Day 9 of 366
Müde stehe ich nur wiederwillig auf, meine Mum will mit mir shoppen gehen.Ich habe keine wirkliche Lust dazu, stelle mich vor den Spiegel, um mich zu motivieren, doch es wird dadurch nur noch schlimmer. Meine Arme sind zu dick, meine Beine berühren sich fast, mein Bauch ist zu schwabbelig, man sieht meine Rippen nur schwach, und meine Schlüsselbeine stechen auch nicht sonderlich hervor. Warum kann ich nicht auch so schön sein, wie alle anderen?, geht mir durch den Kopf. Ich überlege mal wieder nach der Klinge zu greifen, aber meiner Mum würde es auffallen. Nicht heute. Auserdem hab ich beschlossen, dieses Jahr es zu lassen.
Nach der Autofahrt zerrt meine Mum mich in unzählige Geschäfte, um ein KLeid für meine Konfirmation zu finden, es bringt nichts Mum, ich seh in allem Scheiße aus.Ich probiere für sie ein paar Kleider an, und muss jedes mal meine Wut und Tränen unterdrücken, wenn ich mich im Spiegel ansehe.Warum muss ich nur so aussehen? Nach x Kleidern gibt es meine Mutter schließlich auch auf, ich bekomme noch eine Leinwand und neue Farben, um ein Bild für die goldene Hochzeit meiner Großeltern zu malen,einen Rucksack, etwas Unterwäsche, bevor wir am späten nachmittag wieder nach hause fahren. Auf der Rückfahrt streite ich mich mit meiner Mum, ein unwichtiges Thema, unnötige Tränen, Hass im Bauch.Ich frage sie, ob ich den Rest zu fuß gehen kann, sie zwingt mich dazu im Auto zu bleiben. Ich kann in dem Moment einen FReund von mir gut verstehen, der keine Kinder will, da er Angst hat, das er selbst so wie sie werden wird.
Zuhause laufe ich in mein Zimmer, drehe meine MUsik laut, komme nicht einmal zum Abendessen aus meinem Zimmer. Die Welt um mich herum scheint in verschiedenen Grautönen gemalt zu sein, und bewegt sie nur im Takt zum Bass von Casper. Ich hab vor kurzem wieder angefangen seine Musik zu hören, es erinnert mich an frühere Zeiten, Zeiten die anders waren. Ich kann nicht sagen, ob die Zeiten unbedingt besser waren, aber ich hatte auf jedenfall noch mehr Hoffnung, und ein Glänzen in meinen hellblauen Augen. Wenn ich mich jzt im Spiegel betrachte frage ich mich, wohin das kleine, fröhliche Kind gegangen ist. Wohin, weiß ich nicht, aber ich weiß, was es vertrieben hat, es hatte Angst, in den Tränen dieser schrecklichen Welt zu ertrinken, oder am Hass dieser Welt zu ersticken.
Etwas später skype ich mit ihm, er ist der einzige Lichtblick in dem Trist meines Lebens, doch ich vermisse seinen Körper hier, die 298km trennen uns. Ich will zu ihm, aber es geht nicht. Iwann schläft er ein, und ich beende den Anruf.
Ich sehe mir noch ein paar Interwies von Kraftklub an, um MItternacht ruft mich eine Freundin an. Sie hat mir versprochen, noch mit mir zu reden, aber sie ist zu angetrunken, um sich vernünftig mit mir unterhalten zu können. Nach zwanzig Minuten lege ich schließlich auf, es macht ja eh keinen Sinn. Ich schaue mir ein paar alte Nachrichten an, entdecke dabei einen Chat mit einem meiner Exfreunde, in der letzten Nachricht wirft er mir vor, ich könnte der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen. Ich tippe die Nachricht ‘‘Das konnte ich doch noch nie’‘ ein, muss schlucken, scrolle weiter, nur unwichtige Chats, einige Beleidigungen von einem ehemals besten Freund. Ich lösche die Nachrichten, und schaue dann um etwa null Uhr dreißig mein Emailpasswort an, entdecke eine Nachricht mit 142Fotos von dem letztem Herbstlager. Ich sehe sie mir durch, speicher sie ab und schicke sie in die Gruppe von dem Lager weiter, bis ich bei einem Foto von uns allem kurz vor dem Hajk stehen bleibe. Ich sehe furchtbar aus, meine blonden Haare sind struppig, ich bin kaum geschminkt, trage die traditionelle Juja, und Wanderschuhe,und doch, hab ich wie alle anderen ein breites lächeln im Gesicht und meine Augen leuchten. Die Zeit war so schön, und erscheint mir so unendlich weit entfernt. Eine Nachricht taucht auf meinem Display auf, M schreibt, das ich so langsam mal schlafen sollte, ich ignoriere die Nachricht. Danach kommt die Nachricht ‘‘Schlampe’‘ von einer Klassenkameradin auf mein Handy, ich hab Lust ihr zu zeigen, wie unwissend sie ist, und verfasse einen Text darüber, weshalb ich so bin, wie ich bin. Danch schreibt M mir wieder, das ich langsam ins Bett gehen sollte, ich schaue auf die Uhr, 2:34, er hat recht. Ich mache mich fertig und versuche dabei den Blick in den Spiegel zu vermeiden, und schalte dann das Licht aus, und falle in einen unruhigen Schlaf.













