigen wollte. Naja, er konnte es ihn nicht ĂŒbel nehmen. Als Vincent jedoch die Treppen zu Tobis Mietwohnung hochstieg schien er vor Erwartung nur so zu platzen. Seine Arschbacken wackelten mit jedem Schritt und zeichneten sich genau unter seiner engen Hose ab. Tobi erwischte sich immer wieder, wie sein Blick auf sie fiel. ScheiĂe man, ich bin doch keine Schwuchtel. Aber wĂŒrde er die Gelegenheit ablehnen diesen runden Arsch mal anzufassen? Vermutlich nicht.
Tobi öffnete seine HaustĂŒre und der muffige Geruch nach Fastfood und Gras stieg ihnen entgegen. » Sorry, ist ein wenig unordentlich. « Das war vermutlich noch eine Untertreibung. Ăberall lagen leere Pizzaboxen, Verspackungen und halbvolle Flaschen herum. Die WĂ€nde waren gelb und fleckig, was nur von dem hereinscheinenden Laternenlicht unterstĂŒtzt wurde und alles stank bestialisch. Vincent schien das alles jedoch nicht im geringsten zu bewegen, zumindest lieĂ er sich nichts anmerken.
Tobi fĂŒhrte ihn ins Schlafzimmer, in dem gleichzeitig auch sein Schreibtisch stand, an dem er arbeitete. (Mal ernsthaft, ich arbeite nie.) Fahles Mondlicht, anstelle dem warmen Laternenlicht aus dem Wohnzimmer, fiel durch das breite Fenster zu seiner linken. Sein ganzes Schlafzimmer war in ein kĂŒhles Blau getaucht und vermittelte, mit dem GerĂŒmpel auf dem Boden ein schummriges GefĂŒhl. ZusĂ€tzlich zu Flaschen und Kartons pflasterten KleidungsstĂŒcke den Boden und das helle PVC war kaum mehr unter all dem MĂŒll auszumachen. Tobi stieg ĂŒber sein selbst erzeugtes Mienenfeld hinweg und deutete auf sein Bett. » Setz dich ruhig schon. « Er knipste die Lichterkette, die ĂŒber seinem Bett aufgehangen war an und genoss, wie die kleinen LEDs sein Schlafzimmer langsam in ein orangen Flair hĂŒllten. Tobi hob seine Bong von seinem Nachttisch und wartete, dass Vincent sich setzte. NatĂŒrlich nicht, um weiter zu sehen wie sich seine Pobacken in seiner schwarzen Hose bewegten, er wollte nur, dass Vincent sich hier wohlfĂŒhlte.
» Nett hast duâs hier. « Sagte Vincent, als Tobi wieder mit der Bong ins Schlafzimmer kam. Seine Jacke hatte er im Wohnzimmer fallen lassen und gegen eine halbvolle Cola getauscht. » Danke. « » Moment, ist das Afri Cola? « Verwirrt hob Tobi die Flasche hoch. » Ja, wieso? « Vincent nickte anerkennend, was scheinbar auch alles war, was er als Antwort bekommen wĂŒrde.
WĂ€hrend Tobias erneut ĂŒber die wahllos verstreuten Anziehsachen hinweg stieg beobachtete er Vincent aus dem Augenwinkel. Unter dem gedimmten orangen Licht wirkte Vincent wie ein Portrait aus der Renaissance. Sein Gesicht war ausdrucksreich, selbst seine liegende Haltung war leicht gekrĂŒmmt und hatte etwas dramatisches. DarĂŒber hinaus sah seine Haut so weich und eben aus, ganz anders als seine eigene, die von Rötungen und Akne geziert war. Tobias setzte sich und reichte Vincent die Bong, wĂ€hrend so tat, als wĂŒrde er die Kissen zurechtrĂŒcken.
» Warum nimmst du deine Cap nicht ab? «, bot Tobi schlieĂlich an. Er selbst hatte seinen Beanie zu dem halbaufgeschlagenen Buch und den SĂŒĂigkeiten auf den Nachtschrank gelegt. Wobei er sich nicht mal erinnern konnte das Buch ĂŒberhaupt angefangen zu haben. » Sie beschĂŒtzt mich vor Elektromagnetischen Wellen. «, erklĂ€rte Vincent und zog sie noch ein wenig tiefer. Er sah Tobi wissend in die Augen, » Du weiĂt schon. «, flĂŒsterte er. Tobi nickte, er wusste nicht.
Vincent gab ihm die Bong zurĂŒck und sein rauer HandrĂŒcken streifte dabei ĂŒber Tobiasâ Arm. Er schĂŒttelte sich, als er merkte, dass er begonnen hatte auf Vincents HĂ€nde zu starren. Niedlich sind sie schon.
Gemeinsam saĂen sie in seinem Bett, das schwache Licht verlieh allem einen warmen und eigenartig zarten Charme. Vincent nahm nur kurze ZĂŒge und sah immer wieder aus dem Fenster. » Woran glaubst du? « Tobias atmete den Rauch aus und blickte ebenfalls aus dem Fenster. Nur wenige Sterne leuchteten am Himmel. » Wie, woran glaube ich? Willst du dich ĂŒber mich lustig machen? « Vincent sah mit traurigen Augen zu ihm herĂŒber und in seiner Porzellanhaut bildeten sich Falten. Er hat Angst. » Nein. Mich interessiertâs. « Vincent schlang die Arme um sich, sagte aber weiter nichts. » Wirklich. Ich will dich nicht auslachen. « Ich will nur wissen, ob du völlig durchgedreht bist.
Immer noch zweifelnd faltete Vincent sie Finger in seinem SchoĂ. Unsicher warf er ihm einen Blick zu. » Versprochen? « » Hoch und heilig. «
» Was meinst du, ist dort drauĂen auĂerirdisches Leben? « Versuchte Tobias eine Diskussion zu beginnen, worauf Vincent nur nickte. Nach einiger Zeit rĂ€usperte er sich jedoch und sagte. » Ja und sie sind schon hier. « Eine kurze Pause entstand, in der Tobias auf eine ErklĂ€rung wartete, die jedoch ausblieb. Was hast du erwartet? Du redest hier mit Aluhut-Boy, denkst du echt er kommt dir mit peer reviewed Papern? Der wollte nur seine Drogen. » Was macht dich da so sicher? «, half er nach.
» Nun wenn sie schon hier sind und sie auĂerirdisch, intergalaktisch, sind, dann mĂŒssen sie fortgeschrittene Technologie, Wahrnehmung, oder sonst was besitzen. « » Aber warum sind sie dann schon hier? « Fragt Tobi erneut. » Naja, schau doch mal. « Er hob seine HĂ€nde. » Wenn sie nicht hier wĂ€ren, dann wĂ€ren sie nicht so fortgeschritten, wie erklĂ€rt und wĂŒrden uns praktisch Ă€hneln. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass sich zwei unterschiedliche Spezies, getrennt, unter völlig anderen Konditionen zu dem gleichen Status in einer festgelegten Raum Zeit entwickeln? Je gröĂer diese Wahrscheinlichkeit jedoch wird, desto gröĂer wird auch die Wahrscheinlichkeit der potentiellen Lebensentwicklung auf Planeten und so wird die Wahrscheinlichkeit eine hochentwickelte, oder einer sehr alten, weisen Spezies ebenso viel gröĂer. « Vincent holte tief Luft. (Er hat aufgehört zu stottern.) » AuĂerdem wenn wir annehmen, dass es eine ĂŒberlegene Spezies gibt, was wissenschaftlich durchaus möglich ist, muss zu ihren essentiellen Eigenschaften auch ihre Existenz zĂ€hlen. Weil wenn sie ausgerottet wĂ€ren « Er zuckte die Achseln. » WĂ€ren sie nicht mehr ĂŒberlegen. «
Tobi hob die Augenbrauen, völlig baff wie flĂŒssig die SĂ€tze aus Vincents Mund flossen und zumindest logisch nachvollziehbar und durchdacht klangen. Er schĂŒttelte den Kopf. » Und wo sind sie dann? Warum versklaven sie uns nicht, unterwerfen uns, wenn sie uns ĂŒberlegen sind? «
Vincents helle Augen wurden groĂ und die Andeutung eines LĂ€chelns huschte ĂŒber seine Lippen. Seine glĂ€nzenden, rosigen Lippen. » Sie kontrollieren uns, durch elektromagnetische Signale, durch Stimuli. Warum sollten sie uns zerstören wenn wir potentiell nĂŒtzlich sein können? Unsere Wahrnehmung ist leicht zu tĂ€uschen, wir arbeiten gegen uns selbst. « Fiebrig griff Vincent Tobiasâ Hand. » Versteh doch. Wir leben in einer Simulation. Einer TĂ€uschung. « Tobias lĂ€chelte, sie waren also in der Matrix.
» Okay, aber selbst wenn das so ist, wie willst du das verhindern? Du hĂ€ngst auch von deiner Wahrnehmung ab. « » Das weiĂ ich noch nicht. «, gab er zu und sah bedrĂŒckt zur Seite. » Aber! Ich kann das nicht einfach ĂŒber mich ergehen lassen. Ich bin ein Mensch und Menschlichkeit ist ein Teil von mir! « » Was ist wenn das Menschsein Teil der Simulation ist? «, platzte es Tobi heraus. Er konnte nicht glauben, dass er hier grade offen postulierte, dass sie sich in der verfickten Matrix befinden sollten. » Und in Wirklichkeit bist du nur ein Haufen kleiner Neuronen. «, fĂŒgte er noch hinzu, worauf das energische Funkeln aus Vincents Augen verschwandt. Er drĂŒckte Tobis Hand noch ein wenig fester. » Aber⊠« Er stockte.
Tobi drĂŒckte seine Hand zurĂŒck. (Morsecode) » Hey, das muss nichts schlechtes sein. GenieĂ doch einfach was passiert. Manche Dinge sind gröĂer, als man selbst. « » Wie kann ich das ganze genieĂen wenn ich nicht mehr ich bin? « » FĂŒr mich wirst du immer du sein. Ich halt an dir fest. « Tobi runzelte die Stirn. Hatte er das grade wirklich gesagt? Was eine SchwuchtelscheiĂe, ehrlich.
Auch Vincent schien verwirrt. Einfach nicht mehr drĂŒber nachdenken. » Komm her. « Tobias lĂ€chelte und zog Vincents Arm zu sich in den SchoĂ und setzte ihm seine Cap ab, was er zu seiner Ăberraschung ohne Wiederworte geschehen lieĂ.
» Sind wir Freunde? « Fragte Vincent, der sich anscheinend immer noch keinen Reim auf Tobis Worte machen konnte. Tobi lĂ€chelte nur wieder, so gutmĂŒtig er konnte zumindest, wohlwissend, dass er mit seinen unterlaufenen Augen und seiner Akne wie ein Ungeheuer fĂŒr Vincent aussehen musste. Vincents beige Augen waren riesig und schauten ihn nun schon fast flehend an. Sein Herz klopfte erwartungsvoll höher, als er sich noch nĂ€her zu ihm beugte. Ihre Nasen berĂŒhrten sich schon beinahe, Vincents kleine Stupsnase war ihm so nahe.
Tobias hielt fĂŒr einen Moment inne. Er konnte Vincents flachen Atmen hören, er konnte ihn spĂŒren, wie sich die warme Luft gegen seine Wange schmiegte.
(Worauf wartest du?) Er wusste es nicht. Aber dieser Moment war wunderschön und er hatte Angst, dass ein Kuss das alles beenden wĂŒrde.
Langsam lehnte er sich dennoch nĂ€her zu Vincent, peinlich darauf bedacht ihn nicht mit seiner langen Nase zu pieken. Er schloss die Augen und legte seine zerschundenen Lippen auf Vincents. Seine rosigen Lippen fĂŒhlten sich weich und voll an, obwohl er wusste, dass sie nicht viel gröĂer waren als seine eigenen. Tobis Herz hĂ€mmerte wie verrĂŒckt gegen seine Brust und fĂŒr einen Moment hatte er das Atmen völlig vergessen. Es war wie sein erster Kuss. Ich habâ schon dutzende gekĂŒsst. (Vielleicht, aber du hast noch nie einen Vincent gekĂŒsst. Noch nie seine kleine Stupsnase an deiner Wange gefĂŒhlt. Seine verkrusteten HĂ€nde an deinen. Und seine warmen Lippen auf deinen.) Tobias hatte keine Ahnung mehr, wie er seine Lippen zu bewegen hatte, wie er Vincent anfassen sollte, geschweige denn wie er atmen sollte. Aber dennoch war es so wunderschön. Oh wie sehr hoffte er, dass Vincent auch nur die HĂ€lfte von dem allen spĂŒrte.
Tobi öffnete seine Augen einen Spalt weit und sah Vincents flatternde Wimpern und seinen entspannten Körper. Erleichtert legte er eine Hand auf Vincents Nacken und zog ihn nÀher zu sich.
Es war der schönste Kuss, den er je hatte. Der Einzige, der es wert war ein Kuss genannt zu werden, es war nicht einfach nur ein wildes Schalbberfest. Er zog den langen Vincent bald völlig auf seinen SchoĂ, was sich als schwerer als gedacht erwies, weil er ihren Kuss unter keinen UmstĂ€nden beenden wollte. Vincents warme HĂ€nde streichelten behutsam ĂŒber seine Wangen, berĂŒhrten die vielen Akne Narben sowie die kleinen Pickel.
Als sich ihr Kuss eventuell in kleine Liebkosungen verwandelte lagen ihre Gesichter immer noch so dicht aneinander, dass Tobias Vincents Eigengeruch von Kirschen und irgendwelchen Beeren vernahm. Er rutsche noch ein wenig nĂ€her an ihn und spĂŒrte Vincents eng eingepackten Hintern an seinen Oberschenkeln. » Ist dir die enge Hose dir nicht unangenehm? « Vincent deutete ein Achselzucken an, woraufhin Tobi seine HĂ€nde auf Vincents Taille legte. » Willst du sie aufmachen? « Es sollte nachsichtig klingen, stattdessen klang er wie ein notgeiler Hurensohn. » O-Oh-Okay. « Tobi öffnete die vielen Knöpfe, worauf ein erleichterter Seufzer an seine Ohren drang. Es muss unglaublich gekniffen haben. ScheiĂe, das Teil hatte nicht mal 'nen ReiĂverschluss. ZĂ€rtlich fuhr er ĂŒber die tiefen Markierungen, die die enge Hose an Vincents HĂŒfte hinterlassen hatte.
» H-Hast du was dageg-gen, wenn ich mich ganz ausziehe? « Verwirrt blickte Tobi auf den groĂen Mann in seinen Armen. » Nein, ist schon okay, denke ich. « Vincent strampelte die Hose von sich und lieĂ sie auf den Boden plumpsen. Sein Shirt und die Boxershorts folgten ihr schnell. Erâs wie ich, stellte Tobi schmunzelnd fest, ein kleiner Chaot. Der nun völlig nackte Vincent kuschelte sich wieder an ihn und Tobi legte seine warmen Arme um ihn.
Sollte ich ihn nicht ficken wollen? Er sah in Vincents orangenes Gesicht und strich ihm die Haare aus den Augen. » Soll ich mich auch ausziehen? « Tobias drĂŒckte ihm einen Kuss auf die runde Nase und hoffte, dass seine Frage nicht allzu dĂ€mlich klang. Verdutzt sah Vincent ihn an. » Kannst du machen, wenn du dich dann besser fĂŒhlst. « Tobi seufzte und drĂŒckte Vincents Hand. Er hoffte, dass das Licht seine roten Wangen versteckte. » Nein, ich meine willst du, dass ich mit dir schlafe? « » Ich weiĂ nicht. « » Wie? « » Ich weiĂ nicht «, wiederholte er nur. Vincent schluckte und begann zu flĂŒstern » Bin ich jetzt deine Bitch? « Tobi konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. » Oh Vincent. Du bist mein Freund.«
Auch Vincent fing an zu lachen und sie gaben sich noch einen Kuss.
(Wie ist das passiert?) Tobi wusste es nicht, aber er war froh darĂŒber. War froh darĂŒber, dass jemand in seinen Armen lag, der nicht nur da war um seinen Schwanz anzufassen. Und er war froh darĂŒber, dass dieser jemand vielleicht eine kleine Meise hatte, aber dennoch kein Trottel war.
Und wenn, er ist mein Trottel. Dachte er und drĂŒckte seinem Trottel noch einen Kuss auf die SchlĂ€fe.